TU ehrte Holocaust-Leugner

17. Dezember 2009, 17:34
533 Postings

Festakt für Walter Lüftl - Zinggl:"Ungeheuerlichkeit"

Wien - Der 11. Dezember war für Walter Lüftl ein ehrenvoller Tag: Der Baurat h.c. erhielt im Festsaal der Technischen Universität Wien zusammen mit fünf weiteren Alumni das Goldene Ingenieurdiplom verliehen. Das TU-Orchester spielte auf, als Laudator fungierte Studiendekan Andreas Kolbitsch.

Walter Lüftl ist kein Unbekannter: In seiner Expertise Holocaust - Glaube und Fakten stellte er fest, dass der Massenmord mit Zyklon B, in den Gaskammern des KZ Auschwitz verwendet, "nicht stattgefunden" haben könnte: "Dagegen sprechen ebenso die Naturgesetze wie das Fehlen der technischen und organisatorischen Voraussetzungen." Zudem hätten die Krematorien "die Menge der Opfer nicht bewältigen" können.

Im März 1992, nach Bekanntwerden des Gutachtens, hob ein Sturm der Entrüstung an. Lüftl trat als Präsident der Ingenieurskammer zurück. Das Verfahren wegen Verdacht auf Wiederbetätigung wurde aber eingestellt. Wolfgang Neugebauer, Leiter des Dokumentationsarchivs, schrieb empört an den damaligen Justizminister Nikolaus Michalek: "Dass die Leugnung der Vergasung von Menschen in NS-Konzentrationslagern objektiv den Tatbestand im Sinne des Verbotsgesetzes bildet, brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen."

Die Erneuerung des Ingenieurdiploms an Lüftl findet Neugebauer daher "nicht in Ordnung" . Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, spricht von "einer Ungeheuerlichkeit und einer Unappetitlichkeit der ganz speziellen Art" , denn Lüftl sei "ein besonders perfider Holocaust-Leugner" , der mit vermeintlich wissenschaftlichen Mitteln argumentiere. Und in der Architektenschaft ist man entsetzt.

TU-Rektor Peter Skalicky meint, er habe keine Veranlassung gesehen, Walter Lüftl das Goldene Diplom nicht zu verleihen:"Wir haben extra nachgefragt. Die Fakultät hat die Verleihung befürwortet."

Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der IKG, bleibt ob dieser Aussage "die Luft weg" : "Wir sind bestürzt. Das Gutachten gilt als Bibel der Revisionisten. Die Verleihung ist symptomatisch für die leider noch immer nicht erfolgte Aufarbeitung der NS-Geschichte."
(Thomas Trenkler/DER STANDARD-Printausgabe, 18. Dezember 2009)

Share if you care.