Rail Cargo liebäugelt mit Finanzpartner

17. Dezember 2009, 17:27
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Viertelanteil soll an Infrastrukturfonds gehen – Bures verweist auf Aufsichtsrat

Wien - Die ÖBB-Güterverkehrssparte Rail Cargo Austria (RCA) wünscht sich den Einstieg eines Infrastrukturfonds mit 25 Prozent. Die Kapitalmarktfähigkeit will das Unternehmen in drei bis fünf Jahren erreicht haben. Eine von der ÖVP ins Spiel gebrachte Totalprivatisierung kann sich RCA-Chef Friedrich Macher hingegen nicht vorstellen. "Niemand würde die RCA zu dem Preis kaufen, den sie wert ist. Dafür hat derzeit niemand Geld" , sagte Macher. Er beziffert den Kaufpreis für die komplette RCA mit rund drei Mrd. Euro.

Soll die RCA allerdings die Vorgaben von Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) erfüllen und Wachstum aus eigener Kraft schaffen, müsse zusätzliches Kapital von außen kommen. Ein Einstieg mit 25 Prozent würde laut Machers Rechnung rund 300 Mio. Euro in die Kassa spülen.

Heuer rechnet die RCA mit einem Umsatz von rund zwei Mrd. Euro; in zwei bis drei Jahren will Macher dann etwa 200 Mio. Euro Gewinn machen. Derzeit fährt die RCA noch einen Verlust von rund 100 Mio. Euro ein. Da heuer kaum neue Rückstellungen für Derivatgeschäfte (CDO) notwendig sind, sollte sich wenigstens das Vorsteuerergebnis (EBT) um 169,8 auf minus 132 Mio. Euro verbessern - der Standard berichtete.

Im Verkehrsministerium verwies man betreffend Machers Vorstoß auf ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker. Dieser meinte, dass die Kapitalmarktfähigkeit das Ziel sein müsse, das werde sich aber in dieser Legislaturperiode nicht mehr ausgehen. Was geschehen soll, wenn das Unternehmen börsenfit ist, sei die Entscheidung des Eigentümers, sprich der nächsten Regierung.

Rückgang im Transportvolumen

In Zentraleuropa wird heuer ein Rückgang im Transportvolumen von 20 Prozent erwartet, der mittel- und langfristige Ausblick ist unklar, geht aus einer Studie des Beraters A.T.Kearney hervor. 2011/2012 will Macher wieder den Umsatz des Jahres 2008 erreichen, für die Deutsche Bahn erwartet A.T.Kearney dies für 2013. Schwieriger schaut es bei der Kostenreduktion aus. Hier seien insbesondere Staatsbetriebe wie die RCA benachteiligt, weil sie auch politische Interessen berücksichtigen müssten, sagen die Berater. Macher verwies darauf, dass bis Jahresende die vieldiskutierte Produktionsgesellschaft unter Dach und Fach sein soll, was ein erhebliches Einsparungspotenzial biete.

Lob für die RCA gibt es von A.T.Kearney für den Kauf der ungarischen Güterbahn MAV Cargo, obwohl dieser möglicherweise überteuert erfolgt sei. Die Synergien würden diese Mehrzahlung wieder wettmachen und die RCA habe es besser geschafft als ihre Mitbewerber, die Firma rasch und erfolgreich in den Konzern zu integrieren. A.T.Kearney sieht am Ende des Tages zwei bis drei große Bahngüterbeförderer in Europa: Die Deutsche Bahn, die französische SNCF und möglicherweise die RCA. Macher hingegen glaubt, in einigen Jahren die Nummer zwei im europäischen Güterverkehr sein zu können. (APA, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.12.2009)

 

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