Wider das Lustprinzip: "The Bad Breast"

17. Dezember 2009, 19:12
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Bruce LaBruce erklärt Psychoanalyse zum Theaterstoff: Die Brut-Koproduktion ist allerdings Trash der alten Schule

Der kanadische Experimentalfilmemacher Bruce LaBruce überbringt in seiner soeben vom Berliner HAU ans Wiener Brut-Theater gewanderten neuen Trash-Performance The Bad Breast Botschaften der Psychoanalyse als Revue. Brustneid statt Penisneid, heißt das im Fall der vor allem als Pionierin der Kinderpsychoanalyse bekannt gewordenen Melanie Klein (1882-1960).

Deren Theorien manifestieren sich am Beispiel der von einer "hysterischen Neurose" geplagten Schauspielerin Theda Lange (Susanne Sachsse), die Alltagsprobleme generell mit Liebesdiensten löst und bald auch gedenkt, ihren Sohn miteinzubeziehen. Das ist bestes Material für die Analytikerin (Katharina Klewinghaus), die ihrerseits den verräterischen Namen Iokaste Joy trägt - frei nach Ödipus' Mutter.

Das alles löst Bruce LaBruce mit Travestie-Garderobe und szenischen Überzeichnungen ein, die im Mittelteil in eine (langatmige) Dark-Room-Fantasie mit viel Trockeneisnebel münden. Die Mittel dieses Exhibitionismus und ihre Umsetzung sind also verdächtig konventionell. Auch der Zeitlupenslapstick auf der Psycho-Chaiselongue mit den Puppen des Unterbewusstseins.

Die serielle, überstrapazierte Dramaturgie macht es dem Abend zudem nicht leichter: Immer wieder imaginiert sich die Patientin ihren Auftritt in der Praxis im Blitzlichtgewitter, samt zugespieltem Applaus. Diesen gab es zum Schluss zwar in echt, doch mäßig: The Bad Breast verharrt in abgenützten Ideen und Bildern. (Margarete Affenzeller/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2009)

 

Brut im Künstlerhaus, 18. 12. 20.00, 19. 12. 19.00

  • Auf der Psycho-Chaiselongue: Susanne Sachsse als böse, sexsüchtige Mutter in "The Bad Breast"
 
 
    foto: bruce labruce


    Auf der Psycho-Chaiselongue: Susanne Sachsse als böse, sexsüchtige Mutter in "The Bad Breast"

     

     

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