"Wir bleiben Partner der Austrian Airlines"

17. Dezember 2009, 18:32
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Olga Pleschakowa gibt sich über­zeugt, dass ihre Partnerfluglinie AUA die Landerechte in Russland nicht verlieren wird

Standard: Wie stark hat die Krise die russische Luftfahrt getroffen?

Pleschakowa: Es ist nicht einfach, aber die Krise ist eine Zeit, in der sich die Spreu vom Weizen trennt. Weltweit sind die Passagierzahlen um vier Prozent, in Russland um rund zwölf Prozent zurückgegangen. Trotzdem haben die starken Akteure am Markt solide Erfolge erzielt. Unter diesen - nicht gerade zahlreichen - Unternehmen gehört Transaero zu denen, die dieses Jahr wachsen. Bei den innerrussischen Flügen verzeichnen wir im Vergleich zu 2008 einen Anstieg von 70 Prozent.

Standard: Während ein Großteil der russischen Fluglinien am Rande des Bankrotts steht, schreibt Transaero Gewinne. Warum?

Pleschakowa: Wir sind schon seit 18 Jahren am Markt und haben eine Riesenerfahrung darin, wie man Krisen überlebt. Wir haben die Krisen 1998/1999 und 2001 überstanden und wissen daher, wie man den Betrieb auf den verschiedenen Strecken anpassen muss. Zudem verfügen wir über eine Flotte mit großer Variabilität. Wir können Nischen besetzen. Wir waren auch immer ein verlässlicher Schuldner. Der Finanzmarkt vertraut uns. Transaero hat im Februar 2009 seine Obligationen erfüllt. Im Oktober haben wir erfolgreich eine zweite Anleihe emittiert.

Standard: Warum haben Sie von Anfang an auf ausländische Flugzeuge gesetzt?

Pleschakowa: Zuerst war es eine Vernunftehe, aber dann hat es uns wirklich gefallen. Anfang der 1990er-Jahre war die Situation der russischen Luftfahrtindustrie katastrophal und es wurden keine Flugzeuge mehr produziert. Transaero ist nicht als Resultat des Zerfalls der sowjetischen Aeroflot entstanden. Wir haben bei null angefangen. Deshalb und weil die Fließbänder der Luftfahrtindustrie stillstanden, mussten wir ausländische Flugzeuge kaufen. Jetzt besitzen wir die größte Langstreckenflotte von Boeing-Großraumflugzeugen in Osteuropa. Die Modernisierung der Flotte wird auch in der Krise fortgesetzt.

Standard: Aber sind ausländische Flugzeuge nicht teurer?

Pleschakowa: Nein, obwohl man einen Einfuhrzoll zahlen muss. Russische Flugzeuge kommen nicht aus der Serienproduktion. Dazu kommt, dass die Kosten für die Wartung nach der Garantiefrist sehr hoch sind, weil es an Ersatzteilen fehlt.

Standard: Sie haben eine Kooperation mit Austrian Airlines und Lufthansa geschlossen. Wollen Sie diese Partnerschaft vertiefen?

Pleschakowa: Wir arbeiten schon seit einigen Jahren mit Star-Alliance-Mitgliedern zusammen. Natürlich studieren die Fluglinien einander genau, und die Frage einer Zusammenarbeit in der Allianz ist aufgetaucht. Aber es ist auch klar, dass wir nur als vollberechtigtes Mitglied beitreten. Der Beitritt zur Star Alliance ist aber an und für sich keine unmittelbare Strategie zur Entwicklung des Geschäfts.

Standard: Wie hat sich die Partnerschaft mit der AUA entwickelt?

Pleschakowa: Wir fliegen seit einem Monat im Rahmen des Code-Sharing-Agreements zweimal am Tag nach Wien. Die Passagieranzahl ist um 20 bis 25 Prozent gestiegen.

Standard: Die AUA hat momentan Probleme mit den Landerechten in Russland.

Pleschakowa: Internationale Verträge muss man respektieren, aber Regierungsabkommen, die den Luftverkehr einschränken, sind ein Erbe der Vergangenheit. Diese Dokumente, die in die Eigentumsrechte der Fluglinien eingreifen, muss man überprüfen. Es ist ja nicht nur die Lufthansa, die andere aufkauft, sondern alle großen Airlines. Das ist ein normaler, marktwirtschaftlicher Prozess. Wenn alte Dokumente, die nichts mit der Wirtschaftspraxis zu tun haben, die unternehmerische Entwicklung einschränken, dann wäre das sehr traurig und seltsam.

Standard: Was würde der Verlust der Landerechte für Ihre Partnerschaft bedeuten?

Pleschakowa: Wir würden ihr Partner bleiben und das Codesharing-Abkommen von unserer Seite erfüllen, aber ich bin überzeugt, dass es nicht zu einer Einstellung der AUA-Flüge kommen wird. Austrian Airlines ist der älteste Partner der Russischen Föderation. Ich bin überzeugt, dass eine Lösung gefunden wird.(Verena Diethelm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.12.2009)

Zur Person: Olga Pleschakowa (43) ist Generaldirektorin von Transaero, der zweitgrößten russischen Airline. Pleschakowa wurde von Präsident Dmitri Medwedew auf die "Liste der Goldenen 100" gesetzt.

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