"War nicht der nackte Wahnsinn"

21. Dezember 2009, 16:59
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After-Work ein gemütliches Bier zu viel und der Führerschein ist "gezupft" − Vom Unglück abseits von Punschsauferei und Vorweihnachtsfesten

"0,9 Promille war nicht wahnsinnig zu viel, das scharfe Zuckerl danach war aber ein Fehler", sagt Paul Schneider*. Was sich beim Alkomat-Vortester andeutete, wurde beim geeichten Test auf der Wache bestätigt: Führerschein für einen Monat weg, saftige Geldstrafe, Verkehrscoaching. Wären bei Schneider nur 0,1 Promille weniger im Blut gemessen worden, hätte es eine 300 Euro Strafe und eine Vormerkung im Führerscheinregister auch getan. Ob Pech oder unheilvolle Fügung, das Zuckerl war jedenfalls kontraproduktiv: Erhöhter Speichelfluss und ein gehöriger Schuss Zucker helfen nicht, Alkohol im Blut abzubauen.

Um ein Uhr nachts ist Schichtwechsel bei der Polizei. Knapp davor gab es noch ein Planquadrat. Zum Parkplatz wären es noch 50 Meter gewesen.

Der böse Zeigefinger

Er war kein rituelles Trinkgelage am Punschstand und es war auch keine ausgedehnte Disco-Tour, den Betroffenen erinnert es "fast" an eine Alltagssituation. Freilich ohne Trinken. An jenem Abend waren es drei Bier und zwei Seiterln, "kein nackter Wahnsinn". In einer Freundesrunde nach der Arbeit. Zum Runterkommen. "Das größte Risiko war vielleicht ein Vormerkpunkt."

Herumerzählt wird nicht viel. Der 43-Jährige EDV-Techniker ist natürlich nicht happy, weiß um einen Fehler, fühlt sich aber gebrandmarkt. In der Firma ist es kein Geheimnis, "die Familie weiß aber nichts". Den erhobenen Zeigefinger möchte er sich ersparen. Jedem seine eigenen Probleme. In Oberösterreich wurden vergangenes Wochenende 80 Alkolenker aus dem Verkehr gezogen, 52 mussten ihren Führerschein abgeben. Schneiders Familie stammt aus der Region Kremstal. Wie kommt er sie in nächster Zeit besuchen? "Mit dem Zug, und nach Weihnachten hab ich meinen Schein wieder".

Thema erledigt

Schneider durfte zum ersten Mal Blasen, nach 25 Jahren Autofahren. Und so bleibt die persönliche Erfahrung das Heilmittel gegen Alkohol am Steuer. Erwischt zu werden gilt noch immer als unwahrscheinlicher als ein Lotto-Gewinn. Aber die Kontrollen nehmen zu. Heuer wurden in Wien über 6700 Autofahrer zum Alkoholvortest gebeten. Im vergangenen Jahr gab es im selben Zeitraum nur rund 3900 solcher Kontrollen. Positiv: Die Zahl der Führerscheinabnahmen ging zurück. 137 waren es in diesem Jahr, immerhin um knapp 40 weniger als 2008. Paul Schneider ist ein Pragmatiker, geschadet hat ihm die Ohrfeige nicht: "Für mich und für mein Leben ist das Thema erledigt." (Vet, derStandard.at, 18.12.2009)

*Name von der Redaktion geändert

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    Wenn 0,1 Promille über das Behalten des rosafarbenen Scheins entscheiden können: Um das Ergebnis des geeichten Alkomats nicht zu verfälschen, ist in der Wartezeit eigentlich Rauchen, Essen oder die Verwendung eines Mundsprays verboten.

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