Zugvögel verpassen ihr Zeitfenster

21. Dezember 2009, 12:12
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Manche Nahrungsangebote sind nur kurzfristig vorhanden - durch die Klimaerwärmung entspricht das Timing von Langstrecken-Zugvögeln nicht mehr den Gegebenheiten

London - Ein früher einsetzender Frühling verlängert nicht einfach die wärmere Jahreszeit - er kann auch eine Übergangsphase, die für manche Spezies wichtig ist, zeitlich verschieben, ohne dass diese deswegen länger würde. Für die betroffenen Tiere - und zwar Langstrecken-Zugvögel - bedeutet dies, dass sie ihr Zeitfenster verpassen.

Niederländische Forscher berichten, die Vögel könnten den Beginn des Frühjahrs in ihren entlegenen Überwinterungsgebieten nicht vorhersehen und verpassten dann häufig den Beginn der Brutsaison. Christiaan Booth von der Universität Groningen und seine Mitarbeiter hatten die Bestandszahlen verschiedener Zugvogelarten wie Grauschnäpper und Gelbspötter ausgewertet. Das Ergebnis: Die Bestände solcher Vögel, die südlich der Sahara überwintern und in niederländischen Wäldern brüten, waren zwischen 1984 und 2004 um durchschnittlich 38 Prozent gesunken. Die Zahlen jener Tiere, die weniger weite Strecken zurücklegen oder hierzulande überwintern, blieben im selben Zeitraum hingegen weitgehend unverändert.

Das Zeitfenster

Mit dem Beginn des Frühlings kommen in den Wäldern für kurze Zeit besonders viele Insekten vor, da diese die sprießenden Blättern fressen. Diese Insekten stehen den Forschern zufolge auf dem Speiseplan vieler Brutvögel. Verpassten die Vögel den Beginn des Frühlings, könnten sie auch nicht mehr von dem reichhaltigen Nahrungsangebot profitieren. Dies erkläre auch, warum die Bestandszahlen von Zugvögeln, die in Feuchtwiesen brüten, nicht gesunken sind. In diesem Lebensraum gäbe es nämlich während des gesamten Frühjahrs und Sommers ein gutes Nahrungsangebot, so dass auch "Spätrückkehrer" noch genug Zeit zum Brüten hätten.

In den Waldgebieten Nordeuropas sind auch die Bestände weitreisender Zugvögel stabil geblieben, berichten die Wissenschafter weiter. In diesen Breiten seien die Temperaturen infolge des Klimawandels nicht so stark gestiegen, die Brutsaison habe sich demnach auch nicht weiter nach vorne verschoben. (APA/red)

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