Die Sprengkraft der Liebe - Wohnung flog in die Luft

16. Dezember 2009, 18:54
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Die Flüssiggasheizung war in eine Sprengfalle umgebaut worden - Gleich neben dem Schnitt: eine DNA-Spur vom Ex-Geliebten

Wien - Der Angeklagte hält ein Schild vor sich: "Justiz Korruption 100 % - Menschenrechte 0 % - Skandal". Er sieht sich als Opfer, bezichtigt andere der Lüge, beschuldigt Polizisten, dass sie ihm eine Pistole aus dem Auto gestohlen hätten.

Dabei hatten seine Exfrau Dragica T. und ihr nunmehriger Mann ein Riesenglück, dass sie nicht als Opfer endeten. Am 8. Jänner 2009 war die Wohnung des Ehepaares in Wien-Favoriten in die Luft geflogen. Die Wucht der Detonation hatte die Fenster mitsamt Rahmen und Mauerwerk auf die Straße und in den Hof geschleudert.

Dragica heiratete heimlich einen anderen

Wie sich herausstellte, war die Flüssiggasheizung in der Wohnung in eine Sprengfalle umgebaut worden: Jemand hatte den Schlauch zwischen Gasflasche und Heizung durchschnitten. Gleich neben dem Schnitt: eine DNA-Spur. Und die konnte eindeutig dem angeklagten serbischen Staatsbürger Ekrem A. zugeordnet werden. Dem Ex-Geliebten von Dragica T. Die beiden waren seit 2006 ein Paar - doch Dragica fuhr zweigleisig. 2008 heiratete sie in Serbien heimlich einen anderen.

Stalking

Als Ekrem A. im Dezember schließlich vom Zweitmann erfuhr, der eigentlich die Nummer eins war, begann das Stalking:. Telefonanrufe, SMS, Beschimpfungen, Drohungen. Dragica wechselte die SIM-Karte - und Ekrem die Telefonnummer: Er begann, dem Ehemann Droh-SMS zu schicken.

Paar hat zufällig bei Bruder übernachtet

Noch am 6. Jänner kündigte er dem Neben-Haupt-Buhler an, er werde "mit Blut gratulieren". In einem anderen kündigte er an, die Frau werde auf dem Asphalt zerschmettern. Genau das wäre bei der Detonation passiert, wenn das Paar nicht zufällig bei Dragicas Bruder übernachtet hätte: Sie wären mitsamt den Fenstern vom dritten Stock in die Tiefe geschleudert worden. Doch die Explosion war frühzeitig durch den Zündfunken des Thermostats am Eiskasten ausgelöst worden.

Angeklagter spricht von Zufall

Der Angeklagte sagt, er wäre in dieser Nacht daheim gewesen - obwohl sein Handy beim Tatort eingeloggt war. Und dass Schlüssel bei ihm gefunden wurden, die das Schloss der Wohnung von Dragica T. sperren - ein Zufall.

Der 49-jährige Mann ist am Mittwochabend im Wiener Straflandesgericht wegen versuchten Mordes, vorsätzlicher Gefährdung durch Sprengmittel und schwerer Sachbeschädigung zu 15 Jahre Haft verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Bauingenieur erbat Bedenkzeit.(Roman David-Freihsl/red,  DER STANDARD Printausgabe 17.12.2009)

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