Die Wucht der Virtuosität

17. Dezember 2009, 18:29
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Dirigent Mariss Jansons und das Concertgebouw-Orchester im Musikverein

Wien - Das britische Gramophone-Magazin hat das Concertgebouw-Orchester zum besten der Welt gekürt. Und das zweite Orchester, dem Mariss Janson vorsteht, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, landete immerhin auf Platz sechs. Auch wenn man solchen Rankings nicht übertriebene Gültigkeit zusprechen sollte - es ist zweifellos kein Zufall, eher nur zu logisch, dass die Arbeit des lettischen Dirigenten auch in dieser Form gewürdigt wird.

Und es ist akribische Arbeit, die magischer Klang und brennende Struktur wird. Man nehme nur Jansons' deutlich sichtbare Emphase nicht in dem Sinne ernst, dass man von ihr auf einen Romantiker des Spontanen schließen sollte. Die Zweite Symphonie von Mahler: Hier ist ein Strukturalist am Werk, der Wert auf Klarheit und straffe Konturen legt. Bei ziemlich flotten Tempi erlebt man eine Ästhetik, die wenig mit der Zerrissenheit dieser Musik zu tun haben will, vielmehr das große dramaturgische Ganze behutsam aufbaut und trotz Detailarbeit nicht aus dem Auge verliert.

Somit war der Erste Satz ein Plädoyer für rhythmische Prägnanz, Kontraste und die deutliche Präsentation diverser Klangschichten, die quasi kontrapunktisch miteinander kommunizieren. Frei von jeder Süßlichkeit des Melos wurde hier unsentimental wie streng phrasiert. Erkaltet wirkt das Ganze bei Jansons nur selten.

Hier kam Intensität nur eben aus der zupackenden Art und Weise, Töne und Klänge mit Energie aufzuladen. Besonders an heftigen Stellen wurde die Präzision zum Vehikel, jene Wucht des Ausdrucks zu vermitteln, zu der die Gäste aus Amsterdam fähig sind. Die Beruhigung durch den vierten und fünften Teil nahm man nach dem vorausgegangenen Furioso dennoch gerne zur Kenntnis - natürlich auch die gute Arbeit des Singvereins und die solide der Solistinnen Ricarda Merbeth und Bernarda Fink. (Ljubisa Tosic/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2009)

 

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