Iranische Soldaten besetzen Bohrturm an der Grenze

18. Dezember 2009, 17:54
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Streit um Ölvorkommen in umstrittenem Grenzabschnitt – Bagdad will bewaffneten Konflikt vermeiden

Nassiriya/Bagdad - Iranische Streitkräfte haben einen Bohrturm auf einem irakischen Ölfeld im Grenzgebiet beider Länder besetzt. Der Vorfall habe sich in einem von beiden Staaten beanspruchten Grenzabschnitt im Süden des Irak ereignet, sagte ein Sprecher der US-Armee im amerikanischen Stützpunkt Adder bei Nassiriya. Die Hoffnung sei nun, dass sich die iranischen Soldaten kampflos zurückzögen.

Auch die Besetzung des Bohrturms sei gewaltlos vonstatten gegangen. Es sei nicht das erste Mal, dass es zu einem solchen Vorfall gekommen sei. Nach Angaben des Ölunternehmens SOC sollte am Samstag eine Regierungsdelegation eintreffen, um sich einen Eindruck von der Lage zu verschaffen.

Zhafer Nazhmi, ein General der irakischen Grenztruppen, sagte am Freitag vor der Presse in Bagdad: "Iranische Truppen halten die Quelle Nummer vier des Ölfeldes Ost-Missan seit gestern (Donnerstag) Morgen besetzt." Die Soldaten hätten auf dem Ölfeld Al-Fakka, das rund 450 Kilometer südlich von Bagdad nahe der Grenze zum Iran liegt, die iranische Flagge gehisst. Dann hätten sie begonnen, Gräben auszuheben und Artillerie in das Gebiet zu verlegen.

Der irakische Vize-Außenminister Ahmed Ali al-Chafadschi bezifferte die Zahl der iranischen Soldaten mit elf. Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki, ein Schiit, rief die Iraker zur Besonnenheit auf. Ein Kommandeur der Grenztruppen sagte: "Es gibt keine Absicht, eine Militäraktion zu beginnen, und wir hoffen, dass diese Krise auf diplomatischem Wege gelöst wird." Die von den Schiiten dominierte irakische Regierung unterhält gute Beziehungen zu Teheran.

Entlang der Grenze zwischen dem Iran und dem Irak gibt es nach jüngsten Studien an insgesamt 15 Orten Ölvorkommen. Darüber, wer das Recht hat, das Feld Al-Fakka auszubeuten, auf dem zwölf Ölquellen liegen, hatte es zwischen den Nachbarstaaten früher bereits Gespräche gegeben. (AFP, dpa, red/DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2009)

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