ÖVP will im grünen Schutzgebiet bauen

16. Dezember 2009, 20:45
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Rot-schwarzer Grundstücksdeal für neues Hotel - ÖVP gegen Bürgerbefragung

Wien - Den vierspurigen Dauerverkehr auf der Grünbergstraße nimmt man hier nur noch als fernes Rauschen wahr. Trotz unmittelbarer Nähe zum Südosttangenten-Zubringer ist der Springerpark in Wien-Meidling ein recht ruhiger Flecken Grün. Geht es nach der ÖVP, soll sich das allerdings bald ändern. Die politische Akademie der Volkspartei - seit Jahrzehnten im Springer-Schlössl untergebracht - will nämlich ein Hotel bauen. Am liebsten auf den 40.000 Quadratmetern Landschaftsschutzgebiet rund um die schwarze Fortbildungseinrichtung.

Nachbarschaft hat kein Verständnis

Vom ursprünglichen Plan, im vorderen Bereich des Parks eine neue Wohnhausanlage, im hinteren ein Seminarhotel mit 140 Zimmern zu errichten, ist man allerdings bald abgekommen. Dafür zeigte die Nachbarschaft nämlich wenig bis gar kein Verständnis - trotz durchwegs bürgerlicher Gesinnung in der angrenzenden Julius-Raab-Siedlung.

Grundstückstausch

Weil man sich's aber auch im tiefroten Meidling mit der ÖVP nicht gänzlich verscherzen will - den Schwarzen gehört der öffentlich zugängliche Park schließlich - ließ die Bezirksvorstehung einen Alternativvorschlag ausarbeiten. Der sieht einen Grundstückstausch vor. Die politische Akademie soll ihr Hotel auf das Grundstück daneben - die sogenannte Marillenalm - bauen, im Gegenzug geht der Springerpark in den Besitz der Stadt Wien über.

Bürgerinitiative auch gegen Marillenalm

"Das wäre auf jeden Fall das geringere Übel" , sagt Anrainer Alexander Mayr-Harting, Gründer der Bürgerinitiative "Rettet den Springerpark" . Einige Nachbarn sehen das allerdings anders - inzwischen hat sich eine zweite Bürgerinitiative gebildet, die sich auch gegen ein schwarzes Seminarhotel auf der als Kinderspielplatz genutzten Marillenalm ausspricht. Und auch die FPÖ macht gegen das Projekt mobil. "Das ist eine Vorleistung für die nächste rot-schwarze Koalition in Wien" , sagt der blaue Gemeinderat Herbert Madejski, "die SPÖ hat hier die ganze Arbeit für die ÖVP gemacht."

Anrainerbefragung

Auf Bezirksebene haben sich Rot und Schwarz auf eine gemeinsame Stellungnahme zum geplanten Grundstückstausch geeinigt. Darin wird nicht nur festgehalten, dass man sich die Kosten für die Parkpflege weiterhin teilen will, sondern auch, dass es "geboten scheint" , vor der endgültigen Beschlussfassung eine Anrainerbefragung durchzuführen.

Die FPÖ will am Freitag im Gemeinderat einen Antrag auf Befragung einbringen - dem die ÖVP trotz Zusage auf Bezirksebene nicht zustimmen will. "Warum sollten wir?" , sagt Landesgeschäftsführer Norbert Walter, "was kann die Politik dann noch entscheiden, wenn man immer alles noch einmal abfragen muss?" (Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe 17.12.2009)

 

  • Anrainer Alexander Mayr-Harting will den Springerpark retten: "Die Bebauung des Nachbargrundstücks wäre das kleinere Übel."
    foto: standard/christian fischer

    Anrainer Alexander Mayr-Harting will den Springerpark retten: "Die Bebauung des Nachbargrundstücks wäre das kleinere Übel."

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