Neues Video: Zweifel an Bundeswehr-Version

18. Dezember 2009, 12:31
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Die deutschen Militärs hatten offenbar doch Zugang zu Bodenaufnahmen vom tödlichen Luftangriff in Kundus

Immer neue Indizien deuten darauf hin, dass die deutsche Bundeswehr doch mehr Informationen über den Luftangriff auf entführte Tanklaster im afghanischen Kundus hatte als ursprünglich zugegeben. Ein nun aufgetauchtes und der Boulevardzeitung BILD zugespieltes Video zeigt die Explosionen aus einer neuen Perspektive: vom Boden aus.

Bis zu 142 Menschen, darunter auch Zivilisten, waren bei der Bombardierung des Benzintransporters ums Leben gekommen. Der deutsche Oberst Georg Klein hatte den Abwurf der amerikanischen Bomben befohlen. Bisher hatte es offiziell geheißen, die Deutschen hätten ausschließlich Videomaterial der US-Kampfbomber zur Verfügung gehabt. Dass sie aber auch auf Bildmaterial vom Boden aus Zugriff hatten, wurde bisher unter Verschluss gehalten. 

Wie BILD berichtet, lagen die nun neu veröffentlichten Bilder schon wenige Stunden nach dem tödlichen Angriff in Deutschland vor, und zwar in der in Potsdam (Brandenburg) ansässigen Einsatzzentrale des Elitekommandos KSK. Demnach sollen auf den Bildern sowohl mit Kalaschnikows und Panzerfäusten bewaffnete mutmaßliche Taliban-Kämpfer zu sehen sein, aber auch unbewaffnete Zivilisten. Wie die Deutschland-Ausgabe der Financial Times berichtet, wird das neue Video auch im Untersuchungsausschuss des Bundestages Thema sein.

Thomas Raabe, der Sprecher des ehemaligen deutschen Verteidigungsministers Franz Josef Jung, hatte drei Tage nach dem Angriff erklärt, man habe sich nicht nur auf die Angaben eines afghanischen Informanten verlassen. Es habe vielmehr "einen weiteren Aufklärungsstrang gegeben, über den wir nicht öffentlich reden". Mit dieser Formulierung umschreibt das Ministerium gewöhnlich den Einsatz des geheimen Kommandos Spezialkräfte (KSK). Die Quelle habe es ermöglicht festzustellen, ob bestimmte Personen vor Ort seien und weit mehr Erkenntnisse bringen können als Luftbilder.

Ministerium bestätigt Echtheit

 

Die Aufnahmen seien bekannt und stammten von einer Überwachungskamera im deutschen Feldlager, sagte ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums am Freitag in Berlin. Einzelheiten zu dem Sicherheitssystem wollte er mit Verweis auf den Schutz der Soldaten nicht nennen. Auf dem von dem Massenblatt "Bild"-Zeitung veröffentlichten Video sind zwei rasch davonfahrende Autos zu sehen, kurz danach explodiert eine Bombe. Die deutsche Regierung ist wegen des von einem Bundeswehr-Oberst angeforderten Angriffs unter Druck geraten, weil dabei auch Zivilisten getötet wurden.

Nach Angaben aus Industriekreisen verfügt das deutsche Lager in Kunduz über zwei 20 Meter hohe Gitterrohrmasten, an denen Wärmebildkameras angebracht sind. Die Kameras könnten selbst bei absoluter Dunkelheit Menschen oder Autos in sieben bis acht Kilometern Entfernung wahrnehmen - also etwa der Distanz vom Lager, in der sich das Bombardement der beiden Tanklaster ereignete. Normalerweise wird mit dem System beispielsweise der Abschuss von Raketen in Richtung des Lagers beobachtet.

Der Angriffsort direkt könne mit den Kameras allerdings nicht erfasst werden, weil er zu tief und im toten Winkel liege, hieß es. Dafür seien die Masten zu niedrig. Außerdem liegt das deutsche Feldlager erhöht auf einem Plateau, was die Beobachtung tiefer gelegener Punkte zusätzlich erschwert. Auch die beiden anderen deutschen Feldlager in Mazar-i-Sharif und Faizabad sind mit derartigen Rundumbeobachtungssystemen ausgestattet. Deren Leistungsfähigkeit ist nach Angaben aus Industriekreisen größer als die der Spähpanzer vom Typ Fennek, die die Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz hat. Die Aufnahmen der Wärmebildkameras laufen gewöhnlich auf Monitoren im normalen Gefechtsstand oder in der Sicherheitszentrale der Camps auf. (red/Reuters)

  • Neue Bilder von der Katastrophe von Kundus.
    foto: screenshot bild.de

    Neue Bilder von der Katastrophe von Kundus.

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