Goldblase und Goldbugs

18. Dezember 2009, 19:13
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Die jüngste Steigerung beim Goldpreis sieht verdächtig nach einer Blase aus

Die Goldpreise sind steil gestiegen - bis auf 1200 Dollar pro Unze und darüber hinaus. Die "Goldbugs" (Investoren, die auf steigende Goldpreise spekulieren) behaupten derzeit, die Preise könnten auf über 2000 Dollar steigen. Doch sieht die jüngste Preissteigerung verdächtig nach einer Blase aus, da sich die Zunahme nur teilweise anhand der wirtschaftlichen Grundlagen rechtfertigen lässt.

Die Goldpreise steigen nur in zwei Situationen steil an: Wenn die Inflation hoch ist und weiter steigt und wenn das Risiko einer Beinahedepression besteht und die Investoren um die Sicherheit ihrer Bankeinlagen bangen.

Die letzten beiden Jahre passen in dieses Muster hinein. Der rasche Anstieg der Goldpreise begann in der ersten Hälfte 2008, als die aufstrebenden Märkte überhitzten, die Rohstoffpreise stiegen und es Bedenken hinsichtlich der steigenden Inflation in Schwellenländern mit hohem Wachstum gab. Die zweite Preisspitze kam, als Lehman Brothers zusammenbrach und die Investoren Angst um die Sicherheit ihrer Finanzanlagen bekamen. Im Februar/März 2009 stieg Gold wieder über 1000 Dollar, als es so aussah, als stünde ein Großteil der Finanzwelt in den Vereinigten Staaten und Europa kurz vor einer Insolvenz und als könnten viele Regierungen nicht für die Bankguthaben garantieren und das Finanzsystem nicht absichern, da Banken, die zu groß waren, um in Konkurs zu gehen, auch zu groß waren, um gerettet zu werden.

Die Panik legte sich - und die Goldpreise fingen wieder an zu sinken -, nachdem die US-Banken "Stresstests" unterzogen wurden, das amerikanische Bankenrettungsprogramm Tarp das Finanzsystem weiter absicherte, indem es schlechte Vermögenswerte aus den Bilanzen der Banken entfernte, und die Weltwirtschaft allmählich die Talsohle durchschritt.

Warum also haben die Goldpreise in den letzten Monaten wieder angefangen, stark zu steigen, obwohl es kein drohendes Inflations- oder Depressionsrisiko gibt? Es gibt mehrere Gründe. Erstens: Obwohl derzeit immer noch eine globale Deflation zu beobachten ist, steigern Haushaltsdefizite die Besorgnis im Hinblick auf eine mittelfristige Inflation. Zweitens jagt eine massive Liquiditätswelle, die durch die lockere Geldpolitik ausgelöst wurde, hinter Vermögenswerten her. Drittens drücken Dollar-Carry-Trades den US-Dollar rasch in den Keller. Und je niedriger der Dollar ist, desto höher ist der Dollarpreis für Öl, Energie und andere Rohstoffe - einschließlich Gold.

Viertens ist das weltweite Goldangebot begrenzt, und die Nachfrage steigt schneller, als sie befriedigt werden kann. Und schließlich steigt das staatliche Risiko - man denke an die Schwierigkeiten, in denen Investoren in Dubai, Griechenland und anderen Schwellen- und Industrieländern stecken. Doch da Gold keinen Substanzwert hat, gibt es ein beträchtliches Risiko einer Abwärtskorrektur. Am Ende werden die Zentralbanken aus der quantitativen Lockerung und Zinssätzen von null Prozent aussteigen müssen. Ein weiteres Abwärtsrisiko ist, dass sich der Dollar-Carry-Trade auflösen könnte und die globale Assetblase, die er zusammen mit der Schwemme an monetärer Liquidität verursacht hat, platzen lässt.

Der jüngste Anstieg der Goldpreise lässt sich nur zum Teil mit den Fundamentaldaten rechtfertigen. Auch ist nicht klar, warum die Investoren Gold horten sollten, wenn die Weltwirtschaft wieder in eine Rezession verfällt. Wenn man wirklich eine globale Kernschmelze befürchtet, sollte man seinen Vorrat an Waffen, Dosennahrung und anderen Waren aufstocken, die man in seinem Blockhaus tatsächlich gebrauchen kann. (©Project Syndicate, 2009. Übersetzung: Jan Doolan, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.12.2009)

Zur Person

Nouriel Roubini ist Professor für Ökonomie an der Stern School of Business in New York.

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