Christoph Leitl

"Wir waren bisher unfähig zu Reformen"

18. Dezember 2009 23:17
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    Christoph Leitl: "Wir Österreicher sind alle toll bei der Zielformulierung, aber miserabel bei der Umsetzung."

Wirtschaftskammerboss Christoph Leitl über den Aufstand der Jungen, weihnachtliche Geschenkstrategien und zügellose Wallstreet-Boys

"Da könnte ein alter Optimist zum Pessimisten werden": Wirtschaftskammerboss Christoph Leitl über den Aufstand der Jungen, weihnachtliche Geschenkstrategien und zügellose Wallstreet-Boys. Von Gerald John.

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Wien - Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl (ÖVP) kritisiert im STANDARD-Gespräch die Regierung für ihren mangelnden Reformeifer: So hätten der Bundeskanzler und der Vizekanzler versprochen, bei der staatlichen Administration 3,5 Milliarden Euro einzusparen, aber: "Niemand hat eine genaue Vorstellung, in welcher Zeit, mit welchen Mitteln, in welchem Prozess."

Neben "der Reform bürokratischer Systeme" plädiert Leitl auch für eine Erneuerung der Pensionssysteme, des Gesundheitssystems sowie der Bundesbahnen: "Aber leider gilt: Wir waren bisher unfähig zu Reformen, wenn es um staatlich finanzierte Apparate geht."

Um nach der Wirtschaftskrise "wieder auf eine vernünftige Verschuldung von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes" zu kommen, fehlen etwa zehn Milliarden Euro, rechnet der Wirtschaftskammerpräsident vor. Unter anderem will Leitl bei den Pensionen fünf Milliarden einsparen, was einerseits durch den Wegfall der Hacklerregelung, andererseits durch das Anheben des faktischen Pensionsalters von 58 auf 62 Jahre zu gewährleisten wäre. 

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STANDARD: Haben Sie Ihre Weihnachtseinkäufe schon erledigt?

Leitl: Ja, bereits während des ganzen Jahres. Immer, wenn mir etwas einfällt, das jemandem eine Freude machen könnte, schlage ich zu, beschrifte das Geschenk und stecke es in die Geschenkelade meines Schreibtischs. Zu Weihnachten brauche ich dann nur mehr das eine oder andere zu ergänzen.

STANDARD: Wie viel muss ein Wirtschaftskammerchef ausgeben, um bei seiner Klientel gut dazustehen?

Leitl: Auch ein Kammerpräsident denkt wie ein normaler Mensch: Nicht der Wert, sondern Herz und Idee dahinter sind das Entscheidende an einem Geschenk. Das lässt sich auf die Politik umlegen. Wünsche, die viel Geld kosten, können wir uns derzeit nicht leisten. Gefragt sind intelligente Projekte, die zu Selbstläufern werden.

STANDARD: Die Regierung hat heuer viel ausgegeben. Sinnvollerweise?

Leitl: Fürs erste Jahr stelle ich ein sehr gutes Zeugnis aus. Womit sich die Deutschen zum Teil jetzt noch abmühen, haben wir rasch zusammengebracht: erstens die Banken gesichert, zweitens wirtschaftliche Impulse gesetzt, drittens Kaufkraft generiert. Obwohl Österreich stark von den Turbulenzen in Mittel- und Osteuropa betroffen ist, hat sich das Land beachtlich gehalten.

STANDARD: In der Gegenwart - aber wie schaut's für die Zukunft aus?

Leitl: Früher hatten wir im Fortschrittsbericht der Systeme Platz eins abonniert. Nun sind wir Letzter im Dreiländervergleich mit Deutschland und der Schweiz. Wir brauchen eine vierfache Erneuerung: der bürokratischen Systeme, der Pensionssysteme, des Gesundheitssystem und der Bundesbahnen. Leider gilt: Wir waren bisher unfähig zu Reformen, wenn es um staatlich finanzierte Apparate geht.

STANDARD: Woran hapert's?

Leitl: Wir Österreicher sind alle toll bei der Zielformulierung, aber miserabel bei der Umsetzung. Bundeskanzler und Vizekanzler haben gleichermaßen versprochen, bei der staatlichen Administration 3,5 Milliarden Euro einzusparen. Aber niemand hat eine genaue Vorstellung in welcher Zeit, mit welchen Mitteln, in welchem Prozess.

STANDARD: Die Regierung arbeitet eh intensiv daran, die Fuhrparks der Ministerien zu fusionieren ...

Leitl: ... und Sie verschweigen ein anderes epochales Projekt, das Zusammenlegen der drei Wetterdienste in Österreich. Wir lachen darüber, für eine Faschingszeitung wäre das lustig. Aber natürlich sind das Nebenthemen, während das Wesentliche übersehen wird. Nehmen wir die Themen Gesundheit und Schule. Reden Sie mit einem Arzt, reden Sie mit einem Lehrer. Beide werden klagen, dass sie 40 Prozent ihrer Zeit für bürokratischen Kram aufwenden, statt Schülern und Patienten zu betreuen.

STANDARD: Ärzte und Lehrer werden aber auch sagen, dass man Schulen und Spitäler kein Geld streichen dürfe, um Budgetlöcher zu stopfen.

Leitl: In Bildung und Forschung muss man investieren, richtig. Dort liegt unsere Zukunftshoffnung.

STANDARD: Dann ist aber auch der von Ihnen propagierte Plan, die Staatsschulden via Verwaltungsreform abzubauen, eine Illusion.

Leitl: Um nach der Krise wieder auf eine vernünftige Verschuldung von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu kommen, fehlen uns etwa zehn Milliarden. Grob gerechnet soll die Hälfte beim Pensionssystem eingespart werden, indem die Menschen im Schnitt so wie in Schweden wenigstens bis 62 statt bis 58 arbeiten. Dazu kommen 3,5 Milliarden aus der staatlichen Bürokratie, zwei Milliarden aus der Gesundheitsverwaltung, eine Milliarde aus der Schulverwaltung.

STANDARD: Dafür müsste man bei Spitälern und Schulen kürzen.

Leitl: Ich gehe davon aus, dass bei der Berechnung des Budgetlochs die steigenden Kosten in diesen Bereichen inkludiert sind. Eingespartes Geld könnten wir in Sinnvolleres als Bürokratie stecken, etwa in eine moderne, differenzierte Gesamtschule. Tun wir das nicht und heben stattdessen neue Steuern ein, passiert etwas anderes: ein Aufstand der jungen Generation, die es sich nicht mehr bieten lassen wird, dass sie für uns Ältere stets die Rechnung zahlen soll.

STANDARD: Einsparungen, die niemandem wehtun, werden nicht ausreichen.

Leitl: Reformen mit dem Wattebausch gibt es nicht. Mit klugen Begleitmaßnahmen lassen sich in Verwaltungen und Organisationen in drei Jahren zehn Prozent einsparen. Das hat unsere Reform der Wirtschaftskammer gezeigt.

STANDARD: Sie sind seit zehn Jahren Präsident der Wirtschaftskammer. Haben Sie den Glauben an den freien Markt nun revidieren müssen?

Leitl: Nein. Ich wollte nie, dass der Staat ins letzte Ecke gestellt wird. Leider ist die nationale Politik unfähig, sich international zu organisieren. Obama ist nicht imstande, die Wallstreet-Boys einzubremsen, Europa schafft keine klaren Finanzspielregeln. Die Überheblichkeit der Finanzwelt nimmt wieder zu, die nächsten Blasen bauen sich auf, der Virus verbreitet sich von Neuem. Da wird selbst der alte Optimist Leitl zum Pessimisten. (Gerald John, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.12.2009)

Zur Person

Der 60-jährige Oberösterreicher Christoph Leitl (ÖVP) ist Präsident der Wirtschaftskammer.

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Freigeistin1
24.12.2009 15:34

Abschaffung der Zwangs-Kammer-Mitgliedschaft!!!
Sowohl für WKÖ und AK!

RwieR SwieS
20.12.2009 19:47
witzig..

ich hab schon jetzt keine lust mehr für andere zu zahlen - vorallem ohne aussicht darauf dass ich das pensionensystem auch nutzen kann in den nächsten 40 jahren..

lubo
20.12.2009 18:01

richtig. unfähig zu reformen war NUR die ÖVP

maj jong
20.12.2009 12:04
der dürre Neugebauer oder ...

ein voller Sack fällt seinem Klientel nicht um....


die schwarzen Banken, Bauern, Mindeststeuernbezahler und Förderungskassiere aber dem Kuhkackerlehrling fallen schnell unser Gesundheitssystem, das Pensionssystem, die Bundesbahnen, die Bürokratie als Pseudoproblem mit ÖVP Hintergrund die sich durch die vorherrschaft der ÖVP Ländermonarchen nie ändern wird.

pol. Grundsatz:

Für die Wirtschaft muß wieder mehr frei verfügbares Geld vorhanden sein und geholt muß es vom Arbeitnehmer werden!

ÖVP-Tiefschwarz, ein wenig verlogen aber dafür unchristlich und unsozial....

es weihnachtet.......

turn of a friendly card
20.12.2009 22:41

Ja, hab ich mir auch gedacht. Grad sind ca. 5 bis 6 Milliarden Euros - so mir nichts dir nichts - in den gefräßigen HGAA geflossen, ohne auch nur eine Gegenstimme aus der ÖVP. Witzigerweise bereitet uns jetzt Herr Leitl (welchen ich eigentlich sehr schätze) darauf vor, dass diese Milliarden (wo sich keine Mensch dafür interessiert, wohin soviel Geld verschwunden ist!) von den Pensionisten als "Bankenplatz Österreich Solidarbeitrag" aufgebracht werden soll.
Warum lassen sich die Bevölkerungsgruppen nur so gegeneinander ausspielen, ohne dabei darüber nachzudenken, wem das ganze Spiel wirklich nützt? Wo ist denn das viele Geld? Ist es wirklich weg, oder hat es nur ein anderer?

wissen ohne macht
20.12.2009 10:04


wie waer's mit wiedereinfuehrung einer vermoegenssteuer, abschaffung der gruppenbesteuerung, hoehere stiftungssteuern, usw... also schrittweise ruecksetzung der maßnahmen die uns in die jetzige situation getrieben haben.

goldman sucks
20.12.2009 12:13

Das bringt aber nie im Leben 10 Mrd...

wissen ohne macht
20.12.2009 15:37


nit den richtigen zinssaetzen alle mal

Marilynn E.
Marilynn E.
20.12.2009 12:12

das soll uns in die jetzige situation getrieben haben? *lol*

wissen ohne macht
20.12.2009 15:38


unter anderem, ja. sind alles kleine bausteine fuer ein groesseres ganzes.

im uebrigen: hab sie schon vermisst :)
aber jetzt sind's ja wieda da.

Marilynn E.
Marilynn E.
20.12.2009 15:42

unter welchem nick posten sie denn sonst? ;-)

Ben Hur1
22.12.2009 11:39

Wenn Sie denken ich sei Wissen Ohne Macht so musz ich Sie enttaeuschen. Ich bleib diesem Nick treu und brauch keinen anderen.

Frohe Weihnachten

Nichtschweiger
 
20.12.2009 10:36
Warum bilden sie sich ein über "Wissen" zu verfügen?

Bei den Postings die sie absetzten muss man auf das Gegenteil schließen!

wissen ohne macht
20.12.2009 11:35


der selbe grund warum sie sich als nichtschweiger bezeichnen ...? wobei meine zielsetzung in richtung aufklaerung, religionsfreiheit, antineoliberalismus gehen.

Nichtschweiger
 
20.12.2009 12:24
Möglicherweise wissen sie ja wo sie hinwollen...

....aber nicht wie sie dort hin kommen.

wissen ohne macht
20.12.2009 15:36


moeglicherweise?

franz der freie
20.12.2009 09:59
der herr leitl sollte eine intensive nabelbeschau betreiben:

einer der grössten bremser bei jeder reform und einer der grössten handaufhalter, wenn es um sein klientel geht>> wer ist das wohl ?: erraten, die industriellenvereinigung, und wer ist deren chef ? dank leitl und seinem vorgänger wird dank der gruppenbesteuerung in österreich geld verdient und dann in niedrigsteuerländern versteuert. dadurch entgehen dem fiskus milliarden an steuern. aber mit dem sparen hat er schon recht. bei der bürokratie könnte man milliarden einsparen, wenn die övp nicht den neugebauer und andere bremser dort hätte. die övp ist beim sparen so glaubwürdig, wie der hund als wächter für die wurst ( alter hut )

kufd
20.12.2009 13:40

Lernens einmal WK von Industriellenvereinigung und AK von ÖGB unterscheiden bevor sie hier ihre Unwissenheit im Forum Gassi führen.
Ad Gruppenbesteuerung => da happerts wohl auch ein bissel am Verständnis. =>könnten sie mir netter weise erläutern wie sie auf Milliardenbeträge kommen?

lessismore
20.12.2009 07:25
Was ist mit den ...

Giebelkreuz-Boys?

lesendenkenbeitragen
19.12.2009 23:02
Das ist alles fürchterlich unglaubwürdig Herr Leitl

Wenn der Präsident einer der größten bürokratischen Geldvernichtungsmaschinen von Bürokratieabbau spricht und wenn jemand, der jahrelang nicht zu den Auswüchsen der Finanzwelt Stellung genommen hatte obwohl in der Position der WK Präsidenten sicher genug Experten und Wirtschaftsforscher existieren um das zu erkennen was selbst jeden nur halbwegs denkenden Laien bewußt war, so ist diese Wortmeldung einfach wieder einmal nur ein müder PR-Schmäh des Hrn. Präsidenten Leitl.

Gaugi
19.12.2009 21:33
reformen, in österreich?

ein widerspruch in sich

wir wählen doch seit jahrzehnten nur konservierer.

ernst thaelmann1
19.12.2009 20:53
flexibilisierung der arbeitszeit..

gilt natürlich auch nur für alle, die ausserhalb der wirtschaftkskammer arbeiten. schon mal probiert, nach 16.00 uhr jemanden relevanten für eine auskunft zu bekommen?

ego n
20.12.2009 10:13

ich glaube da ist ab 14:00 uhr nur mehr der portier anwesend!

yofrog
19.12.2009 20:35

wahrlich ein lächelndes politisches leichtgewicht, der leitl.

der innere neugebauer
19.12.2009 20:21

der leitl geriert sich als kryptokommunist?

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