Tirols Besetzer geben nach 50 Tagen SoWi-Aula frei

18. Dezember 2009, 18:56
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Wissenschaftliche Mitarbeiter fordern mehr Geld - Resolution an der Linzer Kepler Universität - Kritik an Ausgliederung der Universitäten und Bologna-Prozess

Innsbruck/Linz - Nach siebenwöchiger Besetzung des größten Hörsaals der Universität Innsbruck an der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, der SoWi-Aula, haben sich die Aktionisten, allen voran die Bewegung "UniBrennt!", am Freitagnachmittag mit der Uni-Leitung geeinigt. Das oftmals diskutierte und abgeänderte "Positionspapier" wurde von beiden Seiten unterzeichnet. Die Studierenden ziehen in den "Geiwi-Turm" um.

Die Studenten hatten in ihrem "Positionspapier" Räumlichkeiten für den Fortbestand des Prozesses und für wöchentlich mehrere Plena sowie einem monatlich stattfindenden gesamtuniversitären Uniplenum mit Pflichtanwesenheit gefordert. Weiters müsse die Universitätsleitung Finanzmittel in ausreichender Höhe zur Verfügung stellen, die Kommunikation nach Außen, Innen und innerhalb der Universität gewährleisten und ihre Positionierung zu den bisherigen Forderungen und Gesprächen darstellen.

Der Protest solle in "neuer, einzigartiger Form" fortgeführt und ausgeweitet werden. Am 11. Jänner sollen die neuen Räumlichkeiten bezogen werden. Bis 22. Dezember werde die bisherige Basis geräumt, durchgeputzt und ab Montag nach den Weihnachtsferien für Vorlesungen wieder zur Verfügung stehen.

Wissenschaftliche Mitarbeiter in Linz fordern mehr Geld

In einer Resolution der wissenschaftlichen Mitarbeiter der Linzer Kepler Universität werden "genügend Mittel und nicht Almosen" gefordert. Die Studentenproteste würden sich nicht nur gegen die Verknappung der Mittel richten, sondern auch gegen die Folgen eines Universitätsgesetzes, das zu einem Verlust von Mitbestimmung und Mitgestaltung geführt habe, hieß es in dem Freitagnachmittag in einer Presseaussendung veröffentlichten Papier.

"Wir sprechen der Protestbewegung grundsätzlich Dank und Anerkennung aus", so die wissenschaftlichen Mitarbeiter. Die ausgelöste Diskussion zwinge die Politik dazu, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen. Durch die Ausgliederung der Universitäten und die Fortsetzung eines Sparkurses seien die Bedingungen in etlichen Fächern mittlerweile derartig schlecht, dass ein sinnvolles Studieren nicht mehr möglich sei. Die angekündigte Förderung junger Wissenschafter mit besseren Anfangsgehältern sei dadurch unterlaufen worden, dass es aus Einsparungsgründen vermehrt Teilzeitbeschäftigungen gebe. Zudem würden immer mehr Mitarbeiter nur noch befristete Arbeitsverträge erhalten.

Der Bologna-Prozess habe für eine dramatische Verschulung der Studien gesorgt und die nationale und internationale Mobilität der Studierenden erschwert, hieß es weiter. Es sei hoch an der Zeit, ihn grundsätzlich zu hinterfragen. Universitäten hätten die Aufgabe der Bildung und nicht der Berufsausbildung wahrzunehmen, betonten die wissenschaftlichen Mitarbeiter in einem Begleitschreiben. (APA)

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