Sozialisten hoffen auf Umschwung

17. Dezember 2009, 23:08
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Spitzenkandidat Mesterházy will enttäuschte Stammwähler zurückgewinnen

Die im nächsten Frühjahr anstehenden Parlamentswahlen in Ungarn werfen ihre Schatten voraus. Am Donnerstag nominierte die rechtsextreme Jobbik ("Die Besseren" ) als letzte der Parteien mit Chancen auf einen Einzug in die Volksvertretung ihren Spitzenkandidaten. Wenig überraschend ist es Parteichef Gábor Vona.

Der oppositionelle rechtspopulistische Bund Junger Demokraten (Fidesz) schickt naturgemäß den Obmann und Ex-Premier Viktor Orbán ins Rennen. Die regierende Ungarische Sozialistische Partei (MSZP), der laut Meinungsumfragen eine schwere Niederlage droht, bestätigte auf ihrem Parteitag am letzten Wochenende den 35-jährigen Fraktionschef Attila Mesterházy als Spitzenkandidaten.

Den genauen Wahltermin hat Staatspräsident László Sólyom noch nicht festgesetzt. In einem Interview mit dem Wochenblatt Heti Válasz, das am Donnerstag erschien, äußerte er seine Präferenz für den frühestmöglichen Zeitpunkt. Das wäre April.

In einem Gespräch mit Auslandskorrespondenten in Budapest gab sich Mesterházy am Donnerstag zuversichtlich: Er und seine Partei könnten in den mehr als vier Monaten bis zum Urnengang noch einen Stimmungsumschwung herbeiführen. Derzeit liegt Fidesz in den Umfragen bei 60 bis 65 Prozent, die MSZP schrammt gerade einmal an der 20-Prozent-Marke vorbei. "Wir wollen jene Wähler zurückgewinnen, die uns 2002 und 2006 ihr Vertrauen geschenkt haben" , meinte Mesterházy. Jene Wahlen hatte die MSZP mit Werten von mehr als 40 Prozent gewonnen. Wählerstromanalysen nach der für die Sozialisten desaströsen Europawahl im Juni (Fidesz 56,4 Prozent, MSZP 17,4, Jobbik 14,8) ergaben, dass die vormaligen sozialistischen Wähler zumeist zu Hause geblieben und (noch) nicht zu den Rechtsparteien abgewandert waren.

Mesterházy ist eloquent, hat aber kaum Charisma. Dass er sich kurz nach der Ankündigung seiner Nominierung durch den MSZP-Vorstand den kecken Kinnbart abrasierte, verstärkt auch äußerlich den Eindruck, dass er keine Ecken und Kanten aufweist. Er selbst meinte, seine Nominierung als Mittdreißiger sei als "Signal" zu verstehen, dass sich die MSZP erneuern wolle. In der von Zweckallianzen durchsetzten Partei gilt er als einer der wenigen Spitzenpolitiker, die keine Feinde haben. Ob das ein Vorteil ist, wird sich noch zeigen. (Gregor Mayer aus Budapest/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2009)

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    Keine Feinde in der Partei: Attila Mesterházy.

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