Iran testet erneut "unzerstörbare" Mittelstreckenrakete

16. Dezember 2009, 17:54
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Die Sejil-2-Rakete kann Israel und Südeuropa erreichen. Teheran bezeichnet die Waffe als "starke Abschreckung" gegen mögliche Angriffspläne des Westens

Die USA erließen indes neue Sanktionen.

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Teheran - Der Iran lässt seine Muskeln spielen: Die Streitkräfte haben nach eigenen Angaben erfolgreich eine modernisierte Version ihrer Mittelstreckenrakete Sejil2 getestet. Die Rakete könne aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit "unmöglich zerstört werden" , da sie nicht vom Radar geortet werden könne, sagte Verteidigungsminister General Ahmad Vahidi am Mittwoch im Staatsfernsehen. Die Boden-Boden-Rakete hat eine Reichweite von knapp 2000 Kilometern und kann damit Ziele in Israel und Südosteuropa sowie US-Stellungen in der Golfregion erreichen.

Bei Sejil2 handelt es sich um eine Rakete mit festem Treibstoff, was ihr laut Experten mehr Präzision garantiert als vergleichbaren Raketen mit flüssigem Treibstoff wie etwa der älteren iranischen Shahab 3. Außerdem kann sie im Voraus betankt und zu versteckten Silos gebracht werden. General Vahidi bezeichnete die Rakete als "starke Abschreckung" . Schon seit längerem bemüht sich die iranische Führung vor dem Hintergrund des schwelenden Atomkonflikts mit dem Westen zu beweisen, dass sie bei einem eventuellen Angriff der USA oder Israels auf iranische Nuklearanlagen mit einem Vergeltungsschlag reagieren kann. Der Westen und Israel argwöhnen, dass der Iran eine Atombombe bauen will. Die Führung in Teheran verneint dies und erklärt, ihr gehe es um die zivile Nutzung der Atomenergie.

Es war der dritte Test der Raketenreihe seit Mai. Die iranische Führung hat die Sejil als Durchbruch bezeichnet, da die Rakete ein weitaus moderneres Navigationssystem besitzt als die Vorgängermodelle. Der Name "Sejil" bedeutet "gebrannter Ton" . Er bezieht sich auf eine Geschichte im Koran, in der von Allah gesandte Vögel Angreifer von der heiligen Stadt Mekka vertrieben, indem sie Steine aus gebranntem Ton auf die Feinde warfen.

Das US-Repräsentantenhaus machte indes den Weg frei für Energiesanktionen gegen den Iran. Die Abgeordneten stimmten am Dienstag Strafen für ausländische Unternehmen zu, die den viertgrößten Ölexporteur mit Benzin beliefern. Die angedrohten Maßnahmen sollen den Druck im Atomkonflikt erhöhen. (red, DER STANDARD, Printausgabe, 17.12.2009)

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