Berlusconi aus Krankenhaus entlassen

17. Dezember 2009, 20:18
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Öffentliche Termine bis Jahresende abgesagt - Aufenthalt in der Schweiz geplant

Vier Tage nach dem Angriff eines mutmaßlich geistig Verwirrten verließ Italiens Premier Silvio Berlusconi am Donnerstag die Klinik in Mailand. Von der Opposition forderte er "Distanz zu den Gewaltstiftern".

Mailand/Rom – Mit verbundener linker Wange und Nase verließ der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi (73) am Donnerstag in einem Auto die Mailänder Klinik San Raffaele. Er winkte einigen Anhängern und den Journalisten zu, die vor dem Eingang des Krankenhauses auf ihn warteten. Der Premier fuhr zu seiner Villa in Arcore außerhalb Mailands. Vor dem Eingang der Villa wurde ein großes Spruchband mit dem Schriftzug "Willkommen zurück!" ausgerollt. Mehrere TV-Teams warteten auf Berlusconis Rückkehr.

Nach seiner Entlassung veröffentlichte der Premier eine Presseaussendung, in der er für die Genesungswünsche dankte, die er aus aller Welt erhalten habe. "Aus diesen Tagen wird mir der Hass von wenigen und die Liebe von vielen Italienern in Erinnerung bleiben. Allen mache ich dasselbe Versprechen: Wir werden mit mehr Kraft und Entschlossenheit auf dem Weg der Freiheit voranschreiten. Das sind wir unserem Volk und unserer Demokratie schuldig, in der weder die Gewalt der Steine noch die noch schlimmere Gewalt der Worte sich durchsetzen wird", schrieb Berlusconi. Seit dem Angriff habe er mit einigen Oppositionspolitikern telefoniert. "Wenn aus diesem Ereignis ein stärkeres Bewusstsein der Notwendigkeit entstehen wird, mit moderaten und ehrlicheren Tönen in der italienischen Politik weiterzumachen, wird dieser Schmerz nicht sinnlos gewesen sein. Einige Oppositionsvertreter scheinen dies begriffen zu haben. Wenn sie wirklich auf ehrliche Weise zu den Gewaltstiftern auf Distanz gehen werden, kann endlich eine neue Phase des Dialogs beginnen. Jedenfalls werden wir weiterhin den Weg der Reformen beschreiten, den die Italiener fordern" , erklärte der Regierungschef, der in den vergangenen Monaten wegen seiner Sexskandale und Justizprobleme arg unter Druck geraten war.

Operation in der Schweiz

Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa, die sich auf Schweizer Quellen bezog, will sich Berlusconi in den nächsten Tagen in die Tessiner Klinik "Ars Medica" zurückziehen, um sich die Narben nach dem Angriff entfernen zu lassen. Der Ministerpräsident hatte sich bereits 2003 in dieser Klinik im Tessiner Gravesano einigen Schönheitsoperationen unterzogen.

Mindestens bis Jahresende muss Berlusconi auf alle öffentlichen Termine verzichten, darunter eine geplante Pressekonferenz zum Jahresende. Bei dem Angriff am Sonntagabend hatte der Premier einen Nasenbeinbruch erlitten und zwei Zähne verloren. Der 42-jährige Grafiker Massimo T. hatte eine Alabaster-Miniatur des Mailänder Doms auf den Regierungschef geworfen. (APA, red/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2009)

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    Silvio Berlusconi beim Verlassen der Mailänder Klinik San Raffaele. Bei dem Angriff am Sonntagabend hatte er einen Nasenbeinbruch erlitten und zwei Zähne verloren.

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    Regierungschef Silvio Berlusconi mit verbundenem Gesicht bei seiner Entlassung aus dem Spital am Donnerstag.

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