Kein Sonntagsspaziergang

16. Dezember 2009, 18:29
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Der Rücktritt Connie Hedegaards vom Vorsitz der Tagung wirft kein gutes Licht auf den Konferenzhergang und zeugt von fehlender politischer Standfestigkeit

Wer immer der dänischen Umweltministerin Connie Hedegaard begegnete, musste beeindruckt sein von dem Engagement und der Verve, mit der sie die Frage nach einem Klimafolgeabkommen zu ihrer Sache gemacht hatte. Dass sie jetzt, zwei Tage vor dem Ende der Konferenz, aufgibt und ihren Rücktritt als Tagungsvorsitzende erklärt, wirft kein gutes Licht auf den Konferenzhergang. Mehr aber noch wirft es kein gutes Licht auf die designierte EU-Kommissarin für Klimaschutz.

Die Ausgestaltung eines solchen Abkommens ist kein Sonntagsspaziergang. Zu viele Interessen werden tangiert; zu viel Geld ist im Spiel. Mehr noch: Ein Kopenhagener Klimaabkommen mit Biss und ohne die Kinderkrankheiten des Vorgängermodells aus Kioto - dies wäre das wichtigste internationale Abkommen der nächsten Jahrzehnte. Auch wenn das Problem der vom Menschen verursachten Erderwärmung drängend ist und die Demonstranten in Kopenhagen auf die Barrikaden treibt: Eine besonnene Politik, ein ausdauernder Vorsitz mit einer guten Portion Kalkül ist in dieser Phase entscheidend.

Hedegaard wird der Vorwurf gemacht, zu sehr die Interessen der Industrieländer im Auge gehabt zu haben - und dies soll auch zu ihrer Ablöse geführt haben. Das stimmt wahrscheinlich - und ist, im Lichte ihrer EU-Kommissarschaft, nicht einmal so schlecht. Dass sie den Tagungsvorsitz einfach so zurücklegt hat, zeugt vielleicht von hoher moralischer, weniger von politischer Standfestigkeit. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe 17.12.2009)

 

 

 

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