Das neue alte ÖOC-Gesicht

20. Dezember 2009, 18:36
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Der Vorstand ist so groß wie nie, ÖSV-Präsident Schröcksnadel als Vize zurück

Wien - ÖOC-Präsident Karl Stoss war sehr zufrieden. Der neue ÖOC-Vorstand repräsentiere viel Fachwissen und ein hohes Maß an Hausverstand, gab er bekannt. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel war am Freitag wie erwartet nach zweieinhalb Jahren als ÖOC-Vizepräsident zurückgekehrt, er wird von Paul Schauer (Schwimmverband) und Walter Kapounek (Hockeyverband) flankiert. Die Rechnungsprüfung des ÖOC obliegt hinkünftig drei (nicht stimmberechtigten) Vertretern der Dachverbände Askö, Sportunion und Asvö. Bettina Glatz-Kremsner schied aus, wie auch Trixi Schuba und Kassier Gottfried Forsthuber. Das grundlegende Revirement verschonte den Anwalt und Rechtsbeirat Herbert Hübel, der den ÖFB, einen im ÖOC völlig unerheblichen Verband, repräsentiert. Die neuen Statuten aus Hübels und Schauers Feder sollen Mitte März abgesegnet werden.

Die ehemaligen Spitzensportler Vera Lischka (Askö, Rechnungsprüferin), Markus Prock (Schriftführer) und Elisabeth Max-Theurer (Beirat Frauenfragen) bilden einen Konnex zur Praxis. Der Posten des Generalsekretärs wurde vor zwei Wochen ausgeschrieben, Interimssekretär Matthias Bogner zieht sich auf eigenen Wunsch auf seine Funktion als ÖOC-Fachmann für die sportliche Analyse zurück. Eine Gewichtung nach parteipolitischen Affinitäten ergibt für Stoss' Reformvorstand das wohltradierte und austarierte Verhältnis von vier "Roten", vier "Schwarzen" und zwei "Blauen".

23 Personen, drei Beiräte

In der konstituierenden Vorstandssitzung wurden Vertreter des Innen- und Heeresministeriums, der Bundeswirtschaftskammer, des Bundes Sportorganisation, des Paralympischen Committees und der drei Dachverbände (alle ohne Stimmberechtigung) in den Vorstand kooptiert. Das neue Führungsgremium des ÖOC umfasst 23 Personen, so viele wie nie zuvor. Darüber hinaus werden Beiräte für Sport, Sportmedizin und Wirtschaft die Arbeit des Vorstands ergänzen.

Stoss hob nach der Sitzung die Vorbildwirkung und Zugkraft des ÖSV hervor. Von einem ZDF-Mitarbeiter nach der Vorbildfunktion des ÖSV angesichts des gegen Schröcksnadel und neun weitere ÖSV-Mitarbeiter laufenden Dopingprozesses in Italien gefragt, konterte Stoss mit dem Hinweis auf die Unschuldsvermutung. Er vertraue Schröcksnadel voll und ganz. Es sei auch nicht klug, im Glashaus mit Steinen zu werfen, auch deutsche Sportler stünden unter Dopingverdacht. Nach Namen gefragt, konnte Stoss keine nennen. Schröcksnadel selbst wollte erst schweigen, stellte dann doch fest, dass der ÖSV als Erster auf das Institut Humanplasma und die dort angeblich durchgeführte Praxis des Blutaustausches hingewiesen habe.

Soko Doping ermittelt

Am Tag nach der Vorstandssitzung wurde bekannt, dass das Bundeskriminalamt durch zwei Beamte der Soko Doping Geschäftsunterlagen der Stadtapotheke Radstadt beschlagnahmte. Eigentümer Eberhard Künßberg sagte bereits vor Monaten, er habe jahrelang den ÖSV mit Medikamenten versorgt, die ÖSV-Ärzte per personalisiertem Rezept bestellten. Am Samstag wurde Künßberg in den Salzburger Nachrichten zitiert: "Was wir dem ÖSV verkauft haben, welche Produkte und wie viel, wollten sie wissen." Außerdem müsse Künßberg Lieferscheine aus den vergangenen Jahren ausgraben und an die Soko Doping übergeben. Künßberg: "Theoretisch könnte man viele Dinge falsch einsetzen und für Doping verwenden."

Der ÖSV erklärt, an der Sache sei absolut nichts dran. Der ÖSV-Antidopingbeauftragte Hans Holdhaus gab bekannt, die infrage kommenden Präparate seien zur Ausstattung der Notfallkoffer vorgesehen. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 21.12.2009)

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    ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und ÖOC-Präsident Karl Stoss (re.) verstehen prächtig.

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