Von Zigarettenattrappen bis Bachblüten

18. Dezember 2009, 17:27
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"Konsument" testete verschiedene nikotinfreie Therapiehilfen zur Raucherentwöhnung

Wien - Aufhören - aber wie? Spätestens in der Silvesternacht werden abermals viele Raucher schwören, im neuen Jahr von ihrem Laster abzulassen. Das Testmagazin "Konsument" bietet in der Jänner-Ausgabe einen Überblick über nikotinfreie Therapiehilfen mit mehr und mit weniger guten Erfolgsaussichten. Das Fazit der Tester: Beratung und psychotherapeutische Unterstützung, eventuell in Kombination mit Medikamenten, führen eher zur Abstinenz als viele "alternative" Mittel.

Was getestet wurde

Weit über ein Drittel der Österreicher greift zur Zigarette. Das Verbrauchermagazin hat folgende Mittel begutachtet: zwei rezeptpflichtige Medikamente, zwei homöopathische Arzneimittelspezialitäten, Bachblütentropfen, ein Tabakersatzprodukt und eine Kunststoff-"Zigarette". Aufhörwilligen steht außerdem noch Nikotinersatz in Form von Kaugummi, Pflaster und Inhalatoren zur Verfügung. 

Rezeptpflichtige Medikamente

Champix: Das rezeptpflichtige Präparat mit dem Wirkstoff Varenicilin soll Entzugserscheinungen mildern. Nach einem Jahr liegt die Abstinenzrate bei 20 Prozent. Unklar ist, ob der Effekt über die Anwendungsdauer hinaus anhält. Testpersonen berichteten über Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Schlaflosigkeit. Laut "Konsument" gibt es Hinweise, dass Varenicilin zu depressiven Verstimmungen führen kann. Die Starterpackung kostet 124,10 Euro.

Zyban: Ebenfalls rezeptpflichtig, der Wirkstoff Bupropion (Amfebutamon) wird auch zur Behandlung depressiver Erkrankungen eingesetzt. Worauf die Wirkung bei der Raucherentwöhnung beruht, ist nicht bekannt. Aufgrund der unzulänglichen Faktenlage zu einer Langzeitbehandlung und bei Herz-Kreislauf- Erkrankungen sei dieses Präparat zur Nikotinentwöhnung mit Einschränkung geeignet, so das Magazin.

Homöopathie: Diverse "Entwöhnungstropfen" sollen beim Entzug helfen. "Bisher liegt kein wissenschaftlicher Beweis für eine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung vor", hält "Konsument" fest.

Bachblütentherapie: Die therapeutische Wirksamkeit von "Antirauchertropfen" oder "Notfalltropfen" wurde bisher nicht nachgewiesen.

NTB-Kräuterretten: Enthalten keinen Tabak und kein Nikotin, sondern Papaya, Haselnuss, Pfefferminzblatt und Eukalyptus. Ein Päckchen zu 20 Stück kostet 11,65 Euro. Die Belastung "mit toxischen und kanzerogenen Rauchinhaltstoffen ist allerdings ebenfalls sehr hoch", so der "Konsument".

Smoz: Eine Zigarettenattrappe aus Kunststoff mit Pfefferminz-, Erdbeer- oder Zitronenaroma. "Eine Bewertung zum Produkt liegt uns nicht vor, allerdings weist der Hersteller selbst darauf hin, dass Smoz nicht für den Nikotinentzug geeignet ist", schreibt das Magazin.

Akupunktur: Die Datenlage zur Wirksamkeit sei dürftig bzw. widersprüchlich, zur Nikotinentwöhnung lägen keine Studien vor.

Hypnose: Für ihren Einsatz in der Raucherentwöhnung gibt es laut "Konsument" bisher keine wissenschaftlichen Nachweise.

Raucherberatung: Krankenkassen und Ärzte bieten zur Unterstützung der medikamentösen Therapie Beratung an. "Damit lassen sich die Erfolgsquoten deutlich erhöhen", so die Tester. Während die Beratung bzw. Therapie bei Krankenkassen kostenlos ist, werden dafür in der Ordination in der Regel keine Zuschüsse geleistet.

Psychotherapie: Offenbar erfolgversprechend sei das in Graz entwickelte Psychodynamische Modell Training (PDM). In einer Studie wurde die Wirksamkeit der Psychotherapie mit jener einer Zyban-Behandlung verglichen. Nach einem Jahr waren 39 Prozent der nach PDM behandelten Personen rauchfrei, während im gleichen Zeitraum nur zwölf Prozent der medikamentös behandelten Raucher abstinent blieben. (APA)

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    Der Weg zum Ziel gestaltet sich durch diverse nikotinfreie Therapiehilfen unterschiedlich.

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