Giftmüllskandal

Anwalt und Ölfirma einigen sich

17. Dezember 2009, 15:31

"Keine schweren Gesundheitsschäden" durch Giftmüll - 31.000 Opfer sollen Entschädigungen erhalten

Demnächst sollen 31.000 Opfer des Giftmüllskandals in Cote D´Ivoire (Elfenbeinküste) Entschädigungen erhalten. Der Ölkonzern Trafigura, der im September 2006 eine lokale Firma beauftragte, rund 500 Tonnen Giftmüll zu entsorgen, hat zugestimmt, jedem Opfer 750.000 CFA-Francs (knapp 1150 Euro) zu bezahlen.

Insgesamt hunderttausend Menschen hatten sich im Herbst 2006 in ärztliche Behandlung begeben, weil sie durch die illegal in der Hauptstadt Abidjan abgeladenen Abfälle erkrankten. Laut einem UNO-Bericht starben 15 Menschen.

"Grippeartige Symptome"

Doch in einer Presseerklärung des Ölkonzerns, der weiter seine Unschuld beteuert, ist nun zu lesen, dass die Anwälte der Geschädigten eingesehen hätten, dass der Giftmüll "schlimmstenfalls grippeartige Symptome" auslösen hätte können. Von den zuvor gemeldeten Fehlgeburten und Todesfällen ist keine Rede mehr.

"Das war ein Bestandteil der Vereinbarung mit Trafigura", berichtet Martyn Day, Gründer der auf Schadenersatzklagen spezialisierten Londoner Anwaltskanzlei Leigh Day & Co, im Gespräch mit derStandard.at, "die für Rechtsstreitigkeiten dieser Größenordnung äußerst rasche Einigung war nur unter Zugeständnissen möglich." Der Anwalt betont, dass die schnelle Lösung auch im Interesse der Kläger gelegen sei. Schließlich sei es schwer zu beweisen, wodurch langfristige Gesundheitsprobleme ausgelöst wurden, und die im UN-Bericht erwähnten Todesfälle seien nicht eindeutig belegbar.

Die Entschädigungsgelder liegen derzeit auf einem Konto in Abidjan. Die Auszahlung könnte laut Day beginnen, sobald ein ivorisches Gericht über einen Einspruch entschieden hat, wegen dessen das Konto derzeit gesperrt ist. Day wirft dem Kläger Claude Gohorou vor, "den Opfern ihr Geld stehlen zu wollen". Eine Entscheidung soll fallen, sobald das derzeit streikende Gericht seine Arbeit wieder aufgenommen hat.

BBC entfernt Bericht über Giftmüllskandal

Trafigura versucht, mit Verleumdungsklagen die Berichterstattung über den Giftmüllskandal zu unterbinden (derStandard.at berichtete). Private Medien haben in der Vergangenheit mehrmals dem Druck nachgegeben und auf die Veröffentlichung von Meldungen über die Affäre verzichtet.
Nun haben es die Trafigura -Anwälte geschafft, auch die staatliche BBC zu beeinflussen: ein im Mai ausgestrahlter Fernsehbericht über die illegale Entsorgung von 500 Tonnen Giftmüll ist seit dem Wochenende nicht mehr auf der Webseite des Sender zu finden. Die Suchmaschine Google zeigt bislang noch eine gecachte Version an.

Quelle: Youtube

In dem BBC-Beitrag war der Export von gesundheitschädlichen Chemikalien nach Afrika als "größter Giftmüllskandal des 21. Jahrhunderts" bezeichnet worden. Mittlerweile hat sich der Sender für den Bericht entschuldigt, um Gerichtskosten in der Höhe von drei Millionen Pfund (3.3 Millione Euro) zu vermeiden.  (bed/derStandard.at, 17.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 45
1 2
Ingen Ting
00
20.2.2011, 10:01

Abgesehen von anderen Unappetitlichkeiten ist nicht vielleicht auch zu befürchten, dass der "lokale Éntsorger" mangels entsprechender Möglichkeiten den ganzen Mist nur ins Meer befördert hat, wo man es halt nicht so sieht?

HENOK
00
20.12.2009, 02:34
Nennt sich ja nur GIFT-MUEHL!

"Keine schweren Gesundheitsschäden"

Naja dann ist es eben leicht Muehl...oder wie wird es jetzt genannt?

Was denken sich einige....

Matthias Fuchs
 
01
19.12.2009, 18:23

Verbrecher!

Nur um sich 500.000 Euro zu ersparen gefährden die das Leben vieler Menschen und sind wahrscheinlich auch am Tod einiger verantwortlich. Diese besch. Mörder gehören eingesperrt.

lucifer, sohn der morgendämmerung
 
01
20.12.2009, 19:22

du sagst es - es ging um geld!!
aber... wundert dich das wirklich?
wir leben in einer welt wo geld nun mal die maxime aller entscheidungen ist (oder sein "soll"), besonders wenn du die leute, die du da ev. vergiftest, nicht kennst...

genau solche dinge passieren jeden einzelnen tag.

überall

anticapitalism now!

Matthias Fuchs
 
01
20.12.2009, 20:20

Nein, wundern tut mich das überhaupt nicht, ich finde es halt immer wieder aufs Neue abstoßend.

Martin Demmelbauer
01
19.12.2009, 10:39
Abidjan ist nicht mehr die offizielle Haupstadt

Die Hauptstadt ist Yamoussoukro.
Abijian war es früher beinhaltet aber den Regierungssitz.

Mad_Professor
00
19.12.2009, 18:22
Erst seit 1983,

da muss man sich noch dran gewöhnen... ;-)

Dreesch, ka ne se dasee kawum!
00
18.12.2009, 21:40
guter kommentar zur bbc-entscheidung

http://blogs.journalism.co.uk/editors/2... ournalism/

Mann40
01
18.12.2009, 16:13

1150 Euro pro Person?

das ist ja ein Witzbetrag für solche Auswirkungen, und die Anwälte sind gewissenlos.

popokatepetl
02
18.12.2009, 15:59
Die Aufräumarbeiten sollen sie auch gleich bezahlen die Schweine!

Und dass sich die BBC so in sBoxhorn jagen lässt ist jämmerlich. geradezu OBSZÖN jämmerlich!

Mathias
 
11
18.12.2009, 12:18
es braucht unbedingt die Herrschaft...

... des Club of Rome ... für eine gerechtere Welt ...

Flat Decider™
03
18.12.2009, 11:47
... und der nächste.

"Times" entfernt Trafigura-kritischen Artikel:

http://www.wikileaks.org/wiki/Remo... 8_Jul_2009

Dreesch, ka ne se dasee kawum!
00
18.12.2009, 21:47
danke!

mittlerweile ist eine entschuldigung online:

http://www.timesonline.co.uk/tol/news/... 822320.ece

"We are happy to put the record straight."

yes2bertl
00
18.12.2009, 10:57
http://www.trafigura.com/our_news/... EIVo0UHNFe

Auszug aus:
http://www.trafigura.com/PDF/2009.... nCourt.pdf

"Solicitor for the Defendant (David Attfield, BBC Litigation Department)
My Lord, on behalf of the BBC I accept everything my friend has said. The BBC withdraws
the allegation that deaths, miscarriages or serious or long-term injuries were caused by the
waste and apologises to Trafigura for having claimed otherwise.
The BBC hopes that by the joining in the making of this statement it will assist in setting the
record straight.
Solicitor-Advocate for the Claimant
My Lord, it only remains for me to request leave that the record be withdrawn.
17 December 2009"

Unglaublich!

A ndreas Bogeschdorfer
09
18.12.2009, 09:46
Brecht die Macht der Öl-. Gas-, Kohle-, Atom-, und Stromkonzerne.

Rohstoffe d weltweit gebraucht werden, aber nur in wenigen Weltregionen zu finden sind, fördern Abhängigkeiten.

Da Energie d Herz-Kreislaufsystem jeder Gesellschaft darstellt, zwingen diese Rohstoffe, sämtliche Wirtschaftsprozesse, sich ihren Strukturen anzupassen.

Da d Förderung, Verarbeitung u Verteilung dieser geologischen Rohstoffe technisch kompliziert u kostenaufwändig ist, können nur kapitalkräftige Unternehmen diese Aufgabe leisten. Wenn sie ihre Produkte auf d Markt bringen, ziehen sie neue Kapitalmacht an sich, immer mehr u mehr.

Der Konzentrationsprozess u d Auswüchse d Globalisierung sind energetisch erzwungen u können auch nur so beendet werden. Für Dezentralisierung durch Erneuerbare ist es höchste Zeit.

yes2bertl
01
18.12.2009, 09:04
http://www.heise.de/tp/r4/art... 379/1.html

Weltherrschaft der Konzerne.
Parlamente dienen als Aufputz.

yes2bertl
00
18.12.2009, 08:39
http://www.reuters.com/article/i... 8R20090917

Äh, das ist ein riesiger Konzern.
In ~15 Jahren 3.größter privater Ölhändler!

Eigentum muss in die Pflicht genommen werden, Anteilseigner bis zur vollen Höhe des angerichteten Schadens haften. Hier und überall!

Student der Magie
09
18.12.2009, 01:19
ich frage mich,

wenn man schon BBC und andere Medien so unter Druck setzen kann, dass die ihre Berichte löschen, sich dafür entschuldigen oder sie erst gar nicht bringen, wie sie erst ein paar krankgemachte Afrikaner oder Menschen allgemein unter Druck setzen und verängstigen um diese mit einer lächerlichen Summe abspeisen zu können?

Auch wenn diese Geschichte hier in einem ziemlich gleichgültigen Ton abgedruckt ist, zeigt sie doch ganz deutlich, wie skrupelos manche menschlichen(?) Individuen sein können und wie kaputt manches auf "unserer" Welt schon ist.
Es ist unfassbar wie grauslich man mit Menschen umgehen kann, und da ist das hier ja leider nur eine von vielen Spitzen und Eisbergen;(
(Folter, Krieg,...)

Man schämt sich fast Mensch zu sein;(

kdalaryd
00
17.12.2009, 23:40

wenn es weder das gute noch das böse per se gibt müssen wir zumindest an das gute glauben, auch wenn das noch so schwer fällt angesichts dieser mit einer beschämenden gleichgültigkeit vorgetragenen nachrichten. ich hoffe dem (ab)schreiberling hat es wenigstens den magen umgedreht. sie machen ja nur ihre arbeit...

Malkaye
011
18.12.2009, 01:09
sie tuen dem standard unrecht.

hochachtung für diesen artikel und hochachtung für den verweis auf den eingeknickten riesen BBC.

natürlich wünscht man sich, dass so etwas wütender angeprangert wird. aber damit der standard auch noch morgen so etwas schreiben kann, sollte er - wie hier - einfach informieren.
für die wut und das feuer sind wir zuständig. ob mit überzeugungs- und informationsarbeit bei bekannten, oder rechtfertigung bzw. partizipation von/an demonstrationen, die aus dem rahmen dieses systems springen.

soziale revolten, black block, linke regierungen in lateinamerika, alternative medien, gute bildung und harte streiks - das ist der weg raus aus der misere!

lucifer, sohn der morgendämmerung
 
01
20.12.2009, 19:35

kann dir nur recht geben...

ABER (musste ja kommen ;) ):
wenn so viele leute unzufrieden sind,

WO IST DANN DAS FEUER??

es reicht nicht, für sich selbst zu sagen "das ist nicht in ordnung".
geht auf die straße leute!
tut was!

:) das wars auch schon

pez derflotte
06
17.12.2009, 22:57
dabei

ist die BBC wegen ihres stiftungsvermögens noch relativ schwer unter druck zu setzen.
man kann sich denken, was andere medien alles verschweigen. von wegen pressefreiheit...

Bertel Mann
00
17.12.2009, 21:31
WIe gut, dass die Bloßfüssigen Einsicht gezeigt haben

Wirklich unverschämt, was die sich erlaubt haben...

John Coltrane is not dead
00
18.12.2009, 17:28
...bloßfüssigen....

mit bloßen Einsicht....unrückbär dieser Widerkäuer...(damit meinte ich afrikanisch-euräpischer Zeitgeist: warum ich überfordert bin-ich war in afrika...)

papst benedikt
01
17.12.2009, 21:10

jaja, die freien medien...

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