Ein paar verlorengegangene Kleinigkeiten

18. Dezember 2009, 19:11
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Auch die Wiedergabe von Landeswappen kann sich komplizierter als erwartet gestalten

Wären Namen doch wirklich nur Schall und Rauch! Wir würden uns viel ersparen. Durch Weglassung und Veränderung von Namensteilen haben wir zwei Herren in der ohnehin schwer durchschaubaren Hypo-Causa auftreten lassen, die man so selbstverständlich nicht kennt. Der Chef des baldigen Ex-Miteigentümers Grazer Wechselseitige Versicherung (Grawe) heißt Othmar Ederer und nicht Eder – wenigstens die richtige Namensendung soll nicht verloren sein, es ist ja schon genug weggekommen. Der gerade eben zurückgetretene Chef der Bayern-LB heißt Michael Kemmer und nicht Stemmer.

Und jener deutsche Kollege, der in der FAZ das Berlusconi-hafte System Inserate-für-freundliche Berichterstattung von Werner Faymann beschrieb, heißt Reinhard Olt und nicht Gerhard. Missverstanden fühlt sich der Budapester Essayist, Literaturwissenschafter und Übersetzer László F. Földényi, den wir vor einer Woche in einem Interview unter anderem zur Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller befragten. „Herta Müller schreibt Kitsch“ lautete der darüber gesetzte Titel, Földényi will das so nicht stehen lassen: „Im Allgemeinen schreibt Müller überhaupt keinen Kitsch. Meine Missbilligung gilt allein manchen Passagen ihres letzten Romans, Atemschaukel“. Er meint die Schilderung des Lagerlebens des Protagonisten, an diesen Stellen empfindet er „Metaphern, Adjektive oder Vergleiche als kitschig, da sie das schwerwiegende Thema schwerelos machen. Diesen Vorwurf rufe ich nicht zurück; aber das würde mich überhaupt nicht dazu führen, Müllers sonst hervorragende Kunst im Ganzen mit Kitsch in Verbindung zu bringen.“

Auch die Wiedergabe von Landeswappen kann sich komplizierter als erwartet gestalten. Folgt man den Ermahnungen des Heraldikers, so sind die Schilde der Steiermark, Oberösterreich und Salzburgs sowie Niederösterreichs und Kärntens nicht ohne Herzoghut, Mauerkrone oder Turnierhelm darstellbar. Immer wieder unterlassen wir dies, da die Zier mancher Schilde die Proportionen der Darstellung zusammen mit anderen Wappen in der Regel sprengt. Wir verwenden die Wappen als Symbole und nicht als jene Hoheitszeichen, als die sie in den Landesgesetzen präzise beschrieben sind.

Der kleine Unterschied

Kleine Unschärfen können aber auch große Wirkung haben: In einem Bericht über den Geldmangel zur Erhaltung der jüdischen Friedhöfe in Österreich schrieben wir, „der Bund habe ohnedies die primäre Verantwortung: weil ihm die Finanzierung der Kultusgemeinden obliegt.“ Richtig ist: Dem Bund obliegt die Regelung der Finanzierung der Kultusgemeinden. Man kann also nicht einfach zu Josef Pröll kommen und die Hand aufhalten. Das haben wir in anderem Zusammenhang aber schon auch anders erfahren. (Otto Ranftl, DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.12.2009)

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