Luft für die Kärntner Hypo wird dünner

16. Dezember 2009, 17:46
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Bei der Rettung wurde ein Wertberichtigungsbedarf der Kärntner Bank von bis zu fünf Milliarden kolportiert

Die Verstaatlichung der Hypo Alpe Adria hat weitreichende Folgen an den Finanzmärkten. Die Risikoaufschläge für österreichische Staatsanleihen sind seit Montag gegenüber den deutschen Papieren deutlich gestiegen. Dadurch verteuert sich der Schuldendienst der Republik.

Bereits am Dienstag musste der Euro kräftig Federn lassen - laut Analysten vor allem wegen der Instabilität des österreichischen Bankensystems und der Probleme Griechenlands.

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Wien - Seit den Rettungsverhandlungen für die Kärntner Hypo, die ja in der Verstaatlichung gemündet sind, sind Stimmen zu hören, dass die Risikovorsorgen für die Bank weit höher ausfallen könnten als bisher angenommen. "Mit drei Milliarden Euro wird es nicht getan sein" , sagt ein hochrangiger Banker. Dem Vernehmen nach sollen Summen um die fünf Mrd. Euro genannt worden sein.

Die Hypo Group Alpe Adria beschäftigt jedenfalls erneut auch die Bankenaufsicht - die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat soeben eine Vor-Ort-Prüfung abgeschlossen. An die zwei Monate waren die Prüfer im Herbst in der Bank, "im wesentlichen" sollen sich ihre Erkenntnisse mit jenen der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) decken. PwC hatte Kreditrisiko und allfäliges weiters Risikopotenzial aufzuzeigen - und war bei einer Wertberichtigungsbandbreite bis zu 3,1 Mrd. Euro (2009 bis 2013) gelandet.

Die OeNB-Prüfer haben mit ihrer jüngsten Vor-Ort-Prüfung einen Prüfauftrag von der Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA erfüllt; es dürfte in erster Linie um die Prüfung von Risikomanagement-Prozessen gegangen sein; auch Kreditrisiken und Marktpreisrisken sollen analysiert werden sein.

Warum die OeNB just zu diesem Zeitpunkt (als auch die PwC-Prüfer im Haus waren) prüfte, darüber gibt es zwei Versionen. Die Aufsichtsbehörden selbst (zu Prüfberichten geben sie keinen Kommentar ab) sprechen von der "nicht anlassbezogenen jährlichen Prüfung der Großbanken" , andere wollen sehr wohl von einer "anlassbezogenen Prüfung rund um die BayernLB" wissen. Auch die deutsche Aufsichtsbehörde Bafin habe die Prüfung angeregt. Die Bafin ist ja für die Aufsicht der (Ex-)Hypo-Mutter BayernLB zuständig, ihr sei daran gelegen gewesen, dass die lokalen Aufseher die BayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria prüfen. Zur Erinnerung: Im OeNB-Vor-Ort-Prüfbericht von Mai 2007 wurde den Kärntnern ein denkbar schlechtes Zeugnis ausgestellt; Ende 2008 (anlässlich der Vergabe von 900 Mio. Euro aus dem Bankenhilfspaket) hat die OeNB der Bank den Status "non distressed" (nicht notleidend) verpasst.

Fast alle Banken nicht gesund

Das Prädikat "sound" (gesund) hatten sich die Prüfer nicht abringen lassen, "distressed" (hätte bedeutet, dass die Hypo höhere Zinsen zahlen muss; es werden aber sowieso keine gezahlt) war "nicht gewünscht" , wie es heißt. Also habe man, so ein Notenbank-Sprecher, "zum semantischen Kniff des ‚non distressed‘ gegriffen" . Übrigens nicht nur bei der Kärntner Hypo - sondern bei allen Banken, die das Hilfspaket bisher in Anspruch genommen haben, also Erste Group, Raiffeisen Zentralbank, Bawag und Volksbanken.

Geprüft wurden auch die Verflechtungen von Bankgeschäften mit (nicht in der Bilanz auftauchenden) Geschäften über Sondergesellschaften und ihr Risiko; auch im Notenbank-Prüfbericht spielt (wie in jenem der PwC) der Markt Kroatien die größte Rolle. Die dortigen Leasinggeschäfte (Kredite) liefen über Projektgesellschaften; "hinter jedem Kredit, der vergeben wurde, verbargen sich zahlreiche Gesellschaften, die den Kredit oder einen Teil davon an andere weitergereicht haben" , beschreibt ein Banker die Hypo-Deals.

Diese Methode, mittels der die Bank stark wuchs, sei ab 2004 ausgebaut worden; aus diesem Geschäften drohe nun weiterer Wertberichtigungsbedarf. Ab 2006 hätten die Kärntner "zunächst verzweifelt versucht, die Struktur aufzulösen, doch dann haben sie weiter Geld nachgeschossen" . Zwar habe man die kroatischen Leasinggesellschaften fusioniert und so die Macht der lokalen Manager aufgeteilt, "aber die Bank war mit der Steuerung hoffnungslos überfordert" , so ein Banker. Der Nachsatz in Richtung Deloitte: "Man muss auch die Rolle des Hypo-Wirtschaftsprüfers anschauen."

Neueste Nachricht aus München: Ex-BayernLB-Chef Michael Kemmer, der den Hut nehmen musste, soll 1,5 Mio. Euro Abfertigung bekommen.(Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.12.2009)

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