Attraktive Karriereoption Gründung

18. Dezember 2009, 16:53
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Studierende wollen längst nicht mehr nur in den Staatsdienst oder in die Konzernwelt - Ein Gutteil will gründen oder in Start-ups - besonders dort, wo Lehrangebote Entrepreneurship fördern

Ein Sechstel der Studierenden in Österreich hat den Entschluss zum Selbstständigwerden bereits gefasst. Und dies nicht etwa aus der Not heraus, also nicht, weil lebenslange Anstellungen immer rarer werden, sagt Norbert Kailer, Vorstand des Instituts für Unternehmensgründung an der Linzer Kepler-Uni. Das Bild der Selbstständigkeit sei dabei ein durchwegs realistisches, die angepeilten Companys zeigten ein breites Branchenspektrum, wobei der Schwerpunkt aber auf wirtschaftsberatenden Dienstleistungen liege. Kailer: "Die Leute wissen, worauf sie sich einlassen."

Er hat den Österreich-Teil des Global University Entrepreneurial Spirit Student's Survey 2009 koordiniert, an dem sich über 5800 Studierende von 18 Hochschulen beteiligt haben. Diese Befragung ist die umfassendste ihrer Art zum Thema Selbstständigkeit.

Nachdenken übers Gründen

Nur ein Viertel hat demnach überhaupt noch nie über die Gründung eines eigenen Unternehmens nachgedacht, fast 14 Prozent verfügen bereits über unternehmerische Erfahrung oder befinden sich in konkreter Gründungsplanung, wobei sich unter Betriebswirtschafts- und Jus-Studierenden mehr Entrepreneurs finden als etwa in den Geisteswissenschaften.

17 Prozent aller befragten fassen konkret eine selbstständige Tätigkeit gleich nach Studienabschluss ins Auge, fast drei Viertel zumindest zunächst eine unselbstständige Tätigkeit. Dabei sei auffällig, so Norbert Kailer, dass mehr als die Hälfte in ein Start-up oder in ein kleineres Unternehmen wollen. Konkret: 40 Prozent in Klein- und Mittelbetriebe streben, nur 17 Prozent in Großunternehmen. Elf Prozent wollen in die Forschung, sieben in den Staatsdienst.

Drang in die Konzerne "dramatisch zurück gegangen"

Das sind gute Nachrichten für die heimischen KMU, die trotz hoher Arbeitslosigkeit besonders an Engpässen in vielen Qualifikationsbereichen leiden. Für Kailer bedeutet das aber auch, dass die Hochschulen ihre Lehrinhalte deutlich stärker in Richtung KMU lenken müssten, da der Drang in die Konzerne "dramatisch zurück gegangen" sei. Kailer kommentiert nicht ohne stolzen Blick auf sein Fach: "Es wäre enorm wichtig, das Konzept unternehmerische Hochschule auszubauen - die aktuelle Studie zeigt, dass Universitäten auch Unternehmer-Schmieden sind, vorwiegend dort, wo es auch Angebote gibt." Dazu passt, dass sich in Österreich die meisten Studierenden mit bestehender unternehmerischer Erfahrung rund um seinen Lehrstuhl befinden, gefolgt von der WU Wien und der Uni Innsbruck.

Weiters interessant in dieser aktuellen Befragung ist, dass je mehr Berufserfahrung bereits angesammelt wurde, desto stärker ist der Wunsch nach Selbstständigkeit - ebenfalls 40 Prozent möchten nach einigen Erfahrungsjahren selbstständig sein. Ob da lediglich Wünsche formuliert werden oder ob tatsächlich neue Wege in die eigene Erwerbszukunft beschritten werden? Norbert Kailer verweist auf die fast fertige große Absolventenstudie der Kepler-Uni, die demnächst veröffentlicht werden soll: Da zeige sich, dass die Leute auch tatsächlich gründen - oft sind es auch Team-Gründungen, nicht bloß im Wollen verharren.

Angesichts des internationalen Bildes aus der Studie (20 Länder), in der Österreich in puncto Unternehmer-Erfahrung der studierenden auf Platz landet, dürfe das Klischee der Angestellten-Mentalität nun durchaus abgelegt werden. Zudem zeige sich, so Kailer: "Man kann die Leute motivieren." (kbau, DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.2009)

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