Manipulierter Magnetsinn lässt Zugvögel unbeirrt

18. Dezember 2009, 19:20
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Feldversuch: Geruchssinn hilft bei Orientierung

Radolfzell - Wie sich Vögel auf ihren Zugrouten orientieren, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Von Jungvögeln vieler Arten wissen Forscher bereits, dass sie eine artspezifisch vererbte Himmelsrichtung einschlagen, um bei ihrer ersten Reise die Winterplätze zu erreichen. Sie verfehlen ihr Ziel, wenn man sie über große Entfernungen von ihrem Ausgangspunkt wegtransportiert. Erwachsene Zugvögel sind dagegen in der Lage, sich an einmal geflogene Routen zu erinnern und nach einer Ortsveränderung die Flugrichtung zu korrigieren und zu den Winterplätzen zurückzufinden. Die mit dieser Navigationsleistung verbundenen Faktoren und Mechanismen stehen immer wieder im Forschungsmittelpunkt.

Studiendesign

Ein internationales Forscherteam um Richard Holland und Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie hat nun herausgefunden, dass das Geruchsorgan bei Zugvögeln eine größere Rolle spielt als die Sonne und das Magnetfeld der Erde. "Wir haben erstmals Feldversuche an 24 erwachsenen und 24 juvenilen Katzendrosseln mit Radiotransmittern durchgeführt und dabei sehr interessante Ergebnisse erzielt", so Holland. In beiden Gruppen haben die Forscher bei je acht Katzendrosseln (Dumetella carolinensis) den Geruchssinn so manipuliert, dass sie für einen Zeitraum von zwei Wochen nicht mehr richtig riechen konnten. Bei weiteren acht Vögeln störten die Wissenschaftler den Magnetsinn mittels starker magnetischer Impulse. Die restlichen acht Vögel beider Gruppen bildeten die unbeeinträchtigten Kontrollgruppen.

Parallel dazu wurden in Illinois 19 erwachsene Katzendrosseln gefangen, die über Nacht 1.100 Kilometer Richtung Osten nach New Jersey gebracht und ebenso in drei Gruppen eingeteilt wurden. Anschließend befestigten die Wissenschaftler bei allen Vögeln einen 0,9 Gramm leichten Radiotransmitter auf dem Rücken und ließen sie sofort frei.

Ergebnis

Das Ergebnis: Die erwachsenen Vögel ohne Geruchssinn wählten eine andere Flugroute als die erfahrene Kontrollgruppe und diejenigen Tiere, deren Magnetsinn gestört war. Die Vögel, deren Geruchssinn beeinträchtigt war, waren nicht in der Lage, sich zu orientieren und flogen nach Süden. Auch die aus Illinois stammenden Tiere ohne Geruchssinn flogen in südliche Richtung, während die Kontrollgruppe versuchte, den Ortswechsel durch Flug gen Südwesten beziehungsweise Westen zu kompensieren. Gerüche erleichtern den Vogelzug also wesentlich. Die Manipulation des Magnetsinns wirkte sich dagegen nicht auf die Orientierung aus - weder für die erwachsenen noch für die jungen Vögel. (red)

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