Die erdähnlichste Supererde bisher

  • Die neu entdeckte Supererde auf dem Weg um ihre Sonne, gerade 42 Lichtjahre von der Erde entfernt (Illustration).
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    illustration: david a. aguilar, cfa

    Die neu entdeckte Supererde auf dem Weg um ihre Sonne, gerade 42 Lichtjahre von der Erde entfernt (Illustration).

Ein internationales Astronomenteam entdeckte den zweiten erdähnlichen Exoplaneten - doch die extremen Bedingungen auf GJ 214b machen Leben dort eher unwahrscheinlich

London - Laut "exoplanet.eu" hält die Astronomie bei mittlerweile 415 bekannten Exoplaneten. Doch praktisch wöchentlich kommen neu entdeckte Planeten außerhalb unseres Sonnensystems dazu. Der jüngste Neuzugang ist freilich ein ganz besonderer: GJ 214b ist der zweite bekannte erdähnliche Himmelskörper, der eine Sonne umkreist, weshalb er auch als "Supererde" bezeichnet wird.

Doch um gleich vorweg mögliche Hoffnungen zu bremsen: Die Entdecker von GJ 214b halten es für unwahrscheinlich, dass man auf GJ 214b Leben finden könnte. Dazu geht es auf der "Supererde" womöglich doch zu unwirtlich zu.

Nach Berechnungen der Astronomen um David Charbonneau von der Universität Harvard dürfte die Oberflächentemperatur von GJ 214b nämlich bei durchschnittlich rund 200 Grad Celsius liegen; die Atmosphäre ist mit 200 Kilometern viel dicker als jene der Erde und erzeugt einen Druck, der 20.000 Mal höher sei als "bei uns".

Dennoch ist GJ 1214b "kleiner, kälter und erdähnlicher als jeder andere bekannte Exoplanet", sagt der Astronomiestudent Zachory Berta, der als Erster auf die Existenz von GJ 1214b hingewiesen hatte. Seine Entdeckung wurde dadurch möglich, weil sich seine Sonne - ein "Roter Zwerg" in 42 Lichtjahren Entfernung - alle 38 Stunden für 52 Minuten lang ganz minimal verdunkelt, wie die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Nature" erläutern.

Das internationale Astronomenteam, dem auch Forscher aus einigen europäischen Ländern angehören, hat zudem ermittelt, dass GJ 214b zu drei Vierteln aus Wasser und Eis bestehen dürfte. Weil aber der Druck in seiner Atmosphäre so hoch sei, komme das Wasser teilweise in kristalliner Form vor.

Die Atmosphäre von GJ 1214b wiederum bestehe aus Wasserstoff und Helium, so Erstautor David Charbonneau, der außerdem betonte, dass GJ 214b die erste Super-Erde mit einer nachgewiesenen Atmosphäre ist.

Bisher war mit Corot-7b nur ein Exoplanet bekannt, der in puncto Größe der Erde ähnelte. Der Radius von Corot-7b beträgt das 1,7-Fache des Erdradius. Mit geschätzten 1700 Grad ist es dort aber viel heißer als auf GJ 1214b mit Temperaturen zwischen 120 und 280 Grad. Dennoch sei es auch auf GJ 1214b zu heiß, um dort Lebewesen anzutreffen wie wir sie kennen, so die Forscher resümierend. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. Dezember 2009)

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