Frühlingslüfterl am Konjunkturhimmel

18. Dezember 2009, 18:46
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Wifo und IHS erwarten für 2010 und 2011 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent oder mehr

Die Wirtschaft erholt sich schneller als gedacht. Für 2010 und 2011 wird ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent oder mehr erwartet. Die Arbeitslosigkeit könnte trotzdem den höchsten Stand seit 1953 erreichen.

Wien – Kurz vor Weihnachten ist der "Frühling angebrochen". Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Karl Aiginger, meint damit aber nicht die Temperatur im Land, sondern die Konjunktur. Sowohl das Wifo als auch das Institut für Höhere Studien (IHS) haben am Freitag nämlich neuerlich ihre Wachstumsprognosen nach oben revidiert.

Für 2010 wird nun ein Wachstum von 1,3 (IHS) bzw. 1,5 (Wifo) Prozent erwartet. Noch vor einem halben Jahr lagen die Prognosen nur bei einem halben Prozent. Für 2011 rechnet man, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,6 bis 1,7 Prozent zulegt. Für das ablaufende Jahr 2009 wird mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um 3,4 (Wifo) bzw. 3,7 (IHS) Prozent kalkuliert. Hauptsächlich werden die besseren Werte auf den sich erholenden Welthandel zurückgeführt.

"Holpriger und zögerlicher Aufschwung"

Sowohl Aiginger als auch IHS-Chef Bernhard Felderer warnen aber vor zu großem Optimismus. Der "Wendepunkt" sei zwar geschafft, der Aufschwung sei aber ein "holpriger und zögerlicher", sagte Aiginger. Es werde immer wieder Quartale mit kleineren Rückschlägen geben.

Um beim Wettervergleich zu bleiben: "Aus den Eisheiligen könnten Eisteufel werden." Gemeint ist damit das hohe Engagement der österreichischen Unternehmer in Osteuropa. Von der Struktur her sei man damit in den nächsten Jahren nicht begünstigt. Denn: Die großen Wachstumsmärkte werden in Asien erwartet. Österreich habe aber trotzdem das sechste Jahr hintereinander besser abgeschnitten als der Euroraum, betonte Aiginger.

Kaum Investitionen

Zu einem großen Aufschwung wird es laut Felderer aber nicht kommen, weil die Unternehmen zu wenig investieren. Die Gründe: Die Kapazitätsauslastung sei schlecht, Kredite seien in den nächsten Jahren wegen der strengeren Regeln für die Banken schwerer zu bekommen.

Als Hauptprobleme für die Zukunft werden von den Wirtschaftsforschern die hohe Arbeitslosigkeit und das explodierende Budgetdefizit ausgemacht. Das Wifo rechnet, dass bis 2011 weitere 40.000 Menschen arbeitslos werden. Das wäre der höchste Wert seit 1953. Das IHS kalkuliert zwar mit einer etwas niedrigeren Rate, Felderer geht aber davon aus, dass es auch in den Jahren nach 2011 noch zu keiner Entschärfung kommt. Die Öffnung des Arbeitsmarktes für die osteuropäischen Länder ab 2011 führe nämlich zu einem "leichten Verdrängungswettbewerb".

Plan für Schuldenabbau eingemahnt

Felderer forderte die Regierung neuerlich auf, möglichst rasch einen Plan zum Abbau der Staatsschulden auszuarbeiten. Der Schuldenstand wird 2010 auf 73 Prozent des BIP steigen. Auch Aiginger geht davon aus, dass die Vorarbeiten für den Schuldenabbau ab 2011 das dominierende Thema im nächsten Jahr sein werden.

Gespart werden solle überwiegend bei den Staatsausgaben, sind sich die Experten einig. Aiginger kann sich beispielsweise auch eine Nulllohnrunde für den öffentlichen Dienst vorstellen. Erst wenn man sich im Verwaltungsbereich oder dem Förderwesen nicht auf Kürzungen einigen könne, solle man über das Streichen von Steuerbegünstigungen oder höhere Steuer nachdenken.

Felderer möchte derzeit gar nichts von höheren Abgaben wissen. Allerdings hatte er im Sommer bereits laut über eine Anhebung der Mehrwertsteuer nachgedacht. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.12.2009)

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