Zensur-Axt

Meinungsfreiheit, Facebook-Style

18. Dezember 2009, 09:40
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    screenshots, m.: beigelbeck

    Silvio Berlusconi, schon vor der "Domattacke" Objekt hunderter Protestgruppen auf Facebook. Eine Seite mit 100.000 Mitgliedern wurde jetzt gesperrt. Auseinander-setzungen um Meinungsfreiheit begleiten Facebook seit der Gründung.

Eine Anti-Berlusconi-Seite wurde wegen angeblich "gewaltbereiter" Inhalte gesperrt, Google wird der Bildersäuberung bezichtigt

Es dauerte weniger als 48 Stunden und knapp 100.000 User, bis Facebook ohne Mitteilung an den Betreiber eine Facebook-Gruppe für Massimo Tartaglia sperrte, der Silvio Berlusconi mit seiner "Domattacke" schwer im Gesicht verletzte. Noch gibt es weitere Seiten und Gruppen, die dem Vorfall gewidmet sind und deren Zulauf sich seit der Sperre beschleunigt hat. Die jetzt meistbesuchte Gruppe hielt Donnerstagnachmittag bei einem Stand von 8500 Mitgliedern, aber "wie viel Zeit haben wir noch?", fragte sich ein User in Erwartung der Zensur-Axt.

Protestgruppen

"Gewalt zu verherrlichen oder Drohungen zu verbreiten ist auf Facebook nicht erlaubt", verteidigte das soziale Netzwerk seine Intervention laut New York Times, "wir werden rasch Maßnahmen ergreifen, um auf entsprechende Berichte zu reagieren" und "Inhalte mit Drohungen" zu entfernen. Silvio Berlusconi gehört zu den Politikern mit der zweifelhaften Ehre, die meisten Protestgruppen auf Facebook hervorgebracht zu haben. Während eine Suche nach Barack Obama derzeit rund 355 Facebook-Seiten produziert, die sich zwischen Verehrern und Gegnern teilen, zeitigt eine Suche nach Berlusconi 489 Seiten, überwiegend dem Protest gewidmet.

Facebook hat in Italien schon mehrfach Prozesse auszufechten gehabt und bereits früher Seiten wie "Lasst uns Berlusconi töten" nach Beschwerden vom Netz genommen. Derzeit muss sich Facebook vor Gericht verantworten, dass es zu langsam auf beanstandete Videos reagiert hätte.

Kritik an Google

Auch an Google kommt derzeit Kritik aus Italien: In diversen Blogs wird die Suchmaschine bezichtigt, ihre Bildsuche von Bildern des blutenden Berlusconis gesäubert zu haben. Google gibt dazu keinen Kommentar ab, allerdings erscheinen solche Bilder sehr wohl bei der Suche nach News, nicht aber in der Bildsuche. Diese sei jedoch chronisch langsam und würde selten aktuelle Bilder liefern, schreibt der kritische britische Tech-Blog The Register, der den Vorwurf der Säuberung eher für ein Gerücht hält.

Auseinandersetzungen um - oft erst nach Zensur bekannte - Facebook-Regeln begleiten das Netz seit langem. In den USA etwa werden Bilder von stillenden Müttern als erotischer Content blockiert; wie häufig finden sich auch Proteste bei Facebook selbst, so bei "Hey Facebook, breastfeeding is not obscene!" mit 248.316 Mitgliedern.

Privatsphären-Einstellungen

Teils heftige Kritik gibt es derzeit an einer Änderung der Privatsphären-Einstellung von Facebook: Offiziell als verbesserter Schutz verkauft, mit dem User genauer bestimmen können, welche Information einsehbar ist, wurde dabei auch das Gegenteil in die neuen Einstellungen geschmuggelt. Facebook-Mitglieder werden jetzt, samt einer Liste ihrer FreundInnen, automatisch auch bei Google-Suchen angezeigt - wenn die Benutzer dies nicht deaktivieren. (spu/DER STANDARD Printausgabe, 18. Dezember 2009)

 

my eyes
00
23.12.2009, 17:15
eine chuzpe,

dass sich der webstandard über die zensur anderer abfällig äußert.

Mathias
 
00
20.12.2009, 14:34
Interessante Frage

Ob Facebook und Google auch so schnell sind, wenn es sich dabei um die üblichen rechtspopulistischen/extremen und linksextremen Gewaltaufrufe handeln würde??

Macho04
04
19.12.2009, 09:42
Der Standard und Meinungsfreiheit?

Der Standard sollte sich lieber einmal selbst bei Nase in PUnkte Meinungsfreiheit nehmen. Jedes Post, das nicht den linkeslinkem Mainstream entspricht oder gar Pro FP argumentiert, wird zensuriert.

Das versteht die Redaktion auch noch zynisch unter "Jeder User hat das Recht auf eine freie Meinung"!

poerney
00
20.12.2009, 10:18
Tatsache?

Das seh' ich anders, obwohl gerade rechts-sein in Foren immer ein heikles Thema ist. Allerdings wird weit weniger zensiert als man glaubt -- die Zensoren sind einfach relativ langsam.
Das merkt man dann daran, dass Posts -- linke wie rechte -- plötzlich in zigfacher Ausführung dastehen, weil es so oft probiert worden ist, bis der erste Beitrag durch die Zensur gekommen ist.

derzensierte.at
00
19.12.2009, 04:35
don`t mess with mafia!^^

Captain Smoker
01
18.12.2009, 22:42

"Lasst uns Berlusconi töten" - So was geht in meinen Augen auch zu weit.

Christoph Karl Steininger
00
18.12.2009, 15:54
Das erinnert mich an das Theaterstück dessen Eingangssatz ist:

Ich bin hier um über meine Vagina zu reden! In jedem einzelnen Satz des Stückes kommt das Wort Vagina vor. Es war die Reaktion auf die Entscheidung der amerikanischen Fernsehbehörde jede Aussprache des Wortes Vagina durch einen Pfeifton zu ersetzen.
Das Stück wurde vom Fernsehen lange boykottiert, bis daß eine berühmte Fernsehserie die Eingangssequenzen zeigte und damit durchkam.

Ich halte es wie Obelix: Die spinnen, die Amis!

gutartiger Bösmensch
033
18.12.2009, 11:36
Na ja beim Standard

erscheint auch nicht jedes Post, oder? ;-)

Zip Vi Glotscha
 
01
19.12.2009, 05:22
Wie recht Sie haben.

Gestern noch meinte ich überspitzt dass ich einen Beitrag zu Zensur im Web beim Standard eher in der Rubrik "In eigener Sache" erwartet habe und schwupps ... das Posting "geht verloren".

Liebe Red., ganz großes Kino!

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