Londons Finanzsektor soll schrumpfen

18. Dezember 2009, 17:37
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Bank of England mahnt Banken zur Kapitalaufstockung und zur Kürzung der Bonuszahlungen. Wenn das einige Kasinobanker verschreckt, umso besser

Die britische Zentralbank hat die Banken in London, einem der wichtigsten Finanzplätze der Welt, zur rascheren Aufstockung ihrer Kapitaldecke gemahnt. Die Institute seien noch immer "verletzlich durch das Risiko, dass die Konjunktur weniger rasch anspringt als erwartet", heißt es im jüngsten Stabilitätsbericht. Der zuständige Abteilungsleiter der Bank of England (BoE) verteidigte die neuen Aufsichtsregeln, die eine harte Besteuerung exzessiver Boni vorsehen; die deshalb angedrohte Abwanderung von Kasinobankern in die Schweiz oder nach Fernost müsse nicht unbedingt schlecht sein. "Wenn einige Banken London verlassen, wäre das den Preis wert", so Andrew Haldane.

"Verhaltensänderung" angestrebt

Mit der robusten Haltung gegenüber dem Wehklagen der City of London übt die BoE den Schulterschluss mit der Finanzaufsichtsbehörde FSA sowie der Labour-Regierung. FSA-Boss Adair Turner hatte bereits im Sommer von einem "aufgeblähten Sektor" gesprochen, in dem viele profitable Deals "sozial wertlos" seien. Finanzminister Alistair Darling belegte vergangene Woche Jahresboni von mehr als 25.000 Pfund in bar mit einer Einmalabgabe von 50 Prozent. Ausdrücklich gehe es dabei nicht um höhere Einnahmen sondern um "eine Verhaltensänderung".

Dem gleichen Ziel dient das dem Parlament vorliegende Finanzmarktstabilisierungsgesetz. Es räumt der FSA wesentlich härtere Eingriffsmöglichkeiten ein: Boni dürfen nicht mehr für länger als ein Jahr garantiert werden, Vorstandsmitglieder erhalten ihre Sondervergütungen mit bis zu dreijähriger Verspätung. Zudem wird gesetzlich verankert, dass Boni auch zurückgefordert werden können.

Banken brauchen 33 Milliarden Pfund

Härtere Auflagen seien den Akteuren natürlich nicht willkommen, räumt Haldane von der BoE ein. Banken-Crash und Weltwirtschaftskrise hätten aber bewiesen, "dass es Nachteile eines großen Finanzsektors gibt" . Deshalb könne ein Schrumpfungsprozess positiv sein, so Haldane im BBC-Interview. Bis zum Beginn der Krise 2007 trug die Finanzindustrie rund zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und war für rund ein Drittel des jährlichen Wirtschaftswachstums auf der Insel verantwortlich. Seither musste die Regierung den Banken mit Staatsgeldern unter die Arme greifen, große Institute wie die Royal Bank of Scotland (84 Prozent) und Lloyds (43 Prozent) befinden sich inzwischen zu großen Teilen in Staatsbesitz. Zusätzlich hat die Zentralbank die Gelddruckmaschinen angeworfen und 200 Milliarden Pfund in den Markt gepumpt.

FSA-Schätzungen zufolge benötigen britische Banken mindestens 33 Mrd. Pfund mehr Kapital, um neuen Auflagen aus London und Brüssel zu genügen. Wie das zu bewerkstelligen sei, rät die Bank of England: Die Institutionen sollten ihre Personalkosten - sprich: Boni - "um zehn Prozent" sowie Dividenden um ein Drittel reduzieren.

Indes wappnet sich der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, bereits für die britische Sonderzahlung: Diese soll nicht von den Investment-Bankern in London allein getragen werden, sondern auf das gesamte Personal der Deutschen Bank umgelegt werden. Einen Teil der Zusatzkosten müssten auch die Anleger zahlen. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.12.2009)

 

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    Da war sie gar nicht amüsiert, die Queen, als sich die Banker schon wieder fette Boni gönnten: In ihrer von der Labour-Regierung geschriebenen Thronrede drohte ihnen Elizabeth II Strafsteuern an.

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