OMV für Kapitalerhöhung bei Petrom

18. Dezember 2009, 17:44
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Der Mineralölkonzern OMV steht einer Kapitalerhöhung bei der wichtigsten Auslandstochter, der rumänischen Petrom, positiv gegenüber. Ob der rumänische Staat als Minderheitsaktionär mitzieht, ist indes noch offe

Wien - In eigener Sache hat die OMV den Beschluss für eine Kapitalerhöhung auf unbestimmte Zeit verschoben; bei der Tochter Petrom in Rumänien könnte ein solcher Schritt eventuell schon nächstes Jahr erfolgen. "Das Unternehmen braucht mehr Geld. Das geht, indem man mehr verdient, oder über eine Kapitalerhöhung. Wir würden das unterstützen", sagte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Zuvor hatte sich bereits Petrom-Chefin Mariana Gheroghe für eine Kapitalerhöhung stark gemacht. Petrom, die zu 51 Prozent der OMV gehört (20,6 Prozent hält der rumänische Staat, 20,1 Prozent der zur Entschädigung von Enteignungsopfern des Kommunismus eingerichtete Proprietatea Fonds, zwei Prozent die Osteuropabank EBRD), hat ein ehrgeiziges Investitionsprogramm vor sich. Neben der Modernisierung der Raffinerie Petrobrazi in der Stadt Ploiesti will man die Öl- und Gasausbeute in den bestehenden, konzerneigenen Lagerstätten erhöhen, was großen Kapitaleinsatz erfordert.

"51 Prozent oder mehr"

Ob der rumänische Staat für eine Kapitalerhöhung grünes Licht gibt, ist indes noch ungewiss. Alternativ könnten auch die künstlich niedrig gehaltenen Gaspreise in Rumänien angehoben werden, was Petrom zu deutlichen Mehreinnahmen verhelfen würde. Dieser von Petrom-Chefin Gheorghe lancierte Vorschlag birgt allerdings sozialen Sprengstoff, weil der Anteil armutsgefährdeter Haushalte in Rumänien noch immer sehr hoch ist. Ruttenstorfer ließ anklingen, dass die OMV für den Fall, dass es zu einer Kapitalerhöhung kommt, auch einen größeren Anteil zeichnen könnte: "Wir würden uns beteiligen, mit 51 Prozent oder mehr."

Statt 1,5 Milliarden Euro in die Erweiterung der Raffineriekapazität von Petrobrazi zu stecken, soll die Hälfte des dafür vorgesehenen Geldes für‘s Erste in den Upstream-Bereich (Exploration und Produktion) umgeleitet werden. Noch unklar ist, was mit der zweiten Petrom-Raffinerie in Rumänien, Arpechim, geschehen wird. Nach Abschluss der Modernisierungsarbeiten von Petrobrazi ist 2012 auch eine Schließung derselben nicht ausgeschlossen.

Ruttenstorfer: "Wir sind voll im Plan"

Die Wirtschaftskrise hat die OMV insbesondere im 1. Halbjahr schwer getroffen. Dank eines frühzeitig begonnenen Kostensenkungsprogramms, das bis 2010 Einsparungen von 300 Millionen Euro gegenüber dem Jahr 2007 bringen soll, sei man aber gut gerüstet. Ruttenstorfer: "Wir sind voll im Plan."

Für kommendes Jahr geht die OMV in ihrem Budgetplan von einem durchschnittlichen Rohölpreis in Höhe von 65 Dollar aus. Der Fokus der Aktivitäten bleibe auf Mittel- und Südosteuropa inklusive die Türkei ausgerichtet. "Das bleibt unser Kerngebiet in den nächsten fünf Jahren", sagte Ruttenstorfer. Ein Großteil der Investitionen, die 2010 erneut deutlich über zwei Mrd. Euro liegen dürften, sollen in dem Raum getätigt werden. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.12.2009)

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