"Der Faktor Österreich ist ernst zu nehmen"

16. Dezember 2009, 17:52
4 Postings

Die Hypo-Pleite hat den Blick der Finanzmarktakteure auf Österreich gelenkt, sagt Analyst David Hauner im Interview

Standard: Teilen Sie die Einschätzung vieler internationaler Händler und Analysten, wonach die jüngsten Bankenprobleme in Österreich den Euro und die Aktienmärkte belasten?

Hauner:Die Finanzmärkte sind in einer nervösen Stimmung. Erstens, weil die Investoren gegen Jahresende ihre Risikopositionen reduzieren. Jede schlechte Nachricht führt zu einer Beschleunigung dieses Prozesses. Niemand hat Lust, die heuer erzielten Gewinne durch eine kurzfristige Krise wieder zu verlieren. Und zweitens hatten wir eine Ansammlung von schlechten Nachrichten. Dubai wurde zwar gelöst, aber die Message bleibt: Viele Schuldner sind bankrott. Dann kamen die Sorgen wegen Griechenland und jetzt Österreich. Der Faktor Österreich ist ernst zu nehmen. Ernster, als sich die meisten in Österreich bewusst sind.

Standard: Seit dem Frühjahr ist doch die Diskussion über Österreichs Banken und einen etwaigen Staatsbankrott abgeebbt - wie erklärt sich die jetzt neuerlich ausgebrochene Nervosität?

Hauner: Das Timing der Hypo-Verstaatlichung war unglücklich. Sie platzte genau in die Phase großer Nervosität wegen Griechenland.

Standard: Aber die Probleme der Hypo Alpe Adria kamen doch jetzt nicht so überraschend, dass darunter die Weltwährung Euro plötzlich in Mitleidenschaft gezogen wird.

Hauner: Wenn man - wie die meisten internationalen Kapitalmarktakteure - gerade erst von der Existenz der Hypo Alpe Adria und ihren Osteuropageschäften erfahren hat, dann wirkt das schon besorgniserregend. Viele Investoren - gerade in den USA - verfügen über ein eingeschränktes Wissen. Der Raum für übertriebene Panikmache ist erstaunlich groß.

Standard: So unwissend sind die großen Profis unter den Investoren?

Hauner: Sie werden nicht glauben, wie vielen Leuten wir bei der ersten großen Osteuropa-Panik Basics erklären mussten. Jetzt sind es wieder die gleichen Geschichten. Österreich spielt bei den aktuellen Verlusten des Euro eine Rolle, weil die Hypo-Geschichte zusammen mit Griechenland den Eindruck schürt, dass in der Eurozone viele Dinge fauler sind, als man bisher dachte. Wir glauben aber, dass diese Bewertungen übertrieben sind. Selbst bei extremen Annahmen über Abschreibungen österreichischer Banken in Osteuropa, die dann letztendlich vom Staat getragen werden müsste, wäre der öffentliche Schuldenstand im internationalen Vergleich durchaus noch im akzeptablen Bereich. Die Panikmache betreffend Österreich ist übertrieben.

Standard: Analysten bis hin zum Währungsfonds äußern zunehmend Zweifel daran, dass die Risiken in Osteuropa ausreichend in den Bilanzen dargestellt sind.

Hauner: Unsere Bankanalysten sind der Meinung, dass die Ausfälle in Osteuropa im ersten, spätestens im zweiten Quartal 2010 ihren Höhepunkt erreichen sollten. Und das Wachstum in der Region sollte im kommenden Jahr anspringen. Die Ausfälle korrelieren sehr stark mit dem Wachstum. Viele Institutionen sind zu pessimistisch.

Standard:Auch der Forint und die tschechische Krone sind abgestürzt - aus ähnlichen Gründen wie der Euro?

Hauner: Die Ursachen sind ganz klar in der Sorge um die österreichischen Banken zu sehen. In den beiden Ländern sind sie ja besonders stark tätig. Die Sorge ist, dass die Banken gezwungen sein könnten, sich aus den Ländern zurückzuziehen. Das belastet diese Währungen. Aber die Befürchtungen sind arg übertrieben. Wir raten, osteuropäische Währungen zu kaufen. Die Länder stehen viel besser da als vor einem Jahr. Ungarn beispielsweise hat jetzt eine viel bessere Budgetposition und ein viel kleineres Leistungsbilanzdefizit. Zudem gibt es ein Programm des Währungsfonds, das die Investoren beruhigen sollte.(Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.12.2009)

ZUR PERSON:

David Hauner (33) ist Chefanalyst für Osteuropa bei der Bank of America Merrill Lynch in London. Der Österreicher arbeitete zuvor beim Internationalen Währungsfonds in Washington.

  • Auch der ungarische Forint und die tschechische Krone leiden meint Hauner.
    foto: standard

    Auch der ungarische Forint und die tschechische Krone leiden meint Hauner.

Share if you care.