Das kurze Leben einer Retortenpartei

16. Dezember 2009, 18:51
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Kärntens Orange erfüllen Haiders Vermächtnis und kehren zu den Blauen heim

Klagenfurt/Wien - Das Kärntner BZÖ kehrt in den Schoss der Mutterpartei FPÖ zurück. Völlig überraschend Für die Kärntner Orangen, die sich nie von der grossen freiheitlichen Familie getrennt sahen, wohl aber Jörg Haiders Abspaltung von der FPÖ mehr oder weniger willig gefolgt waren, schließt sich damit der Kreis. Jetzt da ihr Idol und Anführer Jörg haider tot ist, dürfen sie sich auch wieder offen dazu bekennen Freiheitliche zu sein. Obwohl das Kärntner BZÖ auch nach der Abspaltung stets den Beinamen: "Die Freiheitlichen in Kärnten" beibehielt.

Die große Erfolgsgeschichte der FPÖ begann vor 23 Jahren in Kärnten: Der junge Kärntner Landeschef Jörg Haider putschte am 13. September 1986 in Innsbruck mithilfe seiner Kärntner FPÖ-Landesgruppe gegen den liberal angehauchten Bundesparteichef und Vizekanzler Norbert Steger. Im Jubeltaumel trugen ihn seine Kärntner Kameraden auf ihren Schultern in eine neue Ära der FPÖ. Der damalige Kanzler Franz Vranitzky kündigte daraufhin die Koalition mit der FPÖ auf, Haider verdoppelte bei den Neuwahlen daraufhin die FPÖ-Stimmen nahezu auf 9,7 Prozent und führte die Freiehitlichen von da an auch bundesweit von Wahlerfolg zu Wahlerfolg.

Die Altvorderen in der Kärntner FPÖ rund um den erznationalen Huber-Clan sahen in Haider ebenso ihren Hoffnungsträger wie die sogenannte "Buberlpartie", die der freiheitliche Jungstar um sich versammelt hatte.

Österreich als  "ideologische Missgeburt"

1988 bezeichnete Haider in einem TV-Interview Österreich unter als "ideologische Missgeburt". 1989 erobert er mithilfe der Kärntner ÖVP den Landeshauptmann-Sessel. Als Haider 1991 wegen seines "Sagers" über die "ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich" vom Kärntner Landeshauptmann-Thron gestürzt wird, versammeln sich Tausende auf dem Klagenfurter Neuen Platz. Danach schwört Haider als Klubobmann im Wiener Parlament die FPÖ auf einen populistischen Kurs ein und eilt von Wahlerfolg zu Wahlerfolg.

Immer mehr Weggefährten trennen sich von Haider, zunächst seine Kärntner Entdecker um die altnationale frühere Landtagspräsidentin Kriemhild Trattnig, dann gründet der liberale Flügel um Heide Schmidt und Friedhelm Frischenschlager das Liberale Forum.

Haiders Niedergang beginnt mit seinem größten Triumpf als er die FPÖ in die Regierungsbeteiligung mit Wolfgang Schüssels ÖVP führt. Er gibt den FPÖ-Vorsitz ab, sprengt mithilfe seiner getreuen Kärntner in Knittelfeld die Koalition und nach dem Totalabsturz ind er Wählergunst 2005 auch die FPÖ und gründet das BZÖ. Den Wiederaufstieg der FPÖ unter seinem einstigen Konkurrenten Heinz-Christian Strache kann er nicht verhindern.

BZÖ: Haider als einziger Inhalt

Es ist die Kärntner Landesgruppe, die seine orange Retortenpartei trägt, die nur einen einzigen Inhalt hat: ihn selbst. Außerhalb KÄrntens kann das BZÖ nicht reussieren. Haider zieht sich als Landeshauptmann zurück und startet von hier aus bei der Nationalratswahl 2008 seine fulminante Rückkehr in die Bundespolitik, die er von Kärnten aus mit 11 Prozent Wählerstimmenanteil erneut mitbestimmen will. Eine Wiedervereinigung mit der FPÖ schloss er aus, nicht jedoch eine Zusammenarbeit nach CDU-CSU-Vorbild. Seine Kärntner Erben um die erznationalen Gebrüder Scheuch haben nach Haiders Tod die Fusion mit der FPÖ vollzogen. Dem ging ein Richtungsstreit zwischen den Kärntnern und dem Bundes-BZÖ voraus, das sich um Klubobmann Josef Bucher rechtsliberal positionieren wollte. Jetzt wachse wieder zusammen, was eigentlich immer zusammengehört habe, heißt es jetzt bei den Kärntner Freiheitlichen. (red/DER STANDARD-Printausgabe, 17.12.2009)

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