Musikrundschau, der Rest vorm Fest

17. Dezember 2009, 17:06
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Neue Alben von Kyp Malone alias Rain Machine, Tom Waits und Seasick Steve

RAIN MACHINE
(Anti/Edel)
Hinter Rain Machine steckt der von der New Yorker Formation TV on the Radio her bekannte Kyp Malone. Sein Solodebüt prägt einerseits seine bekannte Falsettstimme, andererseits legere, löchrige Kompositionen, die er mit Schepper-Rhythmen versieht. Angesiedelt sind seine Songs meist am Terrain des Neo-Folks, ein Stück wie Hold You Holy stünde aber auch seiner Stammband gut an. Der Großteil hier besitzt jedoch Skizzencharakter, und gegen Ende hin zerbröselt das Album dann leider ins Ätherische. Für bedingungslose Fans und Komplettisten.

TOM WAITS
Glitter and Doom - Live

(Anti/Edel)
Der große Illusionist Tom Waits mit seinem zweiten Live-Album heuer. Im Frühjahr erschien mit Romeo Bleeding ein älterer Live-Mitschnitt eines Konzerts in Austin, Texas, für das Weihnachtsgeschäft bringt er sich mit Glitter and Doom in Stellung. Nach der letzten, üppigen Dreifach-CD Orphans ..., die nun auch als Vinyl-Boxset aufgelegt wurde, schwächelt diese Doppel-CD jedoch beträchtlich. Das mag an den atmosphärischen Defiziten liegen, die den meisten Live-Dokumenten eigen ist. Gerade bei Waits, dessen Shows von seinem expressionistischen Bühnengebaren bis hin zur verkniffenen Mimik geprägt ist, bleibt hier einiges auf der Strecke. Zwar versucht er genau das auf der zweiten CD auszugleichen, auf der er lediglich Zwischenansagen und Storys zusammengestellt hat, die er bei seinen Auftritten eingestreut hat, gleichzeitig illustrieren sie das Unvermögen, ein Tom-Waits-Live-Erlebnis gesamtheitlich zu konservieren. Schade, aber toll!

SEASICK STEVE
Man From Another Time

(Atlantic/Warner)
Auf seinem letzten Album, herrlich I Started Out With Nothin' And I Still Got Most Of It Left betitelt, erfuhr Seasick Steve Unterstützung von Grinderman, dem Blues-Nebenprojekt von Nick Cave. Cave und Co sind auf dem nun erschienenen Man From Another Time zwar nicht mit dabei, Seasick Steve, geboren zirka 1941, spielt aber auch so einen harten und gegen den Strich gebürsteten Blues. Der Mann, der Janis Joplin ebenso kannte wie Kurt Cobain, erfreut sich nach einem Herzinfarkt an einer späten Karriere, die ihn zum Festivaldauergast gemacht hat - natürlich nicht in Österreich. Wir müssen uns mit seinen CDs begnügen, für Neueinsteiger ist Man From Another Time bestens geeignet, wer SSS bereits kennt, ist ohnehin schon überzeugt. (flu/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2009)

 

  • Löchriger Folk von Kyp Malone alias Rain Machine
    foto: anti

    Löchriger Folk von Kyp Malone alias Rain Machine

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