Wiens Westen kann bald baden gehen

16. Dezember 2009, 19:50
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Das Hallenbad Hütteldorf wird wieder eröffnet, aber es fehlen Schwimmhallen, wenn das Stadthallenbad im Mai für länger schließt

Wien - Ab Donnerstag muss Maria Becwar (77) Pensionistin, nicht mehr so lang mit dem Bus fahren. Nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Hütteldorf braucht sie von ihrer Wohnung in Baumgarten nur mehr zehn Minuten bis zum Becken. Bisher fuhr sie sechs Mal in der Woche ins Stadthallenbad, "weil schwimmen is ja gsund" .

Nach einem Brand wurde das Hütteldorfer Bad ab 2005 privat betrieben, 2008 ging es pleite. Die Stadt Wien renovierte es und erneuerte die Technik. Am Donnerstagnachmittag, sperrt es wieder auf. Die Wiener Bäder betreiben dann 38 Schwimmanstalten, davon fünf Hallen- und sieben Kombibäder. Wiens größtes Hallenbad in der Stadthalle untersteht dem Sportamt.

Nicht nur Frau Becwar hatte einen weiten Weg ins Wasser. Eine Million Menschen besucht pro Jahr die Hallenbäder, fast die Hälfte davon sind Schüler: Schwimmen steht am Lehrplan. Susanne LeFevre vom Stadtschulrat freut sich über das neue Bad, aber: "Im Westen gibt es viele Bäder, doch im 22. Bezirk droht ein Super-GAU. Die dortigen neuen Stadtteile, wie die Seestadt Aspern, wurden ganz ohne Bad geplant." Schon jetzt müssten die Schüler der Volksschule Victor-Wittner-Gasse in Wien-Donaustadt fast eine Stunde öffentlich ins nächste Bad fahren.

Auch Martin Kotinsky von den Wiener Bädern räumt ein, dass in Aspern ein Bad fehlt. Bäder sind jedoch kostspielig. In den vergangenen Jahren hat die Stadt alte Wärmepumpen getauscht und Solaranlagen gebaut. Drei Millionen Euro werden so pro Jahr gespart. Am teuersten kommt allerdings das Personal. 500 Menschen arbeiten ständig für die Bäder, 400 sind saisonal im Sommer in den Freibädern beschäftigt. "Das kann man nicht kostendeckend führen" , sagt Kotinsky. Derzeit müssen Erwachsene 4,70 Euro Eintritt zahlen, eine Monatskarte kostet 17,70 Euro.

Eine Bahn neben Frau Becwar zieht David Freitner seine Längen. Vier Mal die Woche trainiert er im Stadthallenbad für den Triathlon. Wenn die Schwimmhalle im Mai wegen Renovierung für eineinhalb Jahre sperrt, verlieren Freitner und Wien das einzige überdachte Becken, das so lang ist wie bei Olympischen Spielen: 50 Meter. Andere Bäder sind für Freitner keine Option. "Dort schwimmen alte Damen, die nicht nass werden wollen."

"Dass Wien nur ein 50-Meter-Becken hat, ist ein Armutszeugnis für die Stadt" , meint Otto Klenner von der Schwimmunion. "Wie es weitergeht, wenn die Stadthalle schließt, wissen wir alle noch nicht." Als Lösung wird überlegt, das Becken im Stadionbad im Winter mit einer Traglufthalle zu überdachen oder im Ferry-Dusika-Stadion ein Becken aufzustellen.

Auch Frau Becwar hat Verständnis für die Sportler: "Die können sonst nirgends hin." Früher, bevor das Hütteldorfer Bad privatisiert wurde, war sie oft dort schwimmen. "Aber Privatbäder kannst dir als Pensionistin nicht leisten."(Tobias Müller, DER STANDARD Printausgabe 17.12.2009)

  • Am Mittwoch wurde im Hütteldorfer Bad noch gearbeitet, ab Donners-tag ist es wieder geöffnet. Dank Renovierung braucht es künftig weniger Wasser und Energie
    foto: standard/robert newald

    Am Mittwoch wurde im Hütteldorfer Bad noch gearbeitet, ab Donners-tag ist es wieder geöffnet. Dank Renovierung braucht es künftig weniger Wasser und Energie

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