Weihnachten, Wichtel und ein Kofferraum

18. Dezember 2009, 16:32
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Wen die allzu putzige Weihnachtswelt nervt, ist mit der Erzählsammlung "Tödliche Gaben" bestens bedient.

Hier gibt es allerschwärzeste Weihnachtgeschichten, die zum Beispiel so anfangen: "Jeden Dezember, wenn Weihnachten vor der Tür steht, denke ich zurück an das Jahr, in dem ich einen toten Weihnachtswichtel im Kofferraum liegen hatte". Na, ist das verlockend? Die Geschichte von Linwood Barclay hält, was sie verspricht, und auch die anderen Beiträger haben sich mächtig ins Zeug gelegt. Der nekrophile Simon Beckett treibt sich bei zwei Skeletten in Schottland herum, der Franziskanermönch von Felicitas Mayall beweist erstaunliche Flexibilität beim Deuten des göttlichen Willens, bei Leena Lehtolainen begegnen wir ihrer Serienheldin Maria Kallio wieder, die ein entführtes Kind sucht.

Veit Heinichens Commissario Laurenti, der Christbäume hasst, gerät in Interessenkonflikte, als die Kollegen seine Töchter anhalten. Die haben auf abenteuerlichste Weise versucht, mit einem Kleinwagen einen viel zu großen Christbaum zu transportieren, der noch dazu gestohlen ist. Mit dem Weihnachtsfrieden hat's auch Friedrich Ani nicht. Zwei schaurig spießige Ehepaare treffen einander zum Festschmaus, und jeder hat teuf-lische Hintergedanken. Die Herausgeberin Silke Jellinghaus hat die elf Erzählungen liebevoll zusammengestellt und biografische Details zu den durchwegs prominenten Autoren und Autorinnen beigefügt. Zum Selbstbehalten und Verschenken geeignet. (Ingeborg Sperl, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 19./20.12.2009)

Silke Jellinghaus (Hrsg.), "Tödliche Gaben". € 15,30 / 215 Seiten. Wunderlich, München 2009

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www.krimiblog.at

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