Musikrundschau: alt und frisch

17. Dezember 2009, 20:07
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Neue Alben von Charlotte Gainsbourg über Hyperdub zu Seattle-Folkpop

CHARLOTTE GAINSBOURG
Irm

(Warner)
Von ihren übermächtigen Eltern, Jane Birkin und der französischen Pop-Gottheit Serge Gainsbourg, hat sich die 38-jährige Charlotte längst als Filmschauspielerin emanzipiert, zuletzt unter anderem in I'm Not There und Antichrist. Mit der Musik tat sie sich ungleich schwerer. Auf ihrem 2006 erschienenen Debüt 5.55 holte sie sich mit Jarvis Cocker oder den französischen Schöngeistern Air prominente Unterstützung. Das Songmaterial und ihre, freundlich gesagt, zarte Stimme, langweilten aber doch erheblich. Ihr neuester musikalischer Partner, der alte amerikanische Slacker-König Beck, der sie auch beim Songwriting unterstützt, geht da etwas forscher zur Sache. Der Gesang bleibt zwar brustschwach und typisch für französische Actricen, wenn sie pflichtschuldig einmal in ihrer Karriere ein Chanson-Album einspielen. Beck verlässt allerdings mitunter die gewohnten und auch hier enthaltenen Wohlklangsballaden. Er bringt ein bisschen wildes afrikanisches Perkussionsgeklöppel, zünftigen Sixties-Pop und wilde wie ungewöhnlich arrangierte Rock-'n'-Roll-Hadern ins Spiel. Das tut der zurückhaltenden Art Charlottes gut.

VARIOUS ARTISTS
5 Years OF Hyperdub

(Hyperdub/Trost) Steve Goodman alias Kode 9 ist Chef des Londoner Labels Hyperdub, auf dem er nicht nur famose Solo- oder gemeinsame Arbeiten mit The Spaceape veröffentlicht. Die Firma gilt auch als Weltzentrale des Dubstep-Stils, einer grundsätzlich von jamaikanischer Musik abgeleiteten Form von Clubmusik, die die Bässe extra tief legt und darüber zwischen (Minimal-)Techno, HipHop oder House reichlich Rauchschwaden verbreitet. Hier erleben wir anlässlich eines kleinen Jubiläums eine Leistungsschau mit alten Hits und neuem Material von Acts wie eben Kode 9, King Midas Sound, Burial, Cooly G oder Zomby und Darkstar. Dancefloor-Avantgarde bedeutet allerdings immer: Bubenmusik.

GRAND ARCHIVES
Keep In Mind Frankenstein

(Subpop/Trost)
Freundliche Musik von einer freundlichen Band aus Seattle. Auf dem Programm steht melancholischer Folkpop, der sich vor allem von britischem Jingle Jangle und neuseeländischen Bands wie The Chills aus den späten 1980er-Jahren beeinflusst zeigt.
(Christian Schachinger/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2009)

 

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