Neue alte Heimat mit Kärntner Wasserkopf

16. Dezember 2009, 17:23
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FPÖ und BZÖ werden wieder zu dem, was sie eigentlich ohnehin immer waren: Einer einheitlichen Rechtspartei

Die Freiheitliche Seele, so drückt es FPÖ-Chef HC Strache aus, ist wieder komplett. Der Grund: Das Kärntner BZÖ hat seinen konstant Wahlen verlierenden Rest-Österreich-Wurmfortsatz abgeschüttelt und wird sich mit der FPÖ vereinigen. Im Hintergrund wurde über die Reunion schon lange gesprochen. Seit dem Tod des Kärntner Landeshauptmanns war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die zwei Parteien, die das selbe Wählersegment bedienen, wieder näher kommen.

Warum das nicht schon längst passiert ist, hat mehrere Gründe. Einer ist das zerbrochene Porzellan, das den Weg des dritten Lagers säumt. Nirgendwo wurden politische Feindschaften mit einer ähnlichen Vehemenz geführt, nirgends der politische Gegner mit soviel Engagement diffamiert wie in blau-orangen Kreisen. Die Konsequenz: Tiefe Gräben auf verschiedenen Ebenen, verletzte Eitelkeiten, unversöhnliche ehemalige Parteifreunde. Nicht einmal der eigentliche politische Gegner, die Parteien links der Mitte, wurde ähnlich begeistert beschimpft wie die ehemaligen "Freunde". In Sachen Vergangenheitsbewältigung mittels Hasstiraden und Spott ließen sich dabei weder FPÖ noch BZÖ lumpen.

Die langsame Annäherung in den letzten Jahren liegt aber auch in der blamablen Performance des bundesweiten BZÖ begründet. Einzig die Kärntner Haider-Erben konnten sich beim Wähler behaupten. Der Rest der Landesgruppen führte de facto eine Scheinexistenz, fernab jeder politischen Relevanz. Der Parlamentsklub war eine Kärntner Insel mit geduldeten Nicht-Kärntner Einsprengseln. Wieso sollte der von Wahlgewinnen verwöhnte Strache sich mit den "Losern" vereinigen? Viel sprach dagegen, wenig bis nichts dafür.

Jetzt, nach dem Hypo-Debakel und den hemmungslosen Geld-Rausschmeiss-Aktionen des Kärntner BZÖ ist das hübsche Orange beschmutzt. Kein Wunder, dass Dörfler und Scheuch sich wieder ins blaue Heim flüchten wollen. Was allerdings FP-Chef Strache antreibt, weiß wohl nur er selbst - Taktik kann es jedenfalls nicht sein, denn wer würde sich schon die Schuld an einem der größten Skandale der zweiten Republik freiwillig unters eigene Dach holen. Auch dass sich Strache sozusagen die Rosinen des BZÖ, nämlich die Kärntner Landesgruppe, ausgesucht hat, kann dieses Imagemanko nicht ausgleichen. Ob die Kärntner Wählerstimmen, die sich die Blauen dadurch holen, diesen Weg wert sind, ist fraglich.

Mit der Wiedervereinigung der Parteien fügt sich jedenfalls zusammen, was zusammen gehört. Zwar versuchten die Orangen immer wieder, sich einen liberalen Anstrich zu geben, aber die halbherzigen Versuche waren nicht von Erfolg gekrönt. Bei Ausländer- und Sicherheitspolitik war man klar rechts und fischte exakt im selben Wählerteich wie die blauen Ex-Freunde. Jetzt ist der Weg vorgezeichnet: Das Bundes-BZÖ wird von der Bildfläche verschwinden, auch wenn es in einer ersten Reaktion angibt, weitermachen zu wollen. Das rechte Lager wird sich daran erfreuen, alte Wunden verheilen zu sehen. Und Kärnten hat wieder einen blauen Landeshauptmann.

Das BZÖ jedenfalls ist so tot wie der Mann, der es einst erfunden hat. 1.717 Tage hat es gelebt. Jetzt weiß der Österreicher mit Rechtsdrall wieder, wo er hingehört. (Anita Zielina, derStandard.at, 16.12.2009)

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