Ärzte und Journalisten legen landesweite ihre Arbeit nieder
Athen - In Griechenland haben am Donnerstag nach der Ankündigung eines massiven
Sparprogramms zur Abwendung des Staatsbankrotts landesweite Streiks der Ärzte
und der Journalisten begonnen. In Krankenhäusern wurden alle Sprechstunden
abgesagt. Nur dringende Fälle wurden behandelt. Ab 5.00 Uhr MEZ gab es im Radio
und Fernsehen keine Nachrichten mehr. Der Streik der Journalisten soll um 5.00
Uhr Freitag früh beendet werden.
Als Folge des Streiks wird es am Freitag keine Zeitungen geben. Auch die
nationale Nachrichtenagentur ANA wurde für 24 Stunden bestreikt. Am Vortag
hatten bereits die Lehrer gestreikt. Sie legten auch am Donnerstag die Arbeit
für drei Stunden nieder. Die Streiks richten sich gegen die Sparpolitik der
sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Giorgios Papandreou und gegen
Pläne, finanziell gesunde Rentenkassen mit defizitären zu fusionieren. Zudem
fordern die Krankenhausärzte und die Lehrer die Anstellung von mehr Personal.
Zu dem landesweiten Streik haben die der kommunistischen Partei und der
radikalen Linken nahe stehenden Gewerkschaften PAME und SYRIZA aufgerufen. Auch
die Lehrergewerkschaft OLME und der Athener Journalistenverband ESIEA schloss
sich an. In den großen griechischen Städten sind mehr als 60 Protestkundgebungen
geplant.
Kreditwürdigkeit reduziert
Am Vorabend hatte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ihr
Kreditrating für Griechenland gesenkt. Die Kreditwürdigkeit des Landes werde von
"A-" auf "BBB+" reduziert, teilte S&P in London mit. Bereits vergangene
Woche hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf
"BBB+" herabgestuft.
Als Antwort auf diesen "neuen Blitzeinschlag", wie die griechische Presse die
Herabstufung charakterisierte, habe der griechische Finanzminister Giorgios
Papakonstantinou in London reagiert: Während eines Treffens mit der Finanzelite
des "City" habe er am späten Mittwoch erklärt, es werde in Griechenland künftig
vier Prozent weniger Lohn für alle Staatsangestellten geben. Zudem plane die
sozialistische Regierung staatliche Unternehmen zu privatisieren. Darunter seien
die Agrarbank und die Postbank, hieß es in einem Bericht der linksliberalen
Zeitung "Eleftherotypia" am Donnerstag. (APA)