"Wir bleiben dran"

Stadt Wien veröffentlicht Studie über Open-Source am Desktop

Markus Sulzbacher, 17. Dezember 2009, 11:48
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    foto: apa

"Notwendigkeit einer längerfristigen Koexistenz von MS-Windows und Linux"

Seit einigen Jahren setzt die Stadt Wien Linux auch am Desktop ein. Seit 2005 wird das eigens entwickelte Wienux eingesetzt. Das Projekt hatte Vorzeigecharakter und sorgte für weltweite Schlagzeilen. 

Umstellung 2008

Im Sommer 2008 wurde allerdings beschlossen, zahlreiche der auf Linux umgestellten Computer wieder mit Microsoft-Lizenzen auszustatten. Grund dafür ist der Einsatz einer Software zur Sprachbeobachtung in den Kindergärten, die nur mit dem Internet Explorer von Microsoft genutzt werden könne. Anfang Dezember beschloss der Gemeinderat, dass man weiter auf Microsoft Office setzt und "für die nächsten drei Jahre Lizenzen" erwerben werde. Die Kosten dafür liegen bei rund einer Million Euro -der WebStandard berichtete.

Open Source Software am Arbeitsplatz im Magistrat Wien

Am Donnerstag wurde nun die Studie "Open Source Software am Arbeitsplatz im Magistrat Wien" veröffentlicht. Das Papier stammt aus dem Jahr 2007 - ein Gemeinderatsbeschluss sorgte 2009 für die Herausgabe. Laut der Studie hat die „technische Untersuchung hat gezeigt, dass auf Linux und OpenOffice.org basierende PC-Arbeitsplätze sich grundsätzlich in die Systemlandschaft des Magistrats der Stadt Wien integrieren lassen." Allerdings werden auf mehr „als der Hälfte der PC-Arbeitsplätze Software-Produkte verwendet, für die keine unter Linux lauffähigen Alternativen ohne Umstellungsaufwand verfügbar sind." Daraus ergibt sich die weitere „Notwendigkeit einer längerfristigen Koexistenz von MS-Windows und Linux", so die Studie. 

"Wir bleiben dran"

Auf Nachfrage, warum Stadt Wien Wienux entwickelte, obwohl es Probleme mit Software gab, meinte Pressesprecherin Vera Layr, dass der Stadt „Unabhängigkeit" wichtig sei und man „gute Erfahrungen mit Open-Source" im Serverbereich gesammelt habe.
Die Mitarbeiter der Verwaltung können allerdings weiterhin Wienux oder Openoffice nutzen - wenn sie das wollen. "Wir bleiben dran", so Layr. (sum)

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Posting 1 bis 25 von 69
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Rene Obermeyer
10
23.12.2009, 04:58
Das ist das beste was uns passieren konnte

So schnell wie die Leute im öffentlichen Dienst arbeiten kann es nur gut für uns sein, wenn es in WIen kein Linux gibt, so viel billiger kann das gar nicht kommen als die verlorene Arbeitszeit unserer motivierten Mitmenschen.

Harbachoed
00
23.12.2009, 10:29

rene, fasching kommt erst. trotzdem danke für das späßchen zwischendurch.

van Korff
03
18.12.2009, 23:40
Vorschlag

Gebt's mir 800.000€ statt der Million an MS und ich schreib' Euch die Kindergartensoftware so, dass sie auf jedem Browser läuft.

Jerry Garcia
 
01
26.12.2009, 11:22
500.000 sind da ach schon fürstlich

mehralsptimistisch
 
01
18.12.2009, 10:14
Wienux... warum eigentlich?

Warum nimmt man nicht einen Standard-Distribution wie z.B. Ubuntu/CentOS/Suse/Mandriva/Fedora? Die "notwendigen" Änderungen kann man sicher mit einem Post-Install-Script einpflegen... was wird man da schon groß brauchen? Ein Wien-Logo im Boot-Splash lässt sich damit auch ohne weiteres realisieren ;-) Updates und ähnliches können mit einem Stagingsystem abgesichert werden (was auch bei Windows durchaus ratsam wäre), und wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, gibt's auch genung OutOfTheBox-Lösungen für Netboot-ClientRollout/Recovery-Szenarien.

Ich arbeite seit Jahren mit Linux im professionellem Umfeld, aber der Wahnsinn eines "eigenen" Linux ist mir noch nie untergekommen. Das ist, als würde man sich seine Dienstautos selbst bauen...

Dust von Dust
00
wienux ist angepasstes debian

genauso wie in münchen.

bei einer derart grossen installationen mit zigtausend desktops, macht es sinn sich das ganze herzurichten wie man es braucht. die leute die bis runter zum source code steigen können brauchst sowieso, spezialisten für alles mögliche ebenso.

der grosse vorteil ist die unabhängigkeit und totale kontrolle über das ganze system, welche programme, in welchen versionen mit welchen einstellungen usw. du verwenden willst. das völlig egal ob du fertige pakete verwendest oder selbst kompilierst. eine fertige distribution derart umfassend anzupassen ist mehr arbeit als es systematisch gleich selbst zu machen.

derbesn
 
01
19.12.2009, 20:53

Das hab ich ja auch von Anfang an nicht verstanden. Warum nicht einfach ein Debian-stable oder Ubuntu mit LTS hernehmen, und für das was man anders ham will ein Paket bauen.

Aber ich glaub das hat (wie so oft) politische Gründe. Da will irgentwer ned umlernen weil er Angst vor was neuen hat oder eh in $num Jahren in Pension geht und solange wird von solchen Leuten an Schlüsselstellen blockiert.

Georg-99
01
19.12.2009, 14:18

So wie das ganze aufgezogen wurde besteht der dringende Verdacht man wollte scheitern, mit einem modernen Ubuntu wäre das vielleicht schief gelaufen!!

Mit einer uralt Distribution, wo in der Softwareauswahl z.B. immer noch Firefox in **Version 1.0.4** enthalten ist, ist man da auf Nummer Sicher gegangen...

Wenn da nicht wirklich irgend welche sogenannten Vollhirnis am Werk waren, dann kann ich mir das nicht anders erklären.

werwolfi
00

"Wenn da nicht wirklich irgend welche sogenannten Vollhirnis am Werk waren"

naja, ich fürchte fast... ;o)

Aurvandill der Erste
00
18.12.2009, 10:33
Wäre doch UnCool!


Aurvandill der Erste
63
18.12.2009, 09:50
Fürchtet Euch nicht!

Denn: 2010 ist ganz bestimmt das Jahr des Desktop-Linux ....aber dann gehts los!

Matt Canalegrande
22
18.12.2009, 14:49
Dummheit währt am längsten

Aurvandill der Erste
21
18.12.2009, 20:34
Ätsch!

Ich hab 2 GRÜNE!

werwolfi
09
18.12.2009, 07:13

"Allerdings werden auf mehr „als der Hälfte der PC-Arbeitsplätze Software-Produkte verwendet, für die keine unter Linux lauffähigen Alternativen ohne Umstellungsaufwand verfügbar sind."

der schlüsselbegriff ist hier "ohne umstellungsaufwand" - was zum geier haben die denn geglaubt??

ein bissl muss man in eine umstellung schon investieren.

eine million für neue MS-lizenzen war ja offenbar ohne allzu große turnübungen da. und die müssen in wenigen jahren auch wieder erneuert werden...

bdbrot
 
03
22.12.2009, 19:08

Die eine Million zahlt letztlich der Steuerzahler und kostet die Verantwortlichen keine Mühe. Für die Umstellung müsste man sich ja bewegen.

Zudem vermute ich Zugeständnisse von Microsoft an die Verantwortlichen (Vergünstigte Privatlizenzen, kostenlose updates, vielleicht ein zertifizierter MS-Lehrgang für den Nachwuchs, ...) Es gibt viele Möglichkeiten.

werwolfi
00
22.12.2009, 20:48

du vermutest vermutlich zurecht ;o)

ohne diese ganzen "marketing"-maßnahmen, die mutmaßlich auch schon mal im graubereich liegen dürften, was den korrekten ablauf von ausschreibungsverfahren betrifft (*dafür* wäre der begriff "virales marketing" eigentlich besser geeignet gewesen ;o) allerdings sind MS da auch nicht die einzigen...) wäre es um Win IMO im office-bereich schon nicht mehr so rosig bestellt.

Klaus1988
03
18.12.2009, 09:48

signed, ganz ohne portierung wird man selbstverständlich nicht auskommen, allerdings ist dies ein einmalaufwand.
Außerdem gibts ja noch immer wine das immer besser wird. ich verstehe ja nicht einmal warum man die kindergarten-rechner wieder auf win rückportiert hat, IE 6 & 7 gibts mittels wine-tricks auch unter wine, funktionieren wunderbar, nur der 7er hat einen schwarzen fleck auf der toolbar (oooohhh, wir werden alle sterben)

cheers,
Klaus

werwolfi
02
18.12.2009, 16:27

das mit dem einmalaufwand ist exakt das, was die MS-adepten nicht kapieren (wollen).

es geht aber in letzter konsequenz gar nicht ums geld (gute lösungen sind nunmal nicht völlig gratis), sondern um die wahlfreiheit.

"Free software is a matter of liberty, not price. To understand the concept, you should think of free as in free speech, not as in free beer."

( http://www.gnu.org/philosoph... ee-sw.html )

wenn ich nämlich open source habe und ein anbieter zwiebelt mich, such ich mir einen anderen oder mach es selbst.

wenn ich bei einem (de facto monopolistischen) anbieter dagegen voll im "lock-in" sitze, kann der im prinzip die bedingungen diktieren.

Moblin
04
18.12.2009, 06:19

Das Projekt war ja auch zum scheitern verurteilt. Warum setzte man auf das 6 Jahre veraltete KDE Desktop 3.3.2? Natürlich klapt das ja nicht so wirklich. Linux entwickelt sich seit einigen Jahren rasend schnell. Wer von euch hat das letzte mal sich Linux vor 6 Jahren angeschaut? Wer sich das heute nochmals anschauen würde, müsste merken, dass so ein KDE 3.3 ausschaut höchstens wie ein Win98, wogegen das momentane KDE 4.3.4 sich mit Windows 7 locker messen kann!

Njörd
12
18.12.2009, 04:13
Den Wienern fehlt die Gründlichkeit der Münchner.

In Wien macht man nur halbe Sachen.
Statt die Dinge anzupacken, ließen sich offensichtlich Politiker aus Wien von Microsoft bezahlen, um Linux im Stadt- und Schulbereich zu verhindern.
Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass ein Schüssel auch Linus Torvalds eingeladen hat.
Irgendeinen Grund wird es schon gehabt haben, warum Bill Gates und Schüssel einen Vertrag unterzeichneten, der Linux quasi aus dem Stadt- und Schulbereich verbannte. Manche sind vermutlich bestechlich. Italien ist nich so weit weg. Zudem haben die Wiener die einmalige Chance vertan, mit München zu kooperieren. Vielleicht ist man in 10 bis 20 Jahren dann auch in Wien so weit.

schweinebucht
00
19.1.2010, 18:49

"...Italien ist nich so weit weg...."

Der balkan ist näher!

der neid is a hund
00
19.1.2010, 21:03

explizit, er beginnt hinterm russendenkmal (duck und renn....)

Georg-99
04
18.12.2009, 00:52

An alle Verantwortlichen:

Ihr habt total versagt, bitte lasst es bleiben, und belästigt uns nicht weiter mit euren fadenscheinigen Beschwichtigungen wie "Wir bleiben dran", da wird mir nur schlecht.

Wien wird von der ersten zur letzten Stadt die es schafft auf OpenSource umzusteigen, traurig aber wahr, und am Ende werden dann alle sagen, dass wir die ersten wahren, mir wird schon jetzt übel wenn ich dran denke wie sich einige mit diesen Federn schmücken werden...

derbesn
 
07
18.12.2009, 00:11
Is das so schwer?

Bei dem Hersteller anrufen. Ihm sagen: "Wir stellen um auf Linux, machst mit?" Wenn nein, findet sich sicher ein anderer, der gern einspring und die (heimische) Wirtschaft ist damit auch wieder gefördert.

Mit dem Geld das man da für weitere Jahre Windows-/Officeknechtschaft ausgegeben wurden ist hätte man aber vielleicht auch den Herstellern der Kindergartensprachsoftware oder des Super-Duper-Gemeinde-Verwaltungstool sicher überreden können da eine native Linux oder gleich eine Webanwendung zu basteln und dann könnte heut scho die ganze Geminde-EDV auf Linux laufen.

Bastian Balthasar Bux
02
18.12.2009, 00:30
"Kindergartensprachsoftware"

der witz ist: das IST bereits eine Webanwendung. Zumindest sollte diese im Browser laufen (der Internet Explorer soll ja laut M$ ein Browser sein ... ;) )

und dass man nicht einfach auf openoffice umsteigt, auch auf den windows-kisten ist mir zumindest in der argumentation die derstandard hier transportiert auch schleierhaft. Dass nicht jede Software gleich oob auf linux läuft ist ja klar, aber mit der office-suite hätte man mal einen ordentlichen schritt in die richtige richtung gemacht. ein office mischmasch in einem heterogenen netzwerk - na danke, sysadmin möcht ich da nicht sein!

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