Der Weg zum Doktorat wird leichter

18. Dezember 2009, 17:26
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Fachhochschul-Absolventen sind in denDoktoratsseminaren an den heimischen Universitäten keine unbekannte Größe mehr

An der FH Campus Wien war es im Frühjahr eine Sensation: Martina Rauner, Absolventin des molekularbiologischen FH-Studiengangs, schaffte als erste Abgängerin ihre Promotion. Damit trug sie zur Ausräumung oft vorherrschender Vorurteile bei, dass nämlich FH-Absolventen weniger gut ausgebildet seien als die Abgänger desselben bzw. vergleichbarer Studienfächer an einer heimischen Universität.

Formal gleichgestellt

Dabei ist eindeutig geregelt, dass für jene Fälle, in denen der FH-Studiengang weniger lange dauerte als ein entsprechendes universitäres Studium, ein Aufbaulehrgang nötig wird. Ein solches Zusatzprogramm wurde dafür eingeführt, um bestimmte Doktoratsanwärter erst auf das notwendige wissenschaftliche Ausgangsniveau zu heben.

Zumindest formal hätten jedoch alle Hochschulabsolventen des Magister- und Mastergrads bzw. eines technischen Studiums, das nach der früheren Studienordnung mit dem Diplom-Ingenieur abschloss, das Recht, ein Doktorat an einer österreichischen Universität anzugehen. Die FHs selbst engagieren sich seit einigen Jahren intensiv dafür, ihren Studierenden nicht nur in der Theorie die Lizenz zum Dissertieren zu verschaffen.

Die FH Kufstein präsentierte zuletzt etwa ein Doktoratsprogramm für BWL in Kooperation mit der Universität Lettlands, Riga. Das Studium qualifiziere die Absolventen "für gehobene und höchste Führungspositionen" , so FH-Vorstand Wolfgang Schoner. Zwei weitere Projekte seien hervorgehoben:

  • Die Fachhochschule Salzburg Forschungsgesellschaft setzt über ihr Zentrum für Zukunftsforschung (ZFZ), geleitet von Reinhold Popp, auf eine Kooperation mit der Universität Innsbruck. Deren Fakultät für Bildungswissenschaften ist seit mehr als drei Jahren mit an Bord, um FH- und Uni-Absolventen, deren Forschung dem Fokus des ZFZ verpflichtet ist, zu unterstützen. Das auch von der Arbeiterkammer Salzburg geförderte Netzwerk widmet sich so Forschungsprojekten zum Thema "Quality of Life" . Derzeit werden im Doktorandennetzwerk zehn Dissertationen betreut.
  • Das Projekt "International Doctoral Studies in Social Work" (Indosow) schaut über die Landesgrenzen. Neben der FH St. Pölten sind die Berliner Alice-Salomon-FH für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, die Faculty of Health and Social Care der britischen Anglia Ruskin University, die Faculty of Social Work der University of Ljubljana sowie die finnische University of Jyväskylä mit ihrem Department of Social Sciences and Philosophy: Social Work dabei. Im Mittelpunkt stehen, wie die Ausrichtung der Partner nahelegt, Doktoratsvorhaben mit sozialwissenschaftlichem Fokus, insbesondere mit Bezug zur sozialen Arbeit.

Der Zustand, dass Absolventen einer FH in Doktorandenseminaren Misstrauen erfahren - weit mehr seitens der Mitstudierenden als aus den Reihen der Lehrenden, wie eine Betroffene zum Standard sagte -, wird sich mittelfristig legen.

Für die Doktoranden, gleich welcher akademischen Herkunft, haben sich mit dem laufenden Wintersemester übrigens Änderungen ergeben: Die Einführung neuer Doktoratsstudien nach dem Bologna-Vertrag ist bereits weit fortgeschritten. Neben neuen Schwerpunkten bedeutet das auch eine Verlängerung der Mindeststudiendauer auf sechs statt vier Semester. (Bernhard Madlener/DER STANDARD-Prtintausgabe, 19. Dezember 2009)

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