UN-Diplomat wollte Karzai zum Rücktritt zwingen

17. Dezember 2009, 10:24
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Geschasster Vize-Missionschef Galbraith wollte bei Obama und Biden Stimmung für Umsturz machen

Die Debatte um Korruption im Umfeld des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai wurde heute um eine weitere Facette reicher. Richard Galbraith (siehe Interview "Karzai hat die Wahl gestohlen" auf derStandard.at vom 3.11.2009), Nummer zwei der UNO in Kabul, soll nach der umstrittenen Wahl vom Oktober versucht haben, Karzai zum Rücktritt zu zwingen. Ein Disput mit seinem Vorgesetzten darüber habe kurz darauf zu seiner Entlassung geführt.

Laut eines Berichts der US-Tageszeitung New York Times wollte Galbraith mithilfe von US-Präsident Barack Obama den früheren afghanischen Finanzminister Ashraf Ghani oder den ehemaligen Innenminister Ali A. Jalali anstelle Karzais installieren. Das Blatt erfuhr das von Kai Eide, dem indes zurückgetretenen UN-Missionschef in Kabul und Galbraith' Chef.

Eide, ein norwegischer Topdiplomat, habe Galbraith geantwortet, ein derartiger Plan verstoße gegen die Verfassung und sei "Einmischung der schlimmsten Sorte". Auch Obamas AfPak-Gesandter Richard Holbrooke stärkt Galbraith nicht den Rücken. Holbrooke sagt im Gespräch mit den NYT, die US-Regierung habe keinerlei derartige Pläne.

Galbraith selbst will keineswegs einen fertigen Plan zum Umsturz Karzais in der Tasche gehabt haben. Er habe nur versucht, Hamid Karzai zum Aufgeben zu überreden und eine Übergangsregierung bis Mai 2010 zu fördern, wie die afghanische Verfassung dies vorsehe. (red)

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    Afghanistans umstrittener Präsident Hamid Karzai

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