Klima-Kompromiss

"Besser als gar kein Klimavertrag"

19. Dezember 2009 08:45

Kopenhagen-Gipfel: Keine Reduktionsziele - Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad - Kleine Länder blockieren Verabschiedung

Kopenhagen - Beim Weltklimagipfel in Kopenhagen haben in der Nacht zum Samstag Unterhändler von insgesamt 130 Staaten einen Durchbruch erzielt. Das Abschlussdokument beinhaltet das Ziel der Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad.

Konkrete Zahlen zur Treibhausgas-Reduktion bis zum Jahr 2020 enthält die Vereinbarung nicht, es wird auch nicht mehr von Vertrag gesprochen. In einem früheren Entwurf stand noch, dass die Emissionen der Industriestaaten bis 2050 um 80 Prozent sinken sollen.

Der Durchbruch in den Verhandlungen wurde in einem Gespräch von US-Präsident Barack Obama mit Vertretern Chinas und weiterer Schwellenländer erzielt. Jedes Land werde immerhin dazu aufgefordert, seine angepeilten CO2-Reduzierungsziele der Welt mitzuteilen, so Obama. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sagte, die Mitteilung solle bis Jänner 2010 geschehen. Ab 2020 soll es jährliche Hilfszahlungen von 100 Milliarden Dollar an die Entwicklungsländer geben.

Insbesondere der Sudan, Venezuela, Bolivien und der Inselstaat Tuvalu wandten sich gegen die Verabschiedung des Textes, der keine konkreten Vorgaben zur Reduzierung von Treibhausgasen enthält. Kritik gab es dabei auch an dem Verfahren, einen Text an den üblichen Arbeitssitzungen der Konferenz vorbei im kleinen Kreis auszuhandeln.

Die Debatte dauerte Samstag früh zunächst weiter an. Da auf UNO-Konferenzen der Grundsatz der Einstimmigkeit gilt, konnte die ablehnende Minderheit nicht überstimmt werden.

(red)

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"Besser als gar kein Klimavertrag"

"Das ist nicht das Ende, das muss der Anfang einer großen internationalen Anstrengung sein", so bilanzierte US-Präsident Barack Obama das Ende eines langen, schwierigen Verhandlungsprozesses, der am späten Freitagabend in Kopenhagen zu Ende ging. Mit Hängen und Würgen hatte die internationale Staatengemeinschaft zuvor eine Schlusserklärung der Uno-Klimakonferenz zustande gebracht, die allen Parteien genügte - und deswegen entsprechend vage blieb.

Zuvor hatten vor allem die Amerikaner die chinesische Delegation bekniet, doch in der Sache nachzugeben, sich auf verbindliche Ziele zur CO2-Reduktion einzulassen und diese auch unter internationale Kontrolle zu stellen. Davon war man allerdings im Text der Einigung meilenweit entfernt. Weder die Reduktionsziele wurden verbindlich festgeschrieben, noch eine unabhängige Überwachung eingesetzt. Gerade einmal das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wurde gehalten, nachdem Obama mit Chinas Premier Wen Jiabao, Indiens Regierungschef Manmohan Singh und dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma zu einem Kompromiss fand.

Dementsprechend zufrieden war auch die chinesische Delegation. Xie Zhenhua, Pekings Chefverhandler, sagte Freitag kurz vor Mitternacht: "Der Gipfel hat eine Einigung erreicht und alle sollten glücklich sein." Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy übte sich dagegen lakonisch in diplomatischer Untertreibung: "Wir haben einen Text, aber er ist nicht perfekt." Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte die Einigung unterstützen - "mit gemischten Gefühlen".

Obama selbst nannte die Einigung "sinnvoll" und in ihrer globalen Form "beispiellos", aber auch nicht ausreichend beim Kampf gegen den Klimawandel. Er sagte vor seinem Abflug aus der dänischen Hauptstadt: "Das hier ist eine sehr gute Grundlage für die weitere Arbeit."

In den kommenden Monaten müsse nun weiteres Vertrauen zwischen reichen und armen Staaten gebildet werden, um ein umfassendes und auch rechtlich bindendes Klimaabkommen beschließen zu können. Bei einer nächsten Uno-Klimakonferenz im Mai in Bonn sollen neue Vereinbarungen erreicht werden.

Die Umweltorganisation Greenpeace sprach von einem "ernüchternden" Ergebnis. "Kopenhagen ist heute Nacht ein Tatort, in dem schuldige Männer und Frauen zum Flughafen fliehen." Tim Jones, Klima-Delegierter des World Development Movement, einer Armutsbekämpfungsorganisation, sagte: "Dieser Gipfel war ein kompletter Fehlschlag vom Anfang bis zum Ende. Er endet in einer Niederlage, die Millionen Menschen in unerhörte Leiden stürzt."

John Ashe, der Vorsitzende der Kioto-Verhandlungsrunde der Uno, sagte, dass diese Verhandlungen in jedem Fall weniger ergeben hätten, als zu erwarten stand. "Wir hätten mehr erreichen können", meinte auch Ivo de Boer, der Chef des Uno-Klimasekretariats. Norwegens Premier Jens Stoltenberg kommentierte schlicht: "Was jetzt erreicht wurde, ist besser als gar kein Klimavertrag." (Julia Raabe aus Kopenhagen/DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2009)

Kommentar posten
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Truhe
 
19.12.2009 21:04

Von Kopenhagen nach DenHaag ist es gar nicht so weit.
Da könnte man die Herrschaften Klimaschonend hinverfrachten und sie wegen Massenmordes vor Gericht stellen.

werwolfi
19.12.2009 21:01

"Besser als gar kein Klimavertrag"

nein, es wäre wesentlich besser, wenn der gipfel vollständig gescheitert wäre.

so haben wir ein paar lippenbekenntnisse, auf denen sich die verantwortlichen die nächsten jahre rausreden werden.

nur die reisetätigkeit der tausenden teilnehmer hat höchstwahrscheinlich das reale ergebnis des gipfels schon jetzt zunichte gemacht...

zimbo
 
19.12.2009 20:21
Vieviel CO2 nder Gipfel und seine 2jaehrige Planungsphase verbraucht hat.

Mit Buffee, ohne Gratispuff

Martin Wildam
19.12.2009 19:31
Alles nur Sesselwärmer

Vielleicht kriegen wir 1 Grad Erderwärmung wieder weg, wenn wir die ganzen Politiker wegkriegen, die nur heiße Luft von sich geben.

Beim letzten Klimagipfel hat man sich mit Zusagen noch weniger zurückgehalten, weil wohl die meisten dachten, eh längst nicht mehr im Amt zu sein, wenn am Ende die Abrechnung der Ziele und Ergebnisse kommt.

Aber jetzt reicht es nicht mal mehr für Zusagen, die sie eh nicht mehr verantworten brauchen.

Magdalena P
19.12.2009 19:07
"Besser als gar kein Klimavertrag"?

wielange noch müssen wir uns mit solchen Alibiverträgen abspeisen lassen?

chelene chirsch
19.12.2009 22:53
was wollen sie denn ?

sudan und co. bekommen in naher zukunft jährlich milliardenbeträge gespendet, von denen sie sich klimafördernd waffen kaufen werden.

damit steht uns zwar, genau wie bei allen anderen versuchen, keine klimatische veränderung bevor, aber zumindest gibt es ein wenig action.

Bolschewik
19.12.2009 18:25

die chinesen haben der welt gezeigt was sie von ihr halten, nämlich sehr wenig, die machen ihr match wie sie wollen und wenn der obama noch so salbungsvoll redet der umwelt hätte es mehr geholfen wenn alle daheim geblieben wären, aber da hätten die ultras nix zu demonstrieren gehabt

Frodo10
19.12.2009 18:01
A ndreas Bogeschdorfer
19.12.2009 21:41
Unterberger beweist mit diesem Text genau null Kompetenz.

Er setzt auf die seit 50 Jahren versprochene Fusion, die selbst von den größten Optimisten erst in weiteren 50 Jahren erwartet wird, wenn sie überhaupt jemals praxistauglich wird. die gleichen Leute die so argumentieren jammern über die Kosten der realen Erneuerbaren Energien.

Unterberger spricht vom nicht stattgefundenen Ende des Öls. Das liegt aber nicht wie oft unterstellt daran, dass der Club of Rome die Ölvorkommen falsch berechnet hätte, sondern dass aufgrund der Ölkrisen 72 und 79-81 ein anders als berechneter Weltverbrauch stattgefunden hat.

yomellamo
19.12.2009 20:14

... der unterberger ist halt experte für genau heisse luft.

itdoesnotmatter1
19.12.2009 18:56

es wäre wohl besser den tatsachen ins gesicht zu schauen. es gibt einen de facto wissenschaftlichen konsens zum klimawandel. da kann unterberger viel von sich geben... check it: http://globalviewmagazine.wordpress.com/2009/11/2... nsens-ist/

greenling
19.12.2009 18:11
boah, könnt ihr endlich aufhören zu unterberger zu verlinken!

Faktenverdrehen und Pseudo-Journalismus!

Odo
19.12.2009 14:08
Die Überschrift soll wohl ein Witz sein. Bei einem dreiseitigen Papier, dass nur Unverbindlichkeiten enthält und bei dem jeder Staat nun selber entscheiden kann, ob er es überhaupt akzeptiert, kann man wohl kaum von einem "Klimavertrag" reden.

Herr Obama sprach gestern davon, dass in Kopenhagen ein neues Vertrauensklima zwischen Industrie- und Entwicklungsländern geschaffen wurde. Genau das Gegenteil ist der Fall. Nach dem Gipfelergebnis ist die Kluft zwischen armen und reichen Ländern tiefer denn je.

el dus
 
19.12.2009 14:00
Jetzt hat der Schwachsinn einen Namen: Minus zwei Grad

Die Eliten glauben, das dumbe Volk glaubt an die Allmacht ihrer Führer. Sie verkünden,wir reduzieren die weltweite Temperatur um 2 Grad. Warum nicht gleich die Erschaffung eines Schwesterplaneten, der klimatisiert sein wird?

Gawain
 
19.12.2009 13:59
Typisch Obama...

Jetzt reichts, es muss ein Demokrat her, der ihn herausfordert. Die Mehrheit der Demokraten ist mit diesem Kurs der Halbheiten alles andere als zufrieden. Obama ist auf dem besten Weg, die Wahl von Sarah Palin oder von einem anderen Wahnsinnigen zu ermöglichen.

A ndreas Bogeschdorfer
19.12.2009 14:13
Was wollen Sie eigentlich?

Einen Diktator der US-intern wie international alles im Alleingang löst? Von der politischen Realität scheinen Sie nicht sehr viel Ahnung zu haben.

Prof. Wolf
19.12.2009 15:01

Mit etwas mehr Verstand hätte Bush diesen Job (als Diktator, der im allein Gang die Welt rettet) sehr gut gemacht.

A ndreas Bogeschdorfer
19.12.2009 18:30
Sorry, unabhängig von der Person ist jemand der als Diktator im Alleingang was auch immer macht, mit Verstand nicht kompatibel sein.

the thing that should not be
19.12.2009 11:42

2° erwärmung. das hätten wir mal. und als nächstes beschliessen wir, dass der tag ab sofort 26h dauert. 2 billiarden an die dritte welt müssten eigentlich dafûr reichen ;)

Viva México Cabrones!
19.12.2009 10:50
Bitte erklären: Wie ist eine internationale Vereinbarung tatsächlich durchsetzbar?

Angenommen es wäre tatsächlich zu einem vertretbaren Ergebnis im Rahmen dieses Klimagipfels gekommen und es wären konrekte Einsparungsziele vereinbart worden.

1. Wie sind diese durchsetzbar?
2. Was passiert, wenn diese nicht erfüllt wurden?

a) Ächtung im UN-Klimarat?
b) empfindliche Strafzahlungen?
c) Beugehaft für die Bürger?

Kann mir das einmal jemand erklären?

Wären doch alles nur zahnlose Bemühenszusagen, mehr nicht! Oder?

A ndreas Bogeschdorfer
19.12.2009 12:33
Eine effektive internationale Vereinbarung ist schon in sich völlig unrealistisch.

Weil viel zu viele völlig verschiedene Interessen unter einen Hut gebracht werden müssten. Das ist der Versuch der Quadratur des Kreises.

Hermann Scheer: "Das gehört ja zu dieser Art von Veranstaltungen dazu. Noch vor jeder Klimakonferenz in den vergangenen Jahren hat man zunächst riesige Erwartungen in der Öffentlichkeit aufgebaut, dann durch gezielte Ankündigungen den Eindruck zu erwecken versucht, das Treffen sei zum Scheitern verurteilt. Und am Ende wird ein Minimalkonsens als vergleichsweise großartiges Ergebnis verkauft."

Das bessere Instrument für den Klimaschutz ist die IRENA (Int. Renewable Energy Agency). Sie ist ein progressiver Ansatz, während auf Klimakonferenzen stets defensive Stimmung herrscht.

hmx4biocell
 
19.12.2009 11:19
... ist doch ganz einfach


...nix wird anders nur teurer.
Aus welchem Grund ist doch egal. Die Jungs verarschen uns auf der ganzen Linie - und so lange sie damit durch kommen, haben sie keinen Grund, dies jemals zu ändern. Wozu auch ... ist doch ein *bewährtes* Erfolgsrezept.

Entropix
19.12.2009 10:32
die Regierungschefs

beschließen eine maximale Erderwärmung um 2 Grad! Und wenn sich dieses präpotente Klima nicht dran hält, droht das IPPC mit scharfen Sanktionen!

chromosFEAR
19.12.2009 09:31
"Was jetzt erreicht wurde, ist besser als gar kein Klimavertrag."

sinnlose Geldverschleuderung ohne Ergebnis

chromosFEAR
19.12.2009 09:35

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