Führen lernen - für die Gesellschaft, für sich selbst

18. Dezember 2009, 16:54
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Beim Programm Brückenschlag geht es um weit mehr als "nur" um die Erweiterung von Führungskompetenzen im Rahmen von Sozialarbeit - Es geht um die Entwicklung von Empathie und Persönlichkeit

Mit zunehmendem wirtschaftlichem Druck, aber auch mit - vielleicht damit einhergehenden - neuen Organisationsstrukturen wächst die Verantwortung von Führungskräften. Dies vor allem auch in sozialen, bisweilen existenziellen Fragen. In Profitunternehmen aber, so Reingard Lange, Leiterin der Akademie für Sozialmanagement, in deren Programm auch der "Brückenschlag" angeboten wird, gebe es wenig Platz, um darüber nachzudenken.

Seit nunmehr fünf Jahren vermittelt die Akademie für Sozialmanagement Führungskräfte zwischen den "beiden Welten" Profit und Non-Profit. Bereits mehr als 170 Führungskräfte wurden dabei von der Auswahl einer geeigneten Organisation bis hin zum Transfer des Erlebten in den eigenen Arbeitsalltag begleitet - mit unterschiedlicher, dennoch gleichsam nachhaltiger Wirkung.

Spannungen aushalten lernen

Vor allem der Umgang mit dem Faktor Zeit werde als "spürbarer Unterschied" zum Arbeitsalltag zahlreicher Manager und Managerinnen wahrgenommen. Anstatt möglichst schnelle Lösungen vorzugeben, gelte es darum besonders in sozialen Einrichtungen, abwarten zu können, Spannungen auszuhalten, unterschiedliche Befindlichkeiten zu berücksichtigen. Lange: "Die Entschleunigung im Denken, Urteilen und Handeln erleben viele als entspannend und sehen, dass darin viel Qualität liegt."

Viele der Führungskräfte und ehemaligen Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Programm gaben an, der Realität näher kommen zu wollen, die Schicksale hinter den Schlagworten Sucht, Armut und Migration gesucht zu haben - und neben einer hilfreichen Weiterbildung auch mehr Nähe zu ihrer eigenen Persönlichkeit gefunden zu haben, abseits jeglicher Sozialromantik.

Das Erkennen und Akzeptieren eigener Grenzen werde bei Führungskräften häufig als prägend geschildert. Und die unmittelbare Konfrontation mit Sinn, Werten und Machbarkeit, auch das Erleben, dass manches Mal einfach "nichts mehr gehe" , sowie die offene Kommunikation dieses Zustands stelle selbst geübte Führungskräfte vor schwierige Situationen - eine Konfrontation, die professioneller Begleitung bedürfe, so die Organisatoren. Sowohl Einrichtungsleiterinnen als auch Trainer und Trainerinnen der Akademie begleiten die Teilnehmer dabei, aus ihren Beobachtungen Ableitungen für das eigene Leben und und Führen zu finden.

In Ostösterreich wird "Brückenschlag" in Kooperation mit rund 80 ausgewählten Sozialeinrichtungen angeboten. (red, DER STANDARD, printausgabe, 19./20.12.2009)

Information

"Brückenschlag" wird für Einzelpersonen in offenen Gruppen sowie für Teams angeboten. Die Anmeldefrist für eine Teilnahme in der offenen Gruppe im Jahr 2010 läuft für Wien, Niederösterreich und Burgenland bis Ende Februar. Die Begleitung von Teams - auch in CEE - wird auf Anfrage angeboten. Auch in Vorarlberg, Kärnten und der Steiermark gibt es "Brückenschlag" -Angebote anderer Träger.

Link

www.brueckenschlag.org

  • Lernen von zwei Welten: Im Programm "Brückenschlag"  arbeiten Führungskräfte von Profitunternehmen in Sozialeinrichtungen.
    foto: derstandard.at/julia schilly

    Lernen von zwei Welten: Im Programm "Brückenschlag" arbeiten Führungskräfte von Profitunternehmen in Sozialeinrichtungen.

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