"Frauen müssen mutiger zuschnappen"

20. Dezember 2009, 07:00
25 Postings

Wie strategische Selbstvermarktung und auch betriebliche Maßnahmen Karrierehemmnisse für Frauen verkleinern können - Motto: lieber mal die Letzte an der Bar als die Erste im Büro

Männergeprägte Unternehmenskultur und Vereinbarkeitsprobleme sind nach wie vor die großen Karrierebremsen für Frauen. Aber auch dort, wo Männer sich nach dem Kronprinzen-Prinzip gemeinsam mit nach oben nehmen und Frauen oft auf der Strecke bleiben, können Managerinnen einiges in die Hand nehmen, sagt die Hamburger Karriereberaterin Barbara Schneider.

"Männer werden sich aber nicht einfach die Butter vom Brot nehmen lassen - Frauen müssen mutiger zuschnappen, wenn sich eine interessante Stelle bietet" , so Schneider. Ein Sprung ins kalte Wasser gehöre zur Karriere - immer nur Jobs anzunehmen, die man schon im Vorhinein meint, hundertprozentig ausfüllen zu können, sei dabei keine adäquate Taktik.

Mit Qualifikation allein komme frau jedenfalls nicht nach oben. Diese sei wichtig für den Einstieg. Was den Aufstieg betrifft, gehe es dann wesentlich um Bekanntheit und Vernetzung, also um strategisches Selbstmarketing. In einer eigenen Untersuchung fand die Karriereberaterin heraus, dass Frauen sich selbst und ihren Kolleginnen die nötige Selbstvermarktungskompetenz im Sinne wirksamer Kommunikation der eigenen Leistung sowie das Interesse an mikropolitischen Verhaltensweisen ganz oder zumindest teilweise absprechen.

Es gehe auch darum, sich aktive Bühnen zu suchen, auf denen frau gehört und gesehen werde, damit an den richtigen Stellen über sie geredet werde. Dazu gehörten auch informelle Treffen. Daher, sagt Schneider: "Lieber mal die Letzte an der Bar als die Erste im Büro."

Wie an die Sache der Selbstvermarktung heranzugehen sei, erklärt sie in sieben Schritten (siehe Grafik).

Dass elektronische Medien zu einer Art Kommunikationsfalle für Frauen werden können, zeigt eine Untersuchung der Berliner Soziologinnen Christiane Funken und Cosima Ingenschay. Sie haben zehn große heimische Unternehmen untersucht und herausgefunden, dass das persönliche Gespräch für die Karriere trotz multimedialer Dauernutzung am relevantesten bleibt. Benachteiligt würden somit jene zuarbeitenden Frauen, die sich vorstrukturierter digitaler Kommunikationswege und Datenbanksysteme bedienen müssten. Ihre Leistung bleibe weitgehend unsichtbar, ihre Selbstdarstellung sei deutlich eingeschränkt. Sie würden von den "heißen" Face-to-Face-Kommunikationswegen abgeschnitten.

Ein Thinktank im Wissenschaftsministerium hat sich mit Gegenstrategien befasst und nun unter www.w-fforte.at/de/knowledge-base/w-fforte-studien Empfehlungen auf individueller und betrieblicher Ebene erarbeitet. (Karin Bauer, DER STANDARD/Printausgabe 19.12./20.12.2009)

  • Artikelbild
    barbara schneider www.2competence.de
Share if you care.