Ruhe vor der nächsthöheren Energiestufe

18. Dezember 2009, 18:57
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Sicherungssysteme werden an die höheren Anforderungen angepasst - erste Publikation über Proton-Kollisionen

Genf - Vier Wochen nach seinem Neustart tritt der Teilchenbeschleuniger LHC in eine kurze Ruhephase ein, in der er für die nächsthöhere Energiestufe gerüstet wird. Bis Februar sollen unter anderem die Sicherungssysteme an die höheren Anforderungen angepasst werden, teilte die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) am Freitag in Genf mit.

Der deutsche CERN-Direktor Rolf-Dieter Heuer zeigte sich erfreut über die bislang erreichten Ziele. Seit dem Neustart am 20. November seien mehr als eine Million Teilchenkollisionen produziert worden, die nun von Wissenschaftern in aller Welt ausgewertet würden. In dem 27 Kilometer langen Tunnel bei Genf purzelten die Energierekorde: Am 30. November wurde ein nie dagewesenes Energieniveau von 1,18 Tera-Elektronenvolt (TeV) gemessen. Vergangene Woche waren es schon 2,36 TeV. Im neuen Jahr könnte eine Beschleunigung von bis zu 3,5 TeV erreicht werden. Dann erst versprechen sich die Forscher neue Erkenntnisse aus der Kollision der Protonen. Ziel ist es, wissenschaftliche Rätsel zur Entstehung des Universums und Struktur der Materie zu lösen.

"Das Jahr 2009 hätte nicht besser zu Ende gehen können", sagte Heuer. Die Systeme seien getestet und Datenmaterial für deren weitere Abstimmung gesammelt worden. Aus diesem Material ergeben sich auch die nun fälligen Anpassungsarbeiten, damit die Anlage im nächsten Jahr erneut höher gefahren werden kann.

Publikation

Währenddessen erscheint die erste wissenschaftliche Veröffentlichung über Proton-Kollisionen im LHC in der Online-Ausgabe des "European Physical Journal C". Beim ALICE-Experiment wurden insgesamt 284 Kollisionen aufgezeichnet und sofort rekonstruiert und analysiert. Die Wissenschafter bestimmten die durchschnittliche Anzahl der geladenen, senkrecht zur Strahlrichtung emittierten Teilchen, bekannt als "Pseudorapidity Density". Ziel des Tests war, diese Ergebnisse mit vorherigen Messungen von Proton-Antiproton-Kollisionen mit gleicher Energie zu vergleichen und eine Referenz für den Vergleich mit zukünftigen Messungen bei höheren LHC-Energien zu erstellen.

Die wissenschaftliche Veröffentlichung der ALICE-Collaboration, zu der Autoren von 113 Forschungsinstituten beigetragen haben, beschreibt detailliert die experimentellen Bedingungen sowie die Hauptmerkmale des ALICE-Detektorsystems, dass für die Analyse eingesetzt wurde. ALICE-Sprecher Jürgen Schukraft dazu: "Dieser wichtige Vergleichstest verdeutlicht in der frühen Startphase die exzellente Funktion und den raschen Fortschritt beim LHC-Beschleuniger sowie bei der Hard- und Software des ALICE-Experiments. Der LHC und seine Experimente können nun endlich für die Forschungen in der Physik genutzt werden."(APA/red)

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