Freiheitliche Treue mit Ablaufdatum

17. Dezember 2009, 18:40
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Uwe Scheuchs Coup der Wiedervereinigung der orangen Kärntner Freiheitlichen mit der blauen Mutterpartei FPÖ könnte mit Gerhard Dörfler bald ein erstes Personalopfer nach sich ziehe

Gerhard Dörfler gab sich alle Mühe, sich nichts anmerken zu lassen. Zur rechten Seite neben seinem alten neuen blauen Parteichef Uwe Scheuch bei der Kärntner Pressekonferenz sitzend, nahm er dessen begeisterte Kommentare zur vollzogenen Wiedervereinigung mit der Mutterpartei mit unbewegtem Gesicht zur Kenntnis. Die orange schillernde Krawatte wirkte farblich ein wenig deplatziert. Der Kärntner Landeshauptmann bemühte sich, als er schließlich zu Wort kam, sichtlich darum, die Kärntner Heimkehr in den Schoß der Blauen ordentlich zu würdigen. "Das neue freiheitliche Doppel" , hob der ehemals orange und jetzt blaue Landeshauptmann an, werde "bei den nächsten Bundeswahlen die Silbermedaille erringen" .

Doch wenig später brach es aus ihm heraus: "Für mich ist das eine Vernunftehe." Er werde auch weiterhin über die Parteigrenzen hinweg ein Landeshauptmann für alle Kärntnerinnen und Kärntner sein, setzte Dörfler nach. Parteichef Scheuch hatte zuvor von einer "Entscheidung mit Herz und Hirn" gesprochen, einer "Liebesverbindung" , die nach einiger Zeit der Trennung wieder zusammengefunden habe.

Dörfler vom Coup überrascht

Dörfler bemerkte das mühsam verhaltene Grinsen im Gesicht seines Parteichefs, der gerade den innenpolitischen Coup des Jahres und ein fulminantes Ablenkungsmanöver vom Kärntner Finanz- und Hypo-Debakel zustande gebracht hatte, nicht.

Der Landeshauptmann war von den Geheimverhandlungen um die Wiedervereinigung offenbar völlig überrascht worden. Er soll, so hört man aus seiner Umgebung, erst kurz vor Bekanntgabe des Coups informiert worden sein. Um nicht als völlig Düpierter bei seinen eigenen Mitarbeitern dazustehen, habe er dann als erster sein Statement zur gelungenen orange-blauen Wiedervereinigung über die Presseagentur gejagt. Gerüchte, wonach Dörfler noch in dieser Legislaturperiode dem jungen ehrgeizigen Uwe Scheuch als Landeshauptmann Platz machen soll, erhalten dadurch wieder neue Nahrung. Uwe Scheuch, darauf angesprochen, beeilte sich zu versichern: "Wir haben einen Landeshauptmann. Das ist Gerhard Dörfler, und das bleibt so - zumindest bis zu nächsten Wahl." Zumindest.

Formal hätte Scheuch derzeit keine andere Möglichkeit, als Dörfler sozusagen zur verdienten Politpension zu überreden. Doch wer den machtbewussten Kärntner FPK-Chef kennt, weiß, dass er nicht ruhen wird, bis er sein Lebensziel, Landeshauptmann von Kärnten zu werden, erreicht hat. Dieses schien durch den fulminanten Wahlerfolg, den Dörfler bei der Kärntner Wahl nach dem Tod Haiders einfahren konnte, zunächst in weite Ferne gerückt. Doch gestärkt durch seinen Überraschungscoup, könnte sich das ändern. Die freiheitliche Kärntner Basis, die durch den neuerlichen Farbenschwenk zwar einigermaßen irritiert ist, dürfte ihrem neuen starken Mann wohl folgen, was immer der auch von ihr verlangen mag.

Gerhard Dörfler dagegen kann als Quereinsteiger aus national-sozialdemokratischem Elternhaus, den Jörg Haider 2001 in die Politik holte, auf keine Hausmacht im freiheitlichen Lager verweisen. Zudem hat sich der ehemalige Feldkirchner Regionalbanker und spätere Klagenfurter Brauereichef österreichweit durch zahlreiche Peinlichkeiten und Witze längst zur Lachnummer gemausert, was auch in den eigenen Reihen zunehmend auf Ablehnung stößt.

Ein Oranger für Häupl

Das tiefblaue erznationale Weltbild seines Parteichefs Scheuch goutiert Gerhard Dörfler ganz und gar nicht, und schon gar nicht kann er mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Als Jörg Haider sein BZÖ 2005 von den Blauen, die sich um Strache gescharrt hatten, abspaltete, meinte Dörfler, das sei der "schönste Tag seines politischen Lebens" gewesen. Mit Neo-FPÖ-Chef freundete sich Dörfler auch in der Folge nie an. Noch im Sommer des heurigen Jahres tönte der Kärntner Landeshauptmann, dass er bei der kommenden Wien-Wahl seine Stimme dem roten Bürgermeister Michael Häupl geben würde.

Heute freilich, da er Strache im Kärntner Parteivorstand, in den der dieser kooptiert wird, wohl des Öfteren begegnen wird, meint Dörfler: "Das war Sommerkabarett. Belassen wir es dabei."

Die Frage ist, ob es auch der Kärntner FPK-Chef Scheuch auf alle Zeiten dabei belässt. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD-Printausgabe, 18. Dezember 2009)

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