Ein Inspektor kommt

18. Dezember 2009, 17:25
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Es galt einen (nicht zuletzt ästhetischen) Bogen zu spannen zwischen dem legendären Schlitzer von 1888 und seinem zeitgenössischen Nachahmungstäter

So ein Polizeichef lässt sich sehen: Er trägt ausschließlich formvollendete Anzüge aus der Savile Row, sein edler Mantel flattert hinter ihm her wie zwei Flügel, und mit bestem, frisch poliertem Schuhwerk tritt er auf die nächtlich feuchten Pflastersteine von East London. 

Joe Chandler, Absolvent der Polizeiakademie, bringt frische Noblesse in den mürben Alltag der ermittelnden Behörde. Und er, der Jungspund, mahnt bei seiner saturierten Crew ein, dass man im Land der Noblemen nicht in verdrückten Sweatshirts zur Arbeit kommt.

Derlei Schick hat seinen Grund: Es galt Freitag im Arte-Dreiteiler "Whitchapel - Jack The Ripper" ist nicht zu fassen einen (nicht zuletzt ästhetischen) Bogen zu spannen zwischen dem legendären Schlitzer von 1888 und seinem zeitgenössischen Nachahmungstäter. Die blutrünstigen Serienmorde an Prostituierten in Whitechapel wiederholen sich im Londoner East End der Gegenwart auf frappierende Weise. Joe Chandler bringt für den zu lösenden Fall seine Leute auf Vordermann. Nicht unbedingt gentlemanlike: „Was halten Sie einmal vom Duschen? Und wo sind Ihre Krawatten!?". Hinter den zeitgenössichen Ripper-Ermittlungsbildern mit Kameras, Internet, Fluchtautos usw. treten auf ungekünstelte Weise die alten Bilder des Messerstechers hervor. 

Die Ripper-Zeiten überlagern einander. Das ergibt einen zum Teil etwas hektisch geschnittenen, aber sonst ohne spekulativen Krimi-Schnickschnack auskommenden, düster leuchtenden Dreiteiler, dem es nebenher auch noch gelingt, ein Polizei-Milieu abzubilden, das seine Arbeitsroutine und seine traditionellen Manieren lebhaft zu reflektieren beginnt. Und Hauptdarsteller Rupert Penry Jones hat das Zeug zum Colin Firth II. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD; Printausgabe, 19./20.12.2009)

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