Ein Lehrpfad durch 22 Millionen Jahre

    18. Dezember 2009, 16:52
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    "Erdgeschichte selbst entdecken“ auf dem reich beschilderten Rundkurs von Eggenburg

    Die Region um Eggenburg im niederösterreichischen Weinviertel ist eine wahre Fundgrube für geologisch Interessierte. In der Sandgrube von Kühnring etwa - in der man buddeln darf - lassen sich mit etwas Glück sogar versteinerte Haifischzähne finden, auf jeden Fall aber eindrucksvolle Schneckenfossilien und Ähnliches. Der Johannessteinbruch von Zogelsdorf lieferte bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Material für viele Plastiken und Skulpturen im ganzen Land, da man den dortigen Kalksandstein in großen Blöcken herausbrechen konnte.

    Die Großplastiken am Michaelertor der Wiener Hofburg entstanden aus Zogelsdorfer Steinen, von denen jeder ein Gewicht von fast sechs Tonnen hatte, ebenso die Plastiken im Wiener Belvedere und bei der Karlskirche. Für ungezählte Marterln, Pest- und Dreifaltigkeitssäulen im Osten Österreichs holte man das Material aus diesem Steinbruch, der einst riesige Ausmaße hatte, heute aber zum Großteil zugeschüttet und trotzdem noch beeindruckend ist. Selbst in prähistorischen Sandkistengräbern ließ sich der Stein aus Zogelsdorf nachweisen. Der Boden der Abbaustätte ist übrigens mit versteinerten Austern geradezu gespickt.

    Viele der geologischen Attraktionen liegen auf einem in Eggenburg beginnenden Rundkurs, der als Themenweg "Erdgeschichte selbst erleben" ausgeschildert ist. Zwar ist der früher aufgelegte Folder vergriffen, aber bei jeder der interessanten Stationen finden sich Informationstafeln mit allen nötigen Angaben. Etwa 22 Millionen Jahre durchschreitet der Wanderer in einem Zug, und das ohne besondere Mühen, denn die Gegend ist nur mäßig gewellt, und der Weg weist keine größeren Steigungen auf.

    Ideal wäre, die Runde mit einem Besuch des bekannten Krahuletz-Museums in Eggenburg zu verknüpfen, wo etliche der Ausgrabungsstücke ausgestellt sind, doch ist dies nur bis Jahresende möglich. Von Jänner bis April ist das Museum geschlossen.

    Der Weg ist beschildert, aber nicht markiert, das übersichtliche Gelände erleichtert die Orientierung.

    Die Route: Vom Bahnhof in Eggenburg wandert man durch die Bahnallee nach Westen und folgt dann dem Bertha-von-Suttner-Radweg, der sich bald mit dem erdgeschichtlichen Wanderweg vereint. Forianibründl und die Sandgrube von Kühnring sind die weiteren Stationen, ehe es zum Johannessteinbruch von Zogelsdorf geht. Dann folgt ein Abstecher nach Burgschleinitz. Gehzeit ab Eggenburg zwei Stunden.

    Zurück nach Zogelsdorf und weiter nach rechts. Der Weg führt zum Galgenberg, zum Kalvarienberg und über die Grabkapelle zurück zum Ausgangspunkt. Gehzeit ab Burgschleinitz zwei Stunden. ( Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/19.12.2009)

    Gesamtgehzeit vier Stunden, Höhendifferenz unter 100 Meter. Kein Stützpunkt auf der Runde, eventuell Heuriger in Zogelsdorf. Karte im Folder "Eggenburg - im Zauber der Zeit", Maßstab 1:60.000; eventuell ÖK25V Blatt 4312-West (Eggenburg), Maßstab 1:25.000.

    • "Erdgeschichte selbst erleben" können Wanderer beim Rundkurs in Eggenburg.
      foto: tourismusinformation eggenburg

      "Erdgeschichte selbst erleben" können Wanderer beim Rundkurs in Eggenburg.

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