Die Abmahn-Industrie macht Kasse

18. Dezember 2009 15:14

Die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Internet ist in deutschland zu einem lukrativen Geschäftsmodell geworden

Die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Internet ist hierzulande zu einem lukrativen Geschäftsmodell geworden. Die Abmahner kassieren bei kleinen Leuten für geringfügige Rechtsverstöße ab, die Wurzel des Übels bleibt aber bestehen. Begünstigt werden derlei Auswüchse vom deutschen Gesetzgeber, hat das Computermagazin c't festgestellt.

Verstöße gegen das Urheberrecht lassen sich im Internet automatisiert feststellen, angebliche Täter in gerichtlichen Massenverfahren schnell ermitteln.

Abfrage von rund 11.000 Kundennamen bei einem Provider

Jüngst etwa genehmigte ein Kölner Gericht die Abfrage von rund 11.000 Kundennamen bei einem Provider auf einen Schlag. Dutzende Rechtsanwaltskanzleien haben sich auf Massenabmahnungen von Tauschbörsennutzern spezialisiert. Dabei stützen sie sich auf Ermittlungen von externen Dienstleistern. Geheime Vertragswerke sichern, dass Anwälte, Privatermittler und Rechteinhaber von den Einnahmen profitieren. Die neu entstandene Branche wirbt sogar damit, die Verfolgung vermeintlicher Urheberrechtsverletzungen könne einem Rechteinhaber höhere Umsätze bescheren als der reguläre Verkauf seiner Produkte. Immerhin soll jeder Verdächtige 400 bis 600 Euro Gebühren und Schadensersatz bezahlen.  Angesichts zehntausender Abmahnungen erzielt die Abmahnindustrie also enorme Umsätze.

Vorgaben

Laut c't mehren sich die Anzeichen, dass die Rechtevertreter dabei gesetzliche Vorgaben selbst nicht so genau nehmen. Konkret fordern Rechtsanwälte Gebühren ein, ohne nachgewiesen zu haben, dass diese auch entstanden sind. Sollten Nachweise weiterhin ausbleiben, steht der Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs im Raum.
Außerdem sei die Rolle der Privatermittler unklar, gab Rechtsanwalt und Standesrechtsexperte Dr. Volker Römermann im Interview mit c't zu bedenken. Sie bewegen sich mit ihren Recherchen im juristischen Umfeld, derlei Leistungen könne man als Rechtsdienstleistung sehen, die aber Nichtjuristen verboten sei.

"Diesem Treiben am Rande der Legalität leistete der Gesetzgeber sogar Vorschub", erläutert c't-Redakteur Holger Bleich. Die massenhafte Provider-Abfrage von verdächtigten Kunden wurde massiv erleichtert. Die gleichzeitig eingeführte Deckelung der Abmahnkosten auf 100 Euro greift wegen des schwammigen Gesetzestextes in der Praxis nicht. "Zurzeit muss bei den Bürgern zwangsläufig der Eindruck entstehen, skrupellosen Beutelschneidern gegenüberzustehen", resümiert c't-Experte Holger Bleich. "Wie aber soll in einem solchen Klima ein Unrechtsbewusstsein für die illegale Weitergabe von geschützten Werken entstehen?" (red)

 

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15 Postings
wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
02.01.2010 23:58
hiermit "mahne" ich alle -

u. fordere von jedem soundsoviele teuro!
Abzocken kann ja so leicht sein...

stj911.org physics911.net
28.12.2009 21:30
an die Redaktion

Wenn sich der Artikel auf Deutschland bezieht, sollte man in einem österreichischen Medium nicht "hierzulande" schreiben.

macindd
28.12.2009 07:48
Die Politik ist nur noch eine Sammelstelle und Anlaufstelle für Korrupte und Gauner,

die möglichst schnell möglichst viel Kohle machen wollen. Nur so ist erklärbar, dass der Gesetzgeber diesem organisierten Rechtsmissbrauch auch noch Vorschub leistet.

Gäbe es eine vernünftige Politik, die das Volk vertritt, hätte man in .de (und auch in .at) längst eine Kulturflatrate, deren Einnahmen dann auch an die Künstler direkt ausgezahlt würden.

Das Problem ist politischer Natur, nicht technischer oder rechtlicher.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
03.01.2010 00:00
Kulturförderungen

durch den staat sind schon längst üblich.
hier geht es schlicht um abzocke durch die industrie - das internet wird dazu benutzt.
change.

justsmile2
19.12.2009 01:36
Zukunft?

... in jedem Geschäft steht neben der Kassa auch ein Rechtsberater, der die Gerichtsgebühren festlegt, wenn jemand im Geschäft negative Kritik am Musik-Allgemeinbrei kundtut ... Durch Klagen wird mehr Geld eingenommen als mit dem eigentlichen Verkauf ... Anstatt sich mit dem Kunden und dessen Wünschen zu beschäftigen wird alles per Rechtsanwalt erledigt ...

Mathias
 
21.12.2009 22:53
Rechtsberater

Bin gespannt, was dieser "Rechtsverdreher" zu mir sagen wird, wenn er meine musikalische Auswahl zu Gesicht bekommt. Daran verdient der "keine Handvoll Dollar" ;-)

0Stoney0
18.12.2009 19:42
Musikbranche.. ein Traum

Ein Bäcker kann ein Brötchen auch nur einmal verkaufen. Die Musikbranche verkauft das Brot mit einem Essschutz. Ist es kaputt, vergammelt oder zerkratzt, dann muss man sich halt ein neues kaufen.

Tolle Marktstrategie. Vor allem wenn man bedenkt, dass Künstelersteuer auf CD und DVD Rohlinge, Monitore, Drucker, Scanner, usw. eingehoben werden - Man könnte ja theoretisch copyright geschützten content darüber jagen.

Ja.. wenn ich schon dafür bezahlenn muss - warum darf ich dann nicht?

Taran Seven
20.12.2009 11:10
Tja die offizielle Abschaffung des Privatkopierrechtes (gibt es in USA nicht) würde bedeuten, das GEMA und AKM keine Abgaben mehr auf Player, Festplatten Drucker usw. kassieren dürften

Da haben sie die GEMA/AKM Lobby gegen sich... Also versuchen sie mit den Politikern Gesetzliche Tricks zu konstruieren das es zwar ein Perivatkopierrecht mit den zugehörigen GEMA/AKM Steuern gibt das aber praktisch so schwammig gestaltet ist, das man trotzdem gut kassieren und strafen kann.

Als neuestes versucht die Contentindustrie über die EU den Strafrahmen auf 3-10 Jahre zu erhöhen um jederzeit Auskunft über Internetdaten zu bekommen, was aber bedeutet, das jeder über den die Auskunft bekommen haben auch mindestens 3 Jahre sitzen muss...

Theodor Schule
21.12.2009 10:45

Hui, geballte Ahnungslosigkeit.
1. Die Privatkopie gibt es in den USA sehr wohl. Fällt dort unter den (noch vieeeel schwammigeren) Begriff des Fair Use.
2. Die AKM kassiert in .at keine Abgaben auf irgendwas. Das macht die Austro Mechana.
3. Sie vermischen die Lobbies. Der AKM/GEMA ist Privatkopieren eher wurscht. Das betrifft die Tonträgerhersteller, die nach eigener Meinung dann weniger Tonträger verkaufen. Die GEMA/AKM-Lobby ist die der Urheber, die andere Lobby (zb IFPI) ist die der verwertenden Industrie.
Wenn schon das "Die da Oben"-Argument, dann bitte zumindest inhaltlich richtig.

Veniamin Kostitsin-Teterin II
 
18.12.2009 15:23
hierzulande ?

habe ich anschluss an deutschland verschlafen ?

der Zacharias
18.12.2009 17:14
Na, dafür haben ,,deutschland” klein geschrieben.

Nicht falsch verstehen, aber: Solche Sachen sind der Grund, warum ich mir den Standard nicht mehr kaufe.

0Stoney0
18.12.2009 19:27
Wo Menschen arbeiten

entstehen Fehler. Und genau aus diesem Grund kauf ich den Standard - weil noch Menschen dahinter stecken und keine Maschinen.

Al Borland
23.12.2009 02:16

In der Tat, einen Artikel per Copy'n'Paste "schreiben" ist wirklich ein Fehler.

der Zacharias
18.12.2009 19:57
Wo Menschen arbeiten, sind gewisse absolute Mindeststandards einzuhalten.

Wenn ich (Drucker) eine Seite in einem Buchkern vergessen würde, würde niemand sagen, ,,da arbeiten Menschen, und das macht mir die Druckerei so sympathisch”, sondern den Auftrag reklamieren.

Ich erwarte mir also allen Ernsten von Journalisten, einen korrekten Satz schreiben zu können.

blahblah
03.01.2010 13:47
there´s no perfect world...

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