Tischkultur in Seladon

18. Dezember 2009, 16:43
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Um das Besondere vom Alltag zu unterscheiden, ist die abendländische Kultur eines festlich gedeckten Tisches mit edlem Porzellan existenziell

Es muss ja nicht in kaiserlich-königlichem Hofzeremoniell gipfeln. Ein einzigartiges Kapitel heimischer Tafelkultur beschreibt René Edenhofer in Corinna - Ein Design-Traum von Lilien-Porzellan. Der Wiener Designer Fritz Lischka, auch verantwortlich für das legendäre Logo von Lilien-Porzellan, entwarf 1959 den Prototyp eines künstlerisch gestalteten, aber funktionsgerechten Kaffee, Mokka- und Teeservices. Nach ersten Präsentationen in Mailand wurde 1960 in Wilhelmsburg mit der Produktion des originär "Flamingo" , dann "Corinna" genannten Tafelgeschirrs begonnen. Das geschwungene moderne Design, exzentrisch in den Farben Seladongrün, Weiß, "Melange" und in Streifendekors gefertigt, entsprach dem Zeitgeist der Wirtschaftswunderjahre, fand seine Liebhaber auf den Nierentischchen österreichischer Wohnzimmer. Trotz guter Imagewerte, aber aufgrund zu geringer Nachfrage und hoher Kosten wurde die Produktion 1967 eingestellt.

Einem Archäologen gleich decouvriert Edenhofer in seinem Opus ein Stück austriakischer Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, garniert mit zeitgenössischen Werbungen, Fernsehsendungen, Pressemeldungen, Produktionsbedingungen und Details der Serie wie ein dazugehöriges Speiseservice, das dem "fehlenden Mut der Produzenten" zum Opfer gefallen war. Entsprechend der Qualität zählen die Bestände des Geschirrs heute zu wertsteigernden Raritäten. Das Buch ist auch in einer limitierten Sonderedition, kombiniert mit einer im Design passenden Vase von Lilien-Porzellan, erhältlich. Ideal, um den weihnachtlichen Gabentisch mit bibliophilen wie auch traditionellen Werten nachhaltig zu veredeln. Gregor Auenhammer, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 19./20.12.2009)

René Edenhofer: "Corinna" . € 65,- / 160 S., Eigenverlag R. Edenhofer 2009

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    foto: edenhofer
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